»Ernsthafte Option« Bundesregierung erwägt Einschränkung von Flügen aus Großbritannien

Die Mutation des Coronavirus könnte Konsequenzen für Flüge aus Großbritannien und Südafrika nach Deutschland haben. Laut Bundesgesundheitsministerium werden die Informationen »mit Hochdruck« ausgewertet.
Flughafen Gatwick: Keine Flüge mehr nach Deutschland?

Flughafen Gatwick: Keine Flüge mehr nach Deutschland?

Foto: Findlay Rankin via www.imago-ima / imago images/Findlay Rankin

Nach dem Auftreten einer Mutation des Coronavirus in Großbritannien ist auch für Deutschland die Einschränkung des Flugverkehrs aus dem Königreich eine »ernsthafte Option«. Wie die Nachrichtenagenturen AFP und dpa am Sonntag aus Kreisen des Bundesgesundheitsministeriums erfuhren, gelte dies wegen einer neuen Variante des Coronavirus auch für Südafrika. In den Niederlanden dürfen bereits vorerst keine Flugzeuge mehr aus Großbritannien landen.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte, die Entwicklung in Großbritannien werde sehr genau verfolgt. »Mit Hochdruck« würden die von dort vorliegenden Informationen zu der Mutation ausgewertet. Die Bundesregierung sei dazu auch in Kontakt mit ihren europäischen Partnern.

Niederlande, Belgien, Frankreich und Italien schränken Reiseverkehr aus Großbritannien ein

Die Niederlande hatten die dort vorerst bis zum 1. Januar geltenden Einschränkungen damit begründet, dass die Mutation des Coronavirus sich leichter und schneller verbreite und schwieriger zu entdecken sei.

Auch Belgien schließt vorübergehend seine Grenzen für Reisende aus dem Vereinigten Königreich. Laut der Tageszeitung »De Standaard«  gab dies der Regierungschef Alexander De Croo bekannt, die Maßnahmen sollen ab Mitternacht und für mindestens 24 Stunden gelten. Auch internationale Zugreisen werden demnach gestoppt, an der Grenze sollen weitere Kontrollen für den Autoverkehr durchgeführt werden.

Der französische TV-Sender BFM berichtet, auch Frankreich erwäge die Aussetzung von Flügen und Zügen aus Großbritannien. Eine offizielle Entscheidung dazu werde noch im Laufe des Sonntags erwartet. Vom Verkehrsministerium in Paris war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. 

»Das Vereinte Königreich hat wegen einer neuen Form von Covid Alarm geschlagen, die das Ergebnis einer Virus-Mutation sein könnte«, schrieb der italienische Außenminister Luigi Di Maio. Und fügte an, als Regierung müsse man die italienische Bevölkerung schützen. Deshalb sei man dabei, per Anordnung Flugverbindungen von Großbritannien nach Italien auszusetzen.

Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, schrieb am Sonntag bei Twitter, in Deutschland sei die Mutation bisher nicht aufgetaucht. Die Verbreitung könne Zufall sein, so Drosten weiter. Die Mutationen verschafften dem Virus nicht zwingend einen Selektionsvorteil, auch wenn das möglich sei. Ein Selektionsvorteil kann dazu führen, dass sich ein Virus leichter ausbreiten kann.

Britischer Premier Johnson verschärft Corona-Maßnahmen deutlich

VUI-202012/01 ist der Name der neu entdeckten Virusmutation, deren Existenz Großbritanniens Regierung am Montag bekannt gegeben hatte. Die kryptische Zeichenfolge steht für »Variant Under Investigation« (Virenvariante in Untersuchung), die Zahlen kennzeichnen sie als erstes (/01) Untersuchungsobjekt im Dezember 2020.

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Laut dem britischen Premierminister Boris Johnson sei diese neue Variante des Coronavirus nach ersten Erkenntnissen deutlich ansteckender als die bekannte Form. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe weniger effektiv seien, so Johnson vor Journalisten in London. Die britische Regierung verschärfte die Beschränkungen für London von diesem Sonntag an deutlich.

»Außer Kontrolle«

»Es gibt immer noch viel, das wir nicht wissen. Aber es gibt keine Beweise, dass die neue Variante mehr oder schwerere Krankheitsverläufe auslöst«, sagte Johnson. Auch eine höhere Sterblichkeit sei durch die Virusvariante VUI-2020/12/01 bisher nicht festgestellt worden.

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sagte der BBC am Sonntag, die neu entdeckte Virusvariante bereite den Behörden große Sorge. »Sie ist außer Kontrolle, und wir müssen sie wieder unter Kontrolle bekommen«, so Hancock. Auch in Hinblick auf das Gesundheitssystem im Land sei er sorgenvoll. Derzeit seien mehr als 18.000 Infizierte in den Krankenhäusern, das seien fast so viele wie zum Höhepunkt der ersten Infektionswelle im Frühjahr.

»Das ist ein weiterer Grund dafür, dass alle sich an die neuen Regeln halten und persönlich Verantwortung übernehmen müssen«, sagte er. Dem Sender Sky News sagte Hancock, jeder müsse sich so verhalten, als sei er mit Corona infiziert. »Das ist der einzige Weg, wie wir das Virus unter Kontrolle bekommen können.«

mst/afp/dpa/Reuters