Reaktionen auf Lübcke-Aussagen bei Pegida-Demo "Man erschaudert vor diesen Abgründen"

Ein Mord sei "alle zwei, drei Jahre, aus irgendwelchen Hass-Gründen, relativ normal": Derartige Aussagen einiger Pegida-Demonstranten zum Mordfall Walter Lübcke sorgen bei Politikern für Entsetzen.

CDU-Politiker Laschet: "In was für Zeiten leben wir, in denen vor laufender Kamera offen ein Mord gutgeheißen wird?"
Federico Gambarini/ DPA

CDU-Politiker Laschet: "In was für Zeiten leben wir, in denen vor laufender Kamera offen ein Mord gutgeheißen wird?"


Reporter des ARD-Magazins "Kontraste" waren am Montag in Dresden unterwegs, sie begleiteten eine Demonstration des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses und stellten den Teilnehmern unter anderem Fragen zum Mord an dem Kasseler CDU-Politiker Walter Lübcke. Der Beitrag samt den Antworten wurde am Donnerstagabend ausgestrahlt - und sorgt bei Politikern für Entsetzen.

Im Vergleich zur linksextremen Gefahr sei ein Mord, "alle zwei, drei Jahre, aus irgendwelchen Hass-Gründen, relativ normal", lautete beispielsweise die Antwort eines Befragten. Ein anderer sagte, es handle sich ja "eigentlich bald" um eine "menschliche Reaktion". Denn: "Wie es in den Wald hinein gerufen wird, so schallt's wieder raus."

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet schrieb bei Twitter: "In was für Zeiten leben wir, in denen vor laufender Kamera offen ein Mord gutgeheißen wird?" Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende fügte hinzu: "Man erschaudert vor diesen Abgründen." Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz meinte auf Twitter zu der Kurzversion des "Kontraste"-Beitrags: "Eine Minute, in der es einem kalt den Rücken runter läuft."

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach twitterte: "Die Pegida Leute können einem wirklich Angst machen. Menschen, die über einen ermordeten demokratischen Politiker wie Lübcke schadenfroh Spott absondern, sind zu allem fähig."

Der Kasseler Regierungspräsident Lübcke war am 2. Juni erschossen worden. Unter Verdacht steht der 45-jährige Stephan Ernst aus Kassel. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Ernst hatte nach Angaben des Generalbundesanwalts Peter Frank zunächst gestanden, Lübcke getötet zu haben; später widerrief er sein Geständnis (mehr dazu, was ein widerrufenes Geständnis wert ist, erfahren Sie hier).

aar/dpa

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