Kranker Altbundespräsident Gericht stellt Walter Scheel unter Pflegeaufsicht

Der Familienstreit um Walter Scheel ist vorläufig entschieden: Der Altbundespräsident bekommt einen Kontrollbetreuer - eine juristische Niederlage für seine umstrittene Gattin Barbara.

Altbundespräsident Walter Scheel: Familienfehde um seine Pflege
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Altbundespräsident Walter Scheel: Familienfehde um seine Pflege


Staufen - Altbundespräsident Walter Scheel wird nach einem monatelangen Familienstreit unter Pflegeaufsicht gestellt. Das Amtsgericht Staufen in Baden-Württemberg bestellte einen Kontrollbetreuer. Er werde die in die Kritik geratene Betreuung Scheels überwachen, sagte Gerichtsdirektorin Heidi Winterer.

Das Gericht reagierte damit auf eine Klage von Cornelia Scheel. Die Adoptivtochter des FDP-Politikers zweifelt das alleinige Betreuungsrecht von Scheels dritter Ehefrau Barbara an. Dieses wurde vom Gericht zwar als wirksam eingestuft, werde nun aber von dem Betreuer kontrolliert.

Cornelia Scheel befürchtete, dass Barbara Scheel dem Wohl ihres Vaters in erheblicher Weise schade. Im Zentrum der Auseinandersetzung stand eine umfassende Vorsorgevollmacht, die Scheel vor drei Jahren zugunsten seiner Frau unterschrieben hatte. Tochter Cornelia Scheel warf Frau Scheel vor, sich diese Vollmacht erschlichen zu haben. Sie berief sich unter anderem auf Scheels Büroleiter Christoph Höppel.

Die seltsamen Äußerungen der Barbara Scheel

Scheel, Bundespräsident von 1974 bis 1979, lebt in einem Pflegeheim in Bad Krozingen. Der 95-Jährige leidet an Demenz.

Barbara Scheel fiel in den vergangenen Jahren nicht nur wegen Interventionen im Pflegeheim ihres Mannes auf, sondern auch wegen anderer Äußerungen. Sie bezeichnete den früheren FDP-Chef Philipp Rösler als "Rache des Vietcong an der deutschen Innenpolitik", lästerte über "schwarze Afrikaner" in deutschen Pflegeheimen und mokierte sich darüber, dass Bundespräsident Joachim Gauck nicht mit seiner Lebensgefährtin verheiratet ist. Das Präsidialamt hatte zudem den Leasingvertrag für den VW Phaeton des Altbundespräsidenten gekündigt, weil er überwiegend von Barbara Scheel genutzt wurde.

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syd/dpa



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