Wegen Mazedonien Schröder unterbricht Sommerreise in Sebnitz

Gerhard Schröder wird seine Sommerreise erst am Freitag fortsetzen. Der Kanzler unterbrach seinen Besuch in der sächsischen Stadt Sebnitz für die Kabinettssitzung zum Bundeswehr-Einsatz in Mazedonien.


Sebnitz: Schröder begrüßt Einwohner der sächsischen Stadt
AP

Sebnitz: Schröder begrüßt Einwohner der sächsischen Stadt

Sebnitz - Die Sommerreise sollte eigentlich mit Besuchen bei einem binationalen Gymnasium in Pirna und einer Uhrenmanufaktur in Glashütte fortgesetzt werden. Am letzten Tag der zweiwöchigen Tour Schröders sind noch Besuche in Tschechien sowie in Bayern geplant.

In Sebnitz warnte Schröder vor jeder Form rechtsradikaler Umtriebe. Dabei handle es sich nicht um ein besonderes ostdeutsches Problem, sagte er bei einer Ansprache im Rathaus. Es gehe über die Grenzen Deutschlands hinaus und müsse mit den europäischen Partnern gemeinsam gelöst werden.

Sebnitz war im vergangenen Herbst durch den "Fall Joseph" als vermeintliche Neonazi-Hochburg in die Schlagzeilen geraten. Der sechsjährige Sohn einer deutsch-irakischen Familie war bereits im Sommer 1997 im Freibad der Stadt ums Leben gekommen. Die Eltern vermuteten, dass ihr Kind im Beisein zahlreicher Zeugen von Rechtsradikalen ermordet wurde und brachten den Fall an die Öffentlichkeit. Die Ermittlungen zum Tod des Kindes ergaben jedoch keine Hinweise auf eine Straftat und wurden im Juli dieses Jahres eingestellt.

Der Stadt Sebnitz und ihren Einwohnern sei durch die pauschale Verurteilung bitteres Unrecht geschehen, sagte Schröder. All diejenigen, die im Land und im Bund Verantwortung trügen, müssten dazu beitragen, dieses Unrecht zu beseitigen. Ausdrücklich erinnerte er auch an die drei jungen Leute, die damals wegen dringenden Tatverdachts tagelang unschuldig in Untersuchungshaft saßen.

Schröder war kritisiert worden, weil er in seiner Eigenschaft als SPD-Vorsitzender noch vor Abschluss der Ermittlungen die Mutter des Kindes empfangen hatte. Anders als Bundespräsident Johannes Rau war Schröder später nicht nach Sebnitz gereist, um die Wogen zu glätten.



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