Wehrpflicht Krach zwischen Trittin und Scharping

Die Wehrpflicht in Deutschland sorgt erstmals öffentlich für Zündstoff zwischen Mitgliedern der rot-grünen Bundesregierung. Verteidigungsminister Rudolf Scharping kritisierte seinen Kabinettskollegen Jürgen Trittin scharf, weil der laut über die Abschaffung der Wehrpflicht nachgedacht hatte. Nun relativierte der Umweltminister seine Forderung.


Hamburg - In der ARD sagte der Grünen-Politiker am Dienstag, er sei mit Verteidigungsminister Rudolf Scharping einer Meinung, dass zunächst der Bericht der Bundeswehr-Reformkommission abgewartet werden müsse, ehe hierüber eine Entscheidung getroffen werden könne.

Allerdings hielt Trittin an seiner Meinung fest, dass der Umfang der Streitkräfte verkleinert und deren Spezialisierung auf internationale Einsätze vorangetrieben werden müsste. Dies erfordere die politische Realität, aber auch die Sparzwänge, denen die Bundesregierung unterliege. "Das muss man zusammenkriegen, die Frontlinie verläuft nicht so einfach", sagte Trittin und fügte hinzu: "Ab einer bestimmten Verkleinerung macht die Wehrpflicht keinen Sinn mehr."

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Hat die Wehrpflicht eine Zukunft?

Die allgemeine Wehrpflicht steht wieder einmal zur Diskussion. Der "kalte Krieg" sei vorbei, sagen die einen, heute brauche man eine kleinere, professionelle Armee. Die anderen plädieren für die "Armee der Bürger", die Bundeswehr und "zivile Gesellschaft" fest miteinander verbinde. Brauchen wir die Wehrpflicht noch?

Am Wochenende hatte sich der Umweltminister in "Bild am Sonntag" dafür ausgesprochen, die im Grundgesetz verankerte Wehrpflicht in Deutschland "möglichst bald und ohne viel Aufhebens" abzuschaffen. Er sei gegen Zwangsdienste, und darüber hinaus sei die Wehrpflicht nicht mehr bezahlbar. Erforderlich sei eine kleine Armee aus Berufs- und Zeitsoldaten. Alle hohen Offiziere, mit denen er gesprochen habe, hätten ihm im Vertrauen gesagt, dass sie lieber mit Profis zusammenarbeiteten und dass die Wehrpflicht nicht mehr nötig sei.

Verteidigungsminister Rudolf Scharping wies die Forderungen seines Kabinettskollegen scharf zurück. Scharping sagte, Trittins Äußerungen klängen "wie eine Ablenkung von solchen Problemen, zu deren Lösung mein Kollege eigentlich beitragen sollte". Er fügte hinzu, es "wäre wahrlich sinnvoller, wenn nicht immer wieder irgendjemand unüberlegt daherreden würde".



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