Wahlurnen Warum Peter Tauber seinen Stimmzettel in die Papiertonne wirft

Der Trend geht zur Mülltonne: Immer mehr Städte und Gemeinden sparen bei den Wahlurnen. Aber wann ist eine Urne eigentlich eine Urne?


"Ich habe meine Bürgerpflicht erfüllt", schreibt CDU-Generalsekretär Peter Tauber auf Facebook - und postet ein Foto, auf dem er seinen Wahlzettel in eine Altpapiertonne wirft. Was ist da los?

"Für die Tonne" ist seine Stimme damit natürlich nicht - der Mülleimer fungiert an diesem Sonntag in Gelnhausen als Wahlurne.

Mülltonnen sind schön groß, leicht zu transportieren und kosten nicht viel - deshalb werden sie in immer mehr Städten und Gemeinden als Urnen eingesetzt. In Bochum wurden sogar die Briefwahlstimmen in einer Altpapiertonne gesammelt.

Weil sich viele Menschen auf Facebook darüber lustig machten, fühlte sich eine Pressesprecherin der Stadt Bochum zu einer Erklärung verpflichtet: "Damit schonen wir den Rücken unserer Mitarbeiter. Das heißt: Die Höhe des Einwurfspalts und auch der Transport bei voller Ladung fällt leichter. Denn viel Papier kann ganz schön schwer sein", sagte sie dem "Westen".

Eine gesetzlich bestimmte Einheitswahlurne gibt es nicht. Rechtlich festgelegt ist:

Die Wahlurne muss verschließbar und mit einem Deckel versehen sein. Der Schlitz, durch den man seinen Wahlzettel schiebt, darf nicht breiter als zwei Zentimeter sein. So steht es in Paragraf 51 der Bundeswahlordnung.

Die Stadt Nürnberg soll die erste Kommune gewesen sein, die in den Neunzigerjahren entdeckte, dass diese Definition auch Mülltonnen als Wahlurnen zulässt - und sich damit viel Geld sparen lässt. Hannover zog bei den Kommunalwahlen 1998 nach. "Eine klassische Wahlurne kostet zwischen 140 und 180 Mark, eine Mülltonne aber nur 40 bis 50 Mark", rechnete damals der städtische Wahlleiter Hubert Harfst vor und ließ die Hannoveraner ihre Stimme in gelbe Tonnen werfen. "Ob es geschmackvoll ist, ist eine andere Frage", gab er zu. "Man kann sicher Witze darüber reißen."

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"München kopiert jetzt das Vorbild der Hansestadt", meldete 2013 stolz das "Hamburger Abendblatt". Auch hier war die Rede von, na klar, Mülltonnen als Wahlurnen. Diese wurden in Hamburg erstmals 2008 eingesetzt - weil die Stimmzettel nach einer Änderung des Wahlrechts für die Bürgerschaftswahl zu lang waren, um in die herkömmlichen Holzkisten zu passen. Anders als die Niedersachsen gaben die Hamburger aber eine Spezialanfertigung in Auftrag: weiß mit rotem Deckel. 2700 Tonnen wurden damals produziert. Und sie kommen auch an diesem Sonntag wieder zum Einsatz.

So sehen die Hamburger Wahlurnen aus
DPA

So sehen die Hamburger Wahlurnen aus

Über die wohl kleinste Wahlurne Deutschlands verfügt die Hallig Gröde. Im kleinsten Wahlbezirk Deutschlands stellt Bürgermeister Volker Mommsen an Wahltagen üblicherweise eine blaue Holzkiste auf seinen Wohnzimmertisch. Diesmal bleibt sie allerdings im Keller: Die neun Wahlberechtigten der Hallig haben schon per Briefwahl abgestimmt.

Volker Mommsen mit Deutschlands kleinster Wahlurne
DPA

Volker Mommsen mit Deutschlands kleinster Wahlurne

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