Wahlkampf Union macht sich Sorgen um die FDP

Die schwarz-gelbe Mehrheit bröckelt, die Wechselstimmung im Land wird schwächer: Angesichts der Stimmenverluste in den jüngsten Umfragen geht die Union auf die FDP los. Führende CDU-Politiker fordern von den Liberalen mehr Profil und eine stärkere Auseinandersetzung mit der rot-grünen Regierung.


Berlin - Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach sagte, er mache sich mit Blick auf die Bundestagswahl um die FDP Sorgen. "Die liegen irgendwo bei sechs Prozent. Die sollten sich mal ein bisschen mehr mit Rot-Grün auseinandersetzen, und ein bisschen weniger mit der Union. Dann ginge es denen auch wieder besser", sagte Bosbach (CDU) dem "Handelsblatt". Die FDP kommt nach den jüngsten Umfragen bei der sogenannten Sonntagsfrage auf sechs bis acht Prozent. Eine Forsa-Umfrage hatte am Wochenende zudem ergeben, dass eine Mehrheit der Deutschen erstmals seit Monaten keinen Regierungswechsel will.

CSU-Generalsekretär Markus Söder bezeichnete das politische Konzept der Liberalen als unscharf. "Die FDP muss auch sagen, wofür sie steht. Sie darf nicht nur sagen, wogegen sie ist", sagte er der "Berliner Zeitung". Zudem müsse sich die FDP stärker darauf konzentrieren, den Grünen Wähler abzujagen. Beide Parteien hätten teilweise sehr ähnliche Wählerschichten. Söder zeigte sich überzeugt, dass die FDP nach der Wahl entgegen ihrer derzeitigen Ankündigungen die von der Union geplante Mehrwertsteuererhöhung mittragen wird. "Die FDP wird sich nach der Wahl schon an der Vernunft orientieren", sagte Söder.

Zwischen den möglichen Koalitionspartnern Union und FDP war es in den vergangenen Wochen unter anderem bei den Themen innere Sicherheit und Steuern zu Streit gekommen. So lehnt die FDP die von der Union favorisierte vorbeugende Inhaftierung Terrorverdächtiger ab. Sie ist zudem gegen die von der Union geplante Mehrwertsteuererhöhung.

FDP-Chef Guido Westerwelle sieht derweil keinen Grund für Kritik an seiner Amtsführung. "Seitdem ich zum FDP-Vorsitzenden gewählt wurde, hat die FDP die besten Wahlergebnisse erringen können seit der deutschen Einheit", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Wir sind jetzt in dreimal so vielen Parlamenten vertreten wie vorher und wieder in fünf Landesregierungen dabei. Die Wähler vertrauen uns und meiner Arbeit offensichtlich mehr als manche Meinungsforscher." Einer Umfrage für die Zeitung "Die Welt" zufolge sollen 55 Prozent der FDP-Anhänger mit Westerwelle als Spitzenkandidaten unzufrieden sein.



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