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Affären WDR-Journalist kannte Täter von Lügde

aus DER SPIEGEL 26/2021

Im Missbrauchsfall auf dem Campingplatz Lügde hatte ein WDR-Mitarbeiter schon zwei Jahre vor Bekanntwerden des Skandals 2019 Hinweise auf den inzwischen verurteilten Dauercamper Andreas V. und sein Pflegekind, doch er berichtete nicht darüber – weil er ihn kannte? Nach Mails, die dem SPIEGEL vorliegen, bestätigte das Jugendamt Hameln-Pyrmont Anfang 2017 dem WDR-Journalisten, das kleine Mädchen lebe auf Entscheidung der Mutter bei V., der »kaum Erfahrung in erzieherischen Fragen« habe. 2016 sei zweimal eine Kindeswohlgefährdung gemeldet worden, man habe aber keine Gefährdung festgestellt. Später schreibt der Mitarbeiter an Andreas V., er habe seine »Geschichte« auf den Tisch bekommen und nachgefragt. Den Behörden zufolge würden er und das Kind bereits betreut, und es sei »alles so weit in Ordnung«. Damit sei der Fall für ihn »erledigt«. Und: »Durch meine Anfrage ist Euch sicher kein Schaden zugefügt worden.« Der WDR erklärte dazu, der freie Mitarbeiter habe ohne Auftrag oder Wissen des WDR in Lügde recherchiert, er sei einem Gerücht nachgegangen. Da laut Behörde keine Gefährdung vorlag, habe er die Sache nicht weiterverfolgt. Erst 2019 habe er seine Studioleiterin informiert. Andreas V. habe er nur »flüchtig« gekannt. Aber warum informierte er ihn dann per Du so genau über seine Recherchen? In seinem Dorf sei es nach seiner Aussage »üblich, sich zu duzen«, so der WDR, das sei aber »nicht als besondere Nähe misszuverstehen«. V. habe ihn angeschrieben. Der Mitarbeiter sagte auf Anfrage, er könne sich nicht äußern.

agr
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