Studie zu Wahlprogrammen Mit diesen Bandwurmsätzen quälen Parteien die Wähler

Laschets Lachen, Baerbocks Buch – der Wahlkampf erscheint oberflächlich. Doch politische Inhalte verstecken sich leider vielfach in Programmen mit Sätzen von bis zu 79 Wörtern. Die längsten Sprachgeflechte im Überblick.
Lange Sätze, lange Leitung: Anstatt eines verständlichen Wahlprogramms hat manche Partei ein kompliziertes Traktat veröffentlicht

Lange Sätze, lange Leitung: Anstatt eines verständlichen Wahlprogramms hat manche Partei ein kompliziertes Traktat veröffentlicht

Foto: JGI/Jamie Grill/Blend Images / Tetra images RF / Getty Images

Bandwurmsätze, Wortungetüme, Fremdwörter: Die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl lassen sich so schwer verstehen wie kaum andere in der bundesdeutschen Geschichte – zu diesem Schluss kommt eine Studie der Stuttgarter Universität Hohenheim . In den Schriftstücken fanden sich den Autoren zufolge Sätze mit bis zu 79 Wörtern, wie die Hochschule mitteilte.

»Oft lässt die Verständlichkeit der Wahlprogramme zu wünschen übrig«, fasst der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider die Ergebnisse der Studie noch freundlich zusammen. »Nur 1994 waren die Programme im Schnitt noch unverständlicher.«

Kommen Sie da noch mit? Besonders lange Sätze in den Wahlprogrammen

»Damit wir auch in Zukunft die Fachkräfte haben, die unser Land braucht, setzen wir unter anderem auf gute berufliche Ausbildung, die zunehmende Beschäftigung von Frauen, Älteren und Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt, die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen sowie den gesteuerten Zuzug gut ausgebildeter und leistungsbereiter Menschen aus den Mitgliedstaaten der EU und aus außereuropäischen Staaten.« (56 Wörter)

Für die Analyse benutzte sein Team eine Software für komplizierte Wörter und verschachtelte Sätze. Die Analyse ist Teil eines Langzeitprojektes, bei dem seit der Bundestagswahl 1949 alle 83 Wahlprogramme der im Deutschen Bundestag oder in mindestens drei Landtagen vertretenen Parteien untersucht werden.

Die Ergebnisse seien noch schlechter als bei der jüngsten Bundestagswahl im Jahr 2017. »Das ist enttäuschend«, sagt Brettschneider. »Denn alle Parteien haben sich in den letzten Jahren Transparenz und Bürgernähe auf ihre Fahne geschrieben.« Mit ihren »teilweise schwer verdaulichen Wahlprogrammen« schlössen sie aber einen erheblichen Teil der Wählerinnen und Wähler aus.

Am unverständlichsten ist der Untersuchung zufolge das Programm der Grünen. Ob die Angst vor allzu griffigen Vorschlägen wie dem Veggie-Day im Wahlkampf 2013 eine Rolle spielt? Damals bekam die Partei heftigen Gegenwind, als sie aus Klimaschutzgründen einen fleischlosen Tag in Großküchen vorschlug.

Noch am leichtesten lässt sich laut der Studie der Schriftsatz der Linken lesen. Dahinter folgen SPD, CDU/CSU, FDP und AfD.

nis/dpa