Einsatz gegen Einbrecher Was Hilfspolizisten dürfen - und was nicht

Sie sehen aus wie Polizisten, doch in der Praxis unterscheiden sich Hilfscops stark von regulären Beamten. Können sie dennoch der Polizei bei der Einbrecherjagd helfen? Die Fakten.

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Geht es nach der Polizeilichen Kriminalstatistik, dann war Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr bei Einbrechern besonders beliebt. Mehr als 62.000 Wohnungseinbrüche sind dort 2015 registriert worden, so viele wie nie zuvor.

Und geht es nach Thomas de Maizière, könnten Hilfspolizisten hier Abhilfe schaffen.

Der Bundesinnenminister hat sich in einem Interview für den Einsatz von Hilfspolizisten gegen Einbruchskriminalität ausgesprochen. Doch wie genau können Hilfscops bei der Einbrecherjagd helfen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wer kann Hilfspolizist werden?

Die Bundesländer haben unterschiedliche Kriterien für die Einstellung von Hilfspolizisten. Grundsätzlich gilt aber: Die Anforderungen sind deutlich niedriger als bei regulären Polizisten. Nicht wenige Männer und Frauen, die an der Aufnahmeprüfung in den regulären Polizeidienst gescheitert sind, schaffen es später bei der Wachpolizei.

Laut einer internen GdP-Umfrage, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, dauert die Ausbildung der Hilfspolizisten in den einzelnen Bundesländern zwischen neun Wochen und vier Monaten - bei Polizisten sind es hingegen rund drei Jahre. Die im Schnellverfahren ausgebildeten Hilfspolizisten werden in der Zeit unter anderem in Rechtsfragen und an den Waffen geschult. In Hamburg steht beispielsweise auch Konfliktbewältigung auf dem Plan.

In Sachsen beispielsweise dürfen Bewerber höchstens 32 Jahre alt sein, keine Vorstrafen und sichtbaren Tätowierungen haben.

Gehen nun bald bundesweit Hilfspolizisten auf Streife?

Eher nicht, trotz des Vorschlags von de Maizière ist das unwahrscheinlich. Mobile Polizeieinsätze gegen Einbrecher gibt es bereits, in einigen Bundesländern können das auch Hilfspolizisten übernehmen. Weil die Organisation der Polizei allerdings Ländersache ist, regeln die einzelnen Landespolizeigesetze, ob und in welchem Umfang überhaupt Hilfspolizisten eingesetzt werden.

Derzeit gibt es in sieben Bundesländern Hilfs- oder Wachpolizisten, Bayern behilft sich zudem mit einer Sicherheitswacht. In Hamburg heißen die Hilfspolizisten Angestellte im Polizeidienst. Im Saarland sollen bis Ende 2017 insgesamt 30 Stellen besetzt werden, Niedersachsen plant, Hilfspolizisten bei der Begleitung von Schwertransporten einzusetzen.

Bislang bewachen Hilfspolizisten vor allem öffentliche Gebäude, jüdische Einrichtungen, Botschaften und Asylbewerberunterkünfte. In Bayern werden die Mitarbeiter der Sicherheitswacht in Absprache mit den Polizei-Inspekionen für Streifentätigkeiten eingesetzt, in Hessen gehen Hilfspolizisten auf Fußstreife. In Nordrhein-Westfalen, das zu den bevorzugten Regionen von Einbrechern gilt, gibt es gar keine Wachpolizei.

Einbruchsatlas Deutschland

Kann ein Hilfspolizist einen Einbrecher festnehmen?

Die meisten Hilfspolizisten tragen zwar Uniformen, die sich nur in Details von denen der Schutzpolizei unterscheiden; in der Praxis haben sie aber keine oder nur begrenzte polizeiliche Befugnisse. So dürfen sie in Bayern zum Beispiel Personalien aufnehmen, in Hamburg Ordnungswidrigkeiten und Verwarnungen bearbeiten. In Sachsen darf die Wachpolizei im Beisein eines Polizeivollzugsbeamten jemanden festnehmen. Wenn Hilfspolizisten einen Einbrecher auf frischer Tat ertappen, können sie ihn grundsätzlich nur nach dem "Jedermannrecht" festhalten, bis die Polizei eintrifft.

Sind Hilfspolizisten bewaffnet?

Je nach Land erhalten die Hilfspolizisten zur Eigensicherung Pfefferspray, Schlagstöcke und Handfesseln. In Sachsen dürfen sie auch Dienstwaffen tragen.

Wie kommt de Maizières Vorstoß an?

Nicht gut. Beim Koalitionspartner SPD stößt die Idee auf heftige Kritik. "Der Vorschlag, auf eine Hilfspolizei zurückzugreifen, ist Ausdruck von Hilflosigkeit und ein Offenbarungseid konservativer Innenpolitik", sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann.

Auch Linke und Grüne lehnen den Vorschlag klar ab. "Einbruchsprävention und qualifizierte Ermittlungsarbeit jetzt durch billige und unzureichend ausgebildete Wachleute in Polizeiuniform und durch Videokameras ersetzen zu wollen, ist purer Etikettenschwindel", sagte die Sprecherin für innere Sicherheit der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic.

Die Gewerkschaft der Polizei nennt den Vorstoß des Ministers "eher eine Kurzschlussreaktion" und warnt davor, dass die Qualität der Polizei durch einen stärkeren Einsatz von Hilfspolizisten empfindlich sinken würde. Die Interessenvertretung der Polizisten kritisiert vor allem die Ausbildung der Hilfspolizisten. "Wenn jetzt übereilt Wachpolizisten eingestellt, in einem Crashkurs in nur wenigen Wochen ausgebildet werden und danach über zahlreiche tiefgreifende Befugnisse verfügen, ist das Flickwerk an einer verschlissenen Personaldecke auf Kosten der inneren Sicherheit", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek. Lesen Sie außerdem: Die neun gängigsten Irrtümer zu Einbrüchen in Deutschland Und im digitalen SPIEGEL: "Nicht zu fassen" - Alle drei Minuten wird in Deutschland eingebrochen, die Täter sind oft Mitglieder osteuropäischer Banden, arme Teufel oder einfach Bekannte.



insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
erst nachdenken 16.06.2016
1.
Unser Innenmimister ist einer der unfähigsten Menschen auf diesem Planeten. Dummheit kennt anscheinend keine Grenzen.
bu_d 16.06.2016
2. Ohnmächtig
Dieser Misere-Vorschlag zeigt mir ganz deutlich, wie ohnmächtig dieser Staat inzwischen ist.
tompike 16.06.2016
3. Ein zaghafter Schritt
...aber viel zu spät. Unsere Regierung hat wie zu sehen, sicherheitspolitsch politisch völlig versagt. Die Grünen werden jedoch alles unternehmen, damit die Kriminellen nicht unter Druck gesetzt werden.
oidahund 16.06.2016
4.
Wir brauchen keine wie auch immer gearteten Hilfs-Poliziste, es sollten lieber mehr reguläre Poliisten eingestellt und eingesetzt werden. Zum einen haben die keinen beschränkten Befugnisse und sind daher universell für Polizeiaufgaben einsetzbar und zum anderen haben diese eine umfassende Ausbildung. Das einzige warum auf die Hilfspolizisten ausgewichen ist, ist die Finanzfrage, denn diese Art des Polizeidienstes ist billiger.
Freifrau von Hase 16.06.2016
5. Was sie dürfen
"Außerdem dürfen sie sich in den meisten Bundesländern verprügeln lassen, wenn sie versuchen, Personalien aufzunehmen oder einen Einbrecher zu stellen."
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