Wahlkampf Schröder lehnt Spekulationen über große Koalition ab

Gerhard Schröder hat die Spekulationen führender Mitglieder seines Kabinetts über ein mögliches Bündnis mit der Union kritisiert. Solche Äußerungen zu einer großen Koalition seien "wenig hilfreich", sagte der Kanzler.


Berlin - Es sei müßig, zum jetzigen Zeitpunkt derartige Konstellationen zu diskutieren, sagte Regierungssprecher Hans Langguth. Schröder halte dies für "wenig hilfreich" in einem Wahlkampf, der gerade erst begonnen habe. Erste Priorität habe, die Konstellation der vergangenen sieben Jahre fortzuführen, und das sei die rot-grüne Koalition. Über künftige Bündniskonstellationen entscheide der Wähler.

Am Wochenende hatten sich führende Kabinettsmitglieder wie Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, Finanzminister Hans Eichel und der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück (alle SPD) offen für eine große Koalition gezeigt. Auch Innenminister Otto Schily hatte heute in der ARD erklärt, man dürfe ein solches Bündnis als Option nicht von vornherein ausschließen, wenn das Wahlergebnis entsprechend ausfalle.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer warf den Sozialdemokraten daraufhin "Orientierungslosigkeit" vor. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Krista Sager, bezeichnete eine große Koalition in der "Berliner Zeitung" als den "dümmsten gemeinsamen Nenner".

Schröder betrachte es als seine Aufgabe, "die SPD so stark wie möglich zu machen", sagte der Regierungssprecher. Langguth bekräftigte erneut eine Ablehnung Schröders zu einer Koalition mit der Linkspartei. Damit stehe er auch im Einklang mit der SPD. Die Ablehnung beziehe sich vor allem auf die beiden Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, deren Zuverlässigkeit mit Blick auf die Vergangenheit erheblich bezweifelt werden könne.

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