Altkanzler-Sohn Walter Kohl "Ich habe mich versöhnt"

Walter Kohl litt lange unter seinem Vater. Jetzt will der Sohn von Altkanzler Helmut Kohl ein "Zentrum für eigene Lebensgestaltung" gründen. Daneben veröffentlicht er ein Buch über Versöhnung - und erklärt, er habe das Leben als Kanzler-Sohn hinter sich gelassen.
Walter Kohl: Buch über "einseitige Versöhnung"

Walter Kohl: Buch über "einseitige Versöhnung"

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Königstein - Altkanzler-Sohn Walter Kohl hat die Lehren aus seinem Leben gezogen und plant einen Neustart: Er wolle ein "Zentrum für eigene Lebensgestaltung" aufbauen und werde darin Lebensfreude und Versöhnung lehren, sagte der 49-Jährige der Nachrichtenagentur dpa. Seit seinem 2011 erschienenen Buch "Leben oder gelebt werden" spüre er eine entsprechende Nachfrage. Er wolle sich künftig dem Thema Versöhnung widmen.

Aus diesem Grund habe er auch ein zweites Buch geschrieben, sagte Kohl. "Es ist ein Arbeits- und Praxisbuch zur Frage, wie Menschen ihren inneren Frieden durch einseitige Versöhnung erreichen können." Es trägt den Titel: "Leben, was du fühlst".

Kohl hatte mit seinem ersten Buch Schlagzeilen gemacht. Der ältere der beiden Altkanzler-Söhne hatte Einblick in das Privatleben von Helmut Kohl und der Familie gewährt und sich kritisch mit seinem Vater auseinandergesetzt.

Im Frühjahr waren das zerbrochene Verhältnis zwischen Helmut Kohl und seinen Söhnen wieder Thema. Walter und sein jüngerer Bruder Peter warfen der zweiten Ehefrau, Maike Kohl-Richter, vor, den Altkanzler nach dessen schwerem Treppensturz 2008 abzuschotten. Und sie kämpften gegen ein Buch über ihre verstorbene Mutter Hannelore Kohl.

Nun sagte Walter Kohl, er selbst habe sein Leben als Kanzlersohn hinter sich gelassen. "Ich habe mich versöhnt, meinen inneren Frieden gefunden." Doch noch immer wird er in Teilen der Öffentlichkeit als "der Sohn vom Kohl" wahrgenommen, wie er selbst sagt. "Diese Schublade, die für mich jahrzehntelang Bürde war, versuche ich nun für meine Botschaft und Arbeit zu nutzen", sagt er. Und fügt hinzu: "Ich bin nicht nur der Sohn von Helmut Kohl, ich bin schließlich auch der Sohn von Hannelore." Dieser Punkt ist ihm wichtig - auch im Gedenken an seine Mutter, die sich 2001 nach schwerer Krankheit das Leben nahm.

15 Jahre lang hat der studierte Volkswirt und Historiker als Investmentbanker in New York und als leitender Angestellter bei deutschen Großunternehmen gearbeitet. 2005 machten seine Frau und er sich mit einem deutsch-koreanischen Zulieferunternehmen für die Automobilindustrie selbständig. Seine Frau hat inzwischen eine stärkere Rolle im Unternehmen eingenommen, Kohl will Vorträge halten und das Zentrum aufbauen.

Sein Vater spielt bei diesen Plänen keine Rolle. Das Verhältnis zu ihm hat Walter Kohl in seinem ersten Buch beschrieben: Er bleibe sein Vater, alles sei aber weit weg. "Heute habe ich losgelassen, und das fühlt sich gut an. Jeder soll seinen Weg gehen, hoffentlich in Freude und Glück." Kontakt habe er nicht. Dies gelte auch für seinen Bruder Peter.

fab/dpa
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