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01. Oktober 2014, 16:45 Uhr

Afrika-Experte Lindner

Bundesregierung ernennt Ebola-Sonderbeauftragten

Der Diplomat und Afrika-Fachmann Walter Lindner wird Ebola-Sonderbeauftragter der Bundesregierung. Der studierte Jurist und Musiker war früher Sprecher des damaligen Außenministers Joschka Fischer.

Berlin - Nach dem wochenlangen Stillstand der Bundesregierung im Kampf gegen Ebola will die Bundesregierung nun ihre Kräfte bündeln. Es gebe "großen Koordinierungsbedarf", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch. Deshalb werde der ehemalige Afrika-Beauftragte des Auswärtigen Amtes (AA), Walter Johannes Lindner, zum Ebola-Beauftragten der Bundesregierung ernannt.

Seine Ernennung werde dazu beitragen, "dass die deutschen Bemühungen ihre maximale Wirkung entfalten können", sagte Seibert. Lindner, der seit Mitte 2012 deutscher Botschafter in Venezuela ist, wird nach Angaben eines Sprechers des Auswärtigen Amts unverzüglich nach Berlin kommen. Es gehe darum, die Ebola-Hilfen aus Deutschland zu koordinieren und in die internationalen Anstrengungen einzubinden.

Lindner wurde als Sprecher des damaligen Außenministers Joschka Fischer bekannt. Vor allem mit seinem charakteristischen Pferdeschwanz und seiner Begeisterung für Musik stach er aus dem Berliner Politikbetrieb heraus. Nach Jura-, Politik- und Spanischstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München trat er 1988 in den Diplomatischen Dienst ein. 2002 wurde er Sprecher des AA. Während dieser Zeit nahm er unter anderem zwei Alben mit der New Yorker Jazz-Musikerin Grace Campell auf.

Von 2006 bis 2009 war Lindner Botschafter in Nairobi. Dort gründete er nicht nur ein Musikfestival, sondern nahm auch mit Einheimischen Musik auf, die auch im Radio und in lokalen Klubs gespielt wurde. Er äußerte sich in dieser Zeit auch öffentlich zur politischen Situation in Kenia.

Endlich ernsthaft engagieren

Von 2009 bis 2010 beschäftigte sich Lindner als Krisenbeauftragter des Auswärtigen Amtes bereits mit Ebola, von 2010 bis 2012 war er dort Afrika-Beauftragter. Wegen dieser Erfahrungen sei Lindner für den Posten des Sonderbeauftragten besonders geeignet, heißt es aus dem AA.

Vor allem sei seine Benennung aber ein Symbol, dass sich die Bundesregierung nach langem Hadern nun endlich ernsthaft im Kampf gegen Ebola engagieren wolle. Lange Wochen habe der Krisenstab getagt, aber wenig Ergebnisse produziert. Nun wolle man sich mit anderen Partnern abstimmen und die Hilfe für die Krisenregion so gut es gehe koordinieren, heißt es aus dem AA.

Seinen Posten als Botschafter von Venezuela wird Lindner vorerst ruhen lassen. Die Aufgabe als Ebola-Beauftragter sei zeitlich begrenzt und hänge von der Entwicklung der Lage ab.

Die Bundeswehr bereitet derzeit im Auftrag der Regierung eine Luftbrücke vor, über die Hilfsgüter in die von Ebola betroffenen Länder in Westafrika transportiert werden sollen. Zudem finanziert die Bundesregierung Einsätze des Deutschen Roten Kreuzes, das in Sierra Leone eine Behandlungsstation und in Liberia ein mobiles Krankenhaus errichten will.

mmo/Reuters/AFP

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