Wahlplakate Klinsmann-Berater erwägt juristische Schritte gegen SPD

Jürgen Klinsmann - ein bekennender Genosse? Auf Wahlplakaten in Berlin wirbt ein Mann, der dem Ex-Bundestrainer zum Verwechseln ähnlich sieht, für die SPD. Das passt seinem Berater nicht. Er erwägt deshalb juristische Schritte.


Berlin - In der Hauptstadt ist seit Wochen auf Plakaten der blonde Student Daniel Kind zu sehen, der Klinsmann sehr ähnlich sieht. Unter dessen Konterfei steht in Anlehnung an Klinsmanns Entscheidung, das WM-Stammquartier in der deutschen Hauptstadt aufzuschlagen, der Spruch: "Konsequent Berlin. SPD."

SPD-Wahlplakat: "Reiner Zufall"
DDP

SPD-Wahlplakat: "Reiner Zufall"

"Das Plakat erweckt den Eindruck, als würde sich Jürgen Klinsmann politisch äußern. Das möchte er sicher nicht. Ich habe ihm ein E-Mail geschrieben. Wenn er geantwortet hat, werden wir in Ruhe entscheiden, wie wir damit umgehen", sagte Klinsmanns PR-Berater Roland Eitel dem Sport-Informations-Dienst. Ob Klinsmann, der sich gerade in seiner Wahlheimat Kalifornien aufhält, juristische Schritte gegen die SPD einleiten wird, ließ Eitel offen.

Zwar sehen sich Kind und Klinsmann ähnlich, aber zwischen den beiden besteht ein erheblicher Unterschied: Der Berliner Student aus Lichtenberg ist Mitglied der SPD - Klinsmann dagegen ist kein Genosse.

Die Berliner Sozialdemokraten bezeichneten den Vergleich mit dem ehemaligen Bundestrainer als "reinen Zufall". Am 17. September finden in Berlin Abgeordnetenhauswahlen statt.

Für die Kampagne der SPD zeichnet die Agentur "Butter" verantwortlich. Der Leiter des Berliner Büros, Arne Grimm, erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Ich glaube nicht, dass der Berater rechtliche Schritte einleiten wird". Die Ähnlichkeit mit dem früheren Bundestrainer sei weit hergeholt: "Es gibt auch andere Menschen, die blond sind".

Das Fotoshooting habe am 12. Juni, drei Tage nach Beginn der Fußball-WM in Deutschland, stattgefunden, so Grimm. Damals hätten weite Teile der Öffentlichkeit noch geglaubt, dass ein Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft drohe. Der spätere Erfolg sei noch nicht absehbar gewesen, so der Leiter des Berliner Büros weiter: "Diese prophetische Gabe besitzen weder die SPD noch wir." Man habe für das Motiv zwei junge Studenten gesucht, die auch privat befreundet sind und sich für die SPD zusammen fotografieren lassen wollten. "An Klinsmann hat wirklich niemand gedacht", so Grimm zu SPIEGEL ONLINE.

hen/mok/sid



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