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20. Februar 2013, 15:54 Uhr

Stoibers Wandlung

Heino der CSU

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Edmund Stoiber galt als zaudernder Bürokrat, Problembär-Jäger und Transrapid-Stotterer - plötzlich ist alles anders. Er berät den CSU-Nachwuchs, kurbelt die Karriere von Stefan Raab an, seine Reden sind Popkultur. Wie konnte das passieren?

Berlin - Normalerweise sind einem alte Pannen ja peinlich. Nicht so Edmund Stoiber. Der CSU-Ehrenvorsitzende ist stolz - auf das, was war, auf das, was ist. Am Rande des letzten politischen Aschermittwochs schwärmte er von seiner eigenen "vielbeachteten, bekannten Transrapid-Rede", über die ja schon damals "viel gelesen und geschrieben" wurde. Immer wieder spricht Stoiber gern über diese Rede. Er tut alles dafür, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.

Warum auch, nutzt sie ihm doch mehr als jede Pressemitteilung aus seinem Büro, jeder Eintrag auf seiner Facebook-Seite. Seit der Musiker Jonathan König Stoibers Sprachruinen auf dem Schlagzeug vertont hat - der Clip wird seit zwei Wochen täglich tausendfach angeklickt - sind Stoibers gestammelte Werke als Zitat in der Popkultur endgültig etabliert. Und das passt hervorragend in Stoibers Agenda.

Neuerdings macht Stoiber, der im Herbst 72 Jahre alt wird, einen auf Jugendversteher. Im SPIEGEL zog er gegen das Problem der Nichtwähler zu Felde, drängte auf Stefan Raab als Kanzlerduell-Moderator. In der "Bunten" erklärte er das Politikverständnis junger Leute zur Herzensangelegenheit. Ganz uneigennützig ist Stoibers Kampagne nicht. Als Beiratsvorsitzender von ProSiebenSat.1 spricht Stoiber im Interesse von Raabs Hauskonzern.

"Großes Sendungsbewusstsein"

Viele in der Union fragen sich nun: Was ist plötzlich mit dem Edmund los? In seiner Partei hat der frühere Vorsitzende die Förderung der nächsten Generation zur Chefsache gemacht. "Für die Junge Union hat er immer Zeit", heißt es aus der Münchner Zentrale. Stoiber gilt als Mentor der bayerischen Jungen-Union-Chefin Katrin Albsteiger. In der Ü-60-Partei sind Nachwuchstalente selten. Stoiber soll Albsteiger dazu geraten haben, statt einer politischen Karriere in Bayern lieber ein Bundestagsmandat anzustreben.

Zeitweise war Stoiber, vor allem nach Veröffentlichung seiner Memoiren, mehr in den Medien unterwegs als der amtierende Ministerpräsident Horst Seehofer. Und während Seehofer sein übliches Bekenntnis zu Europa wiederholte, klang dasselbe Thema bei Stoiber so pathetisch wie ein Rosamunde-Pilcher-Film: "Wir sind mit dem Euro eine Ehe eingegangen", säuselte Stoiber.

"Er hat halt immer noch ein großes Sendungsbewusstsein", sagt ein Vertrauter, "ob nun im Hintergrund oder im Vordergrund." Nervt diese Dauerpräsenz nicht? Offene Kritik will niemand an ihm üben, stattdessen werden Parteifreunde nicht müde, den langjährigen Ministerpräsidenten als "Vater des ausgeglichenen Haushalts" und Schöpfer des Mantras von "Laptop und Lederhose" zu huldigen. Auch wenn all das schon eine Weile her ist.

Ruhestand? Noch lange nicht

2007 musste er sich Stoiber von seinen Ämtern verabschieden. Noch immer steht er jeden Tag um sechs Uhr auf. "Morgens Zeitung, abends Internet, zwischendurch Smartphone", so bleibt er informiert. Neben seinem Job als Entbürokratisierer in Brüssel sitzt er in gut einem Dutzend Spitzengremien. Stoiber gehört zu jenen Politikern, die ohne Arbeit wohl nicht sein können. Im Schaukelstuhl vor dem heimischen Kamin in Wolfratshausen sitzen und granteln? Das ist nichts für den Vollblutpolitiker.

Hinzu kommt: Viele Urgesteine hat die CSU nicht zu bieten, und anscheinend ist man da ganz froh, dass Stoiber auf die Rente mit 67 pfeift und sich gern selbst vermarktet. "Energisch, energiegeladen wie eh und je gestikuliert Stoiber, 71, in seinem Büro im Münchner Lehel", zitiert seine Homepage ein Zeitungsinterview. Mitunter kippt die Stoiber-Huldigung ins Bizarre. "Die Legende spricht!", twitterte die JU zu seiner Aschermittwochsrede.

Die verpatzte Kanzlerkandidatur, sein Sturz im Amt, sein Appell gegen eine "durchrasste Gesellschaft" - je länger Stoibers politische Betriebsunfälle zurückliegen, desto mehr scheinen sie in der Erinnerung seiner Freunde und Feinde zu verblassen. Doch ausgerechnet seine hölzernen Auftritte, die ihm im Amt als große Schwäche angekreidet wurden und eine Riege von Kabarettisten ernährten, nutzen ihm jetzt. Und er nutzt sie.

Stoibers Büro reagierte, so erzählt Schlagzeuger König, "sehr unkompliziert", als es um die Rechte an der Rede ging. Zum Aschermittwoch wurde König herangekarrt, er schenkte Stoiber ein paar Drumsticks, das war hübsch für die Kameras. Es wirkt fast so, als wolle sich Stoiber zur Kultfigur zurechtbasteln. Ein bisschen wie Schlagerbarde Heino, dessen Interpretationen von Popsongs plötzlich die Charts anführen.

Dass sein Versuch der Imagepolitur auch schiefgehen kann, zeigte sich, als Stoiber mit dem Schauspieler Christoph Maria Herbst ein "Stromberg"-Kurzvideo drehte. Stoiber bewirbt dort eine Espressomaschine im Stil seiner Transrapid-Rede. Leider funktioniert Stoiber als Schauspieler überhaupt nicht. Die Parodie seiner selbst wirkte nicht halb so lustig wie das Original.

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