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24. Dezember 2009, 00:03 Uhr

Weihnachtsansprache

Köhler verlangt neue Regeln für Banken

Er war Bankenpräsident - jetzt redet Horst Köhler als Bundespräsident der Finanzbranche ins Gewissen. In seiner Weihnachtsansprache kritisiert er die Maßlosigkeit der Banker, fordert mehr Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl. Von der Regierung verlangt er mehr Weitsicht.

Berlin - In seiner Weihnachtsansprache ( der vollständige Wortlaut auf SPIEGEL ONLINE) hat Bundespräsident Horst Köhler die Deutschen aufgerufen, sich in allen Lebensbereichen um eine "Kultur der Achtsamkeit und Anerkennung" zu bemühen. Jeder Einzelne könne "etwas tun für unser Land", sagte das Staatsoberhaupt laut vorab verbreitetem Redetext. Millionen Bürger lebten danach: "Sie setzen sich ein für den Nächsten und für die Allgemeinheit. In Vereinen und Kirchengemeinden, in den politischen Parteien, in Bürgerinitiativen und in der Nachbarschaftshilfe." Auch 2009 habe er dies immer wieder erlebt. "Dieses Engagement lässt uns zusammenhalten und macht unser Land reicher."

Köhler erinnerte zugleich an Ereignisse während der vergangenen Monate, in denen die Menschen "Schutzlosigkeit" erfahren hätten. Der Bundespräsident nannte in diesem Zusammenhang den Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten im März und den tödlichen Angriff von zwei Jugendlichen auf einen 50-Jährigen an einem Münchner S-Bahnhof im September. "Wir haben in diesem Jahr Taten erlebt, die uns an die Grenze des Verstehbaren geführt haben", sagte Köhler. "Sie haben uns ratlos gemacht." In ihnen stecke aber auch die Aufforderung, "nachzudenken über uns selbst und wie wir zusammenleben". Köhler stellte vor diesem Hintergrund die Frage, ob sich die Menschen mit genügend gegenseitiger Achtsamkeit begegneten.

"Maßlosigkeit bei Finanzakteuren"

"Da denke ich auch an unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan", fügte er hinzu. "Machen wir uns klar, was ihr Dienst bedeutet?" Seine guten Wünsche seien "bei ihnen und auch bei den Landsleuten, die sich fern der Heimat im Dienst der Polizei oder der Hilfsorganisationen für Sicherheit und friedlichen Aufbau einsetzen".

Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise forderte Köhler, der Mitte der neunziger Jahre Präsident des Sparkassenverbands war, "Ehrbarkeit und bessere Regeln in der Finanzwirtschaft". "Wir haben gerade erlebt, dass Maßlosigkeit bei Finanzakteuren und Mängel bei der staatlichen Aufsicht die Welt in eine tiefe Krise gestürzt haben." Notwendig sei das Verständnis dafür, "dass Geld den Menschen dienen muss und sie nicht beherrschen darf. Ich verlange Einkehr von den Verantwortlichen", sagte der Bundespräsident. "Wir leben in einer Welt, die wir selbst gestalten dürfen. Das ist ein Geschenk. Aber es verpflichtet uns auch, die Defizite unserer Welt zu erkennen und dagegen anzugehen."

Appell zur Nachhaltigkeit

Köhler mahnte zu einem achtsamen Umgang mit den eigenen Lebensgrundlagen. Notwendig sei es, bewusster und "in besserem Einklang mit der Schöpfung" zu leben. "Wir horchen staunend auf, wenn eine Nasa-Sonde Wasser auf dem Mars entdeckt haben soll - aber wir haben verlernt, über das Wasser zu staunen, das bei uns so selbstverständlich aus dem Hahn fließt, wo doch anderswo die Menschen tagein, tagaus viele Kilometer laufen müssen, um an Trinkwasser zu kommen", sagte der Bundespräsident.

Es gehe darum, mit Ideen, Vernunft und Einsatz den Weg für eine gute Zukunft zu finden. Von der Politik forderte Köhler Weitsicht und Nachhaltigkeit: "Es geht um eine Politik, die über den Tag hinaus denkt und handelt."

hen/AFP/ddp/Reuters

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