Wasserwerfer in Kraftwerk-Streit Hamburgs Polizei stoppt Demonstranten vor Baustellen-Besetzung

Hunderte Klimaschutz-Aktivisten versuchten die Baustelle des umstrittenen Kohlekraftwerks Moorburg zu besetzen - vergeblich. Mit Wasserwerfern verhinderte die Polizei den Durchbruch auf das Gelände des Energieriesen Vattenfall.


Hamburg - Um 13.20 Uhr hatte der Demonstrationszug sich in Bewegung gesetzt. Rund 600 Demonstranten waren nach Polizeiangaben am Mittag am S- Bahnhof Neuwiedenthal losmarschiert, um gegen den Bau des Kraftwerks zu demonstrieren. Die Veranstalter sprachen von etwa 700. Als sich der Protestzug der Baustelle näherte, lösten sich mehrere Gruppen aus dem Aufmarsch und liefen über ein Spülfeld und durch einen Wald in Richtung Baugelände.

Teilnehmer an der Protestkundgebung gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke: Wasserwerfereinsatz gegen Umweltaktivisten
DPA

Teilnehmer an der Protestkundgebung gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke: Wasserwerfereinsatz gegen Umweltaktivisten

Etwa 400 Demonstrationsteilnehmer hielten sich nach Polizeiangaben nicht an die genehmigte Route, sondern schwärmten aus verschiedenen Richtungen zur Baustelle aus. Die Polizei hielt sie mit Wasserwerfern auf. Demonstranten gelang es nach Angaben Kleines trotzdem, "einige Löcher" in den Bauzaun zu reißen. Der Sprecher von "Gegenstrom08" warf der Polizei vor, mit Wasserwerfern durch die genehmigte Kundgebung gefahren zu sein und "schweres Bürgerkriegsgerät" eingesetzt zu haben. Demonstranten seien durch Schlagstöcke und Reizgas verletzt worden. Zwischendurch kam es nach Angaben der Polizei zu einer spontanen Versammlung und immer wieder zu Sitzblockaden.

Später löste die Polizei eine Kundgebung der verbliebenen Demonstranten vor dem Baustellenzufahrt auf. Dabei setzten die Beamten Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Insgesamt waren etwa 1000 Polizisten im Einsatz. Nach Polizeiangaben sind Polizisten mit Flaschen und Steinen beworfen worden. Acht Beamte wurden demnach verletzt. Insgesamt gab es zwei Festnahmen wegen Landfriedensbruchs; 21 Beteiligte wurden in Gewahrsam genommen.

Seit einer Woche sind im Rahmen des ersten Klima- und Antirassimus-Camps gut 1.000 Aktivisten in Hamburg. Die Organisation, die sich "Gegenstrom08" nennt, erklärte zu ihrem Protest: "Wenn das Kraftwerk Moorburg in Betrieb geht, steigt der CO2-Ausstoß Hamburgs um 40 Prozent. Wer jetzt neue Kohlekraftwerke baut, legt sich für Jahrzehnte auf eine fossile Stromversorgung aus ineffizienten Großkraftwerken fest."

Im Namen der Aktion kritisierte Felix Pithan: "Obwohl die große Mehrheit der HamburgerInnen gegen das Kraftwerk ist, versucht Vattenfall den Bau um jeden Preis durchzusetzen." Für die Demonstranten erklärte Christoph Kleine: "Wir sind entschlossen, den Bauplatz zu erreichen." Viele Camp-Teilnehmer hätten sich in "Aktionstrainings" auf die Besetzung vorbereitet. Ziel sei es, mit der Stilllegung der Baustelle auch ein deutliches Signal gegen den Neubau von bundesweit 25 geplanten Kohlekraftwerken zu senden.

Der Energiekonzern Vattenfall will im südlichen Hamburger Stadtteil Moorburg ein Steinkohlekraftwerk bauen. Der Bau war einer der Knackpunkte in den schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen und ist auch im Koalitionsvertrag nicht eindeutig entschieden.

cjp/AP/dpa



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