Bundeswehr  "Das ist Schneckentempo" - Wehrbeauftragter kritisiert Reformen

"Die Lücken beim Personal sind zu groß - es geht alles zu langsam". Der Wehrbeauftragte hat der Bundeswehr ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Die Truppe sei überlastet, das Material veraltet.

Rekruten der Bundeswehr angetreten
DPA

Rekruten der Bundeswehr angetreten


Die Bundeswehrreformen gehen dem Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels (SPD) nicht schnell genug: "Business as usual und Dienst nach Vorschrift helfen gerade jetzt nicht mehr weiter." Es ginge es um schnelle Lösungen. Die Soldaten würden von der geplanten Aufstockung des Personals und einer besseren Materialausstattung noch nichts spüren - stattdessen seien sie mit mehr Aufträgen konfrontiert.

Bartels ist "Anwalt der Soldaten" und kümmert sich um Sorgen und Nöte in der Truppe. Seit 1959 habe es nicht mehr so viele persönliche Beschwerden gegeben wie im vergangenen Jahr, erklärte Bartels. Und das trotz abnehmender Personalzahlen.

Um die personellen Lücken zu schließen, braucht es aus seiner Sicht 14.300 neue Dienstposten. Geplant seien aber nur zusätzliche 7000 Posten bis 2023. "Das ist Schneckentempo", kritisiert Bartels.

Die Bundeswehr leide zudem nach wie vor unter mangelhafter Ausrüstung. Beispiel Kampfpanzer: Die 225 vorhandenen Kampfpanzer sollen um 100 gebrauchte, modernisierungsbedürftige Leopard 2 aufgestockt werden. Der Zeitraum für den Rückkauf beträgt sieben Jahre. "Warum dauert das dann so lange?", fragt Bartels. Insgesamt soll die Vollausstattung für derzeitige Aufgaben bis 2030 dauern.

Die Truppe habe mit wachsender Belastung durch zahlreiche Einsätze zu kämpfen, von der Friedenssicherung in Mali bis zur Russland-Abschreckung im Baltikum. "Nichts davon ist falsch, aber es ist viel." Auch die Überlastung, die Flüchtlingshilfe und die in der Truppe sehr umstrittene Arbeitszeitverordnung habe die Soldaten beschäftigt. Gleichzeitig müssten die Teilstreitkräfte Personal einsparen für neue Strukturen. Bartels forderte eine "Beschleunigungsinitiative" für alle Reformprojekte.

Die Truppe,allen voran die Interessenvertretungen der Soldaten, klagt schon lange über einen Personalengpass, vor allem bei spezialisierten Soldaten. Seit der Wiedervereinigung sank die Zahl der Zeit- und Berufssoldaten von 300.000 auf 178.000. Die 2010 eingeleitete Bundeswehrreform sieht eine Obergrenze von 185.000 Soldaten vor. Kurz danach wurde auch noch die Wehrpflicht ausgesetzt.

mho/dpa/AFP



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