Wahlkampf skurril Kochen, kuscheln, kalauern

Wortspiele mit hohem Schmerzfaktor, Web-Auftritte zum Fremdschämen, Bürgernähe auf Krampf: In vier Bundesländern geht der Wahlkampf in die heiße Phase - die Kampagnen sind oft grauenhaft. SPIEGEL ONLINE zeigt die skurrilsten Fundstücke.

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Hamburg - Es stellt sich nicht die W-Frage - die Frage nach dem Wahlsieger. Vor einer Landtagswahl fragt man sich vor allem das:

Warum müssen Werbevideos - pardon, "Imagefilme" - von Spitzen- oder Direktkandidaten immer an Schnellstraßen, vor vereisten Weihern, in schummrigen Räumen mit klapperndem Besteck oder vor Bücherwänden gedreht werden?

Warum sind manche Wortspiele auf Wahlplakaten so schlecht, dass sie aus dem Gruppenprojekt einer Grundschulklasse stammen könnten?

Warum gibt es eigentlich kaum originelle Wahlplakate?

Und: Wer soll sich bei all den austauschbaren Motiven, müden Slogans und 1000-mal gehörten Wahlkampfreden-Versatzstücken eigentlich für eine Landtagswahl begeistern?

Die Wahltage in diesem Jahr bieten eigentlich Stoff für politische Dramen: In Baden-Württemberg hoffen die Grünen auf den Coup, erstmals einen Ministerpräsidenten stellen zu können. In Hamburg kämpft der erst seit wenigen Monaten regierende Bürgermeister Christoph Ahlhaus gegen den Absturz seiner CDU. Kurt Beck tritt in Rheinland-Pfalz gegen eine Herausforderin an, die mehr als 20 Jahre jünger ist als er. In Sachsen-Anhalt kandidiert ein Ex-SPD-Mann für die rechtsextreme NPD. Aber interessiert es den Wähler? Kaum.

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Wahlkampf skurril: Galerie des Fremdschämens
Sollte der Trend anhalten, dann werden Statistiker in allen vier Bundesländern zu dem Ergebnis kommen, dass die Wahlbeteiligung noch nie zuvor so gering war. Um ihr Stimmenpotential zu erhöhen, setzen die Landesparteien auf Web-Präsenz: Internetauftritte, Facebook-Profile, Twitter-Accounts, YouTube-Channel. Parallel versuchen es die Parteien mit traditionellem Straßenwahlkampf - es wird geklebt und verteilt, was das Zeug hält. Doch statt Originalität findet sich erschreckend häufig unfreiwillige Komik.

Bis zum Frühjahr stimmen vier Bundesländer über ihre Regierungen ab: SPIEGEL ONLINE zeigt die skurrilsten Wahlkampf-Fundstücke aus den Ländern.

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konertec, 03.02.2011
1. Hmmm...
Zitat von sysopWortspiele mit hohem Schmerzfaktor, Web-Auftritte zum Fremdschämen, Bürgernähe auf Krampf: In vier Bundesländern geht der Wahlkampf in die heiße Phase - die Kampagnen sind oft grauenhaft.*SPIEGEL ONLINE zeigt die skurrilsten Fundstücke. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,742134,00.html
...ich habe mal kurz die Bilder angeschaut. Die SPD kommt am häufigsten vor, die FDP garnicht. Was will man dem geneigten SPON-Leser damit nur sagen? Nimmt die FDP vielleicht nicht an den Wahlen teil? Habe ich da was verpasst?
andreasoberholz 03.02.2011
2. Leere Kassen
Tja auch bei den Parteien scheinen Leere Kassen zu sein? Einige Videos waren so unverschämt schlecht gemacht, das man weinen wollte. Ich hoffe das für Videos, die mit einer billigen Handkamera gedreht wurden, mit Brummen kostenlos inklusive im Sound- kein Geld gezahlt wurde. Drei Videos die man im Zusammenschnitt gesehen hat waren: MEGA SCHLECHT PRODUZIERT Auch geil fand ich das einige weibliche Bewerber den MERKEL-TON in der Stimme kopieren wollten. Hätte nur noch die Merkel Plattitüde gefehlt... "Es geht nur gemeinsam, nicht alleine". Das soll Bürgernähe sein? Dem Bürger nah könnten die sein wenn Sie endlich mal Reden wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und sie die Image Berater zum Fenster raus werfen. Kleiner Tipp siehe--> Schmidt,Brand das waren Politiker mit Format und mit dem Herz auf der Zunge, und nicht mit nem Stock im A.
99erFiesta 03.02.2011
3. Bild Nr. 6
Bild Nr. 6 oben in der allgemeinen Bilderleister. Der Herr mit der Sonnenbrille vor dem Gewässer. Wer rechts unten guckt sieht das Youtube als "Partnervideos" Bölkstofffreund Werner vorschlägt. Was haben die da wohl für Tags und Stichworte verwendet?!
moderne21 03.02.2011
4. Lustige Politik, ernste Satire ?
Ich befürchte, viele Bürgerinnen und Bürger können bereits heute nicht mehr zwischen Politik und Satire unterscheiden (Siehe Frauen'quote' etc.) und werden versucht sein, den meisten Parteien bei den anstehenden Urnengängen eine Wahlabsage (http://www.wahlabsage.de) zu erteilen. Das ist nicht gut für die Demokratie, aber vielleicht braucht das Land jetzt auch schmerzhaft niedrige Wahlbeteiligungen, damit sich etwas ändert.
sponwurm 03.02.2011
5. Wenn das stimmt,
Zitat von konertec...ich habe mal kurz die Bilder angeschaut. Die SPD kommt am häufigsten vor, die FDP garnicht. Was will man dem geneigten SPON-Leser damit nur sagen? Nimmt die FDP vielleicht nicht an den Wahlen teil? Habe ich da was verpasst?
dann sollten Sie nicht daraus schließen, dass die FDP-Werbung so gut ist. Trösten mag Sie Folgendes: Die Gewerkschaft der Polizei (GdP), also die eigentlich ernst zu nehmende, hat feststellen lassen, welche Signalfarben am Hintern eines Streifenwagens besonders wirken: Es sind blau und gelb!
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