Walter Döring im Interview "FDP-Kanzlerkandidat ist Karneval"

Am 25. März sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg. SPIEGEL ONLINE sprach mit Wirtschaftsminister und FDP-Bundesvize Walter Döring über seine Favoritin für den FDP-Generalsekretärsposten, seine Ambitionen im Bund und warum die Liberalen derzeit nicht mit der SPD flirten sollen.


SPIEGEL ONLINE:

Herr Döring, die FDP sucht noch einen Generalsekretär. Wie wär's denn?

Döring:(lacht). Nein. Wirtschaftsminister hier in Baden-Württemberg zu sein, ist mit Abstand die schönste Aufgabe, die man haben kann. Der Posten des Generalsekretärs hat mich vor zehn Jahren gereizt, als ich noch Fraktionsvorsitzender war. Aber das Regieren ist einfach schöner, und ich habe lieber die operative Entscheidungsgewalt.

Walter Döring
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Walter Döring

SPIEGEL ONLINE: Und wer wird nun FDP-Generalsekretär oder Generalsekretärin?

Döring: Darüber ist mit mir nicht gesprochen worden. Außerdem ist das die Aufgabe des Bundesvorsitzenden. Aber ich bin der Ansicht, dass diese Frage so langsam zu klären wäre, dennoch will ich Guido Westerwelle nicht drängen. Ich gehe davon aus, dass sehr stark über eine Frau für diesen Posten nachgedacht wird. Das halte ich auch für richtig. Mir gefällt Silvana Koch-Mehrin, die Chefin der Auslands-FDP, nicht schlecht. Aber ich habe das Gefühl, dass sie nicht Generalsekretärin wird.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Döring: Sie ist zwar blitzgescheit und jung. Aber die Person, die im März für diesen Posten gewählt wird, muss den Bundestagswahlkampf machen und dazu braucht es eine Menge Erfahrung.

Dörings Zukunft heißt Berlin

SPIEGEL ONLINE: Und Sie bleiben immer in Baden-Württemberg?

Döring: In meinem Alter werde ich jetzt nicht sagen: Berlin interessiert mich nicht, dann wäre ich ja verrückt. Fünf Jahre bleibe ich auf jeden Fall noch hier.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, wenn die FDP wieder im Bund mitregieren sollte, dann wären Sie dabei?

Döring: Ja. 2006 könnte ich mir wohl vorstellen, dass ich mich noch einmal anders orientieren sollte.

SPIEGEL ONLINE: Als Bundeswirtschaftsminister?

Döring: Wenn der Wirtschaftsminister 2005 in Baden-Württemberg immer noch Döring heißt, warum nicht.

SPIEGEL ONLINE: NRW-Landeschef Jürgen Möllemann hält daran fest, dass die FDP zur Bundestagswahl 2002 einen Kanzlerkandidaten aufstellt. Warum ist das für Sie, wie Sie immer wieder betonen, "vollkommener Quatsch"?

Döring: Bei dieser Aussage bleibe ich auch. Ich habe zu Jürgen Möllemann ein sportives Verhältnis. Das Projekt, 18 Prozent bei der Bundestagswahl zu erreichen, kann man betreiben, wenn wir bei den jetzigen Landtagswahlen gut abschneiden. Aber das ist ein Riesenunterschied zu diesem Projekt des Kanzlerkandidaten. Das ist Karneval. Vielleicht ist das eine Mentalitätsfrage, dass das bei denen in NRW gut rüberkommt, aber in Baden-Württemberg hat das den Touch des Unseriösen.

SPIEGEL ONLINE: Wolfgang Gerhardt ist weg. Wird nun mit Guido Westerwelle als FDP-Bundesvorsitzenden alles besser?

Döring: Ich glaube, dass Guido Westerwelle ein Wählerpotenzial erschließen könnte, das Wolfgang Gerhardt alleine nicht erreicht. Aber wenn Gerhardt hier auftritt, dann werden wir gefragt, warum wir ihn in die Wüste geschickt haben? Und dann erklären wir, er ist nicht in der Wüste, sondern er ist und bleibt Vorsitzender der Bundestagsfraktion! Das ist in einer Oppositionspartei der wichtigste Posten!

SPIEGEL ONLINE: Heißt FDP-Wählerpotenzial erschließen auch, in den "Big Brother"-Container zu gehen?

Döring: Ich habe Guido Westerwelle gesagt, dass es nicht geht, dass er am Montag im "Big Brother"-Container ist, am Dienstag bei Stefan Raab und am Mittwoch bei Verona Feldbusch auf dem Schoß sitzt. So darf sich die FDP nicht nach außen präsentieren. Ich glaube, dass hat er auch angenommen. Jetzt. muss man sagen, dass der Guido Westerwelle die Last der Verantwortung auf seinen Schultern spürt und reagiert.

Zur SPD hinüberblinzeln ist nicht drin

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich zwar klar und deutlich für eine Fortsetzung der CDU/FDP-Koalition in Baden-Württemberg ausgesprochen. Wenn aber alles anders kommen sollte am 25. März, könnten Sie sich dann auch eine SPD/FDP-Koalition vorstellen?

Döring: Nein. Wenn wir hier in Baden-Württemberg auch nur zur SPD rüberblinzeln würden, dann bekommen wir nur noch die halbe Prozentzahl. Die FDP-Wählerschaft im Land ist knüppelhart auf liberal-bürgerlich ausgerichtet. Und was die SPD auf Bundesebene betrifft, sage ich nur ein Stichwort: Betriebsverfassungsgesetz. Das Gesetz ist eine Katastrophe. Das hält die FDP bei der CDU. Das ganze FDP-Spektrum ist dagegen. Und da können wir nicht mit der SPD spekulieren. Das geht nicht.

SPIEGEL ONLINE: Die Republikaner sitzen mit im baden-württembergischen Landtag. Bei der letzten Landtagswahl 1996 erreichten sie 9,1 Prozent. Was tut die FDP, damit die Wähler in Baden-Württemberg nicht wieder die Republikaner wählen?

Döring: Wir haben eine geringe Arbeitslosenquote, jeder Lehrling bekommt eine Lehrstelle, wir sind das sicherste Land - ich bin ratlos, muss ich ganz ehrlich sagen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie bei ihrem Hauptkonkurrenten, den Grünen, auch ratlos?

Döring: Die Grünen sind nicht unsere Hauptgegner. Wir sind im Wettbewerb um Platz drei der Wählergunst. Außerdem kann ich den Spitzenkandidaten der Grünen, Dieter Salomon, gut leiden. Der ist gescheit und sympathisch, nur leider ist er in der falschen Partei.

SPIEGEL ONLINE: Macht es Erwin Teufel noch fünf Jahre als Ministerpräsident?

Döring: Wenn er ein ordentliches Ergebnis macht, dann wird er sicher noch fünf Jahre regieren.

Das Interview führte Kristina Jagemann



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