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Palmers grüne Konkurrentin »Weniger in die argumentativen Spitzen gehen«

Die grüne OB-Bewerberin in Tübingen, Ulrike Baumgärtner, 42, möchte einen anderen Politikstil pflegen als Boris Palmer.
Ein Interview von Jan Friedmann
aus DER SPIEGEL 46/2021
Foto: ULMER / picture alliance

SPIEGEL: Warum treten Sie bei der Oberbürgermeisterwahl im kommenden Jahr gegen Ihren Parteifreund Boris Palmer an?

Baumgärtner: Ich habe mich entschieden, für Tübingen anzutreten, wo ich seit Jahren ehrenamtlich Politik mache. Ich bewerbe mich dafür, in einer Urwahl als Kandidatin von Grünen und Alternativer Liste nominiert zu werden. Derzeit gibt es keine weiteren Bewerber. Aber natürlich ist der Name Boris Palmer in aller Munde.

Aus: DER SPIEGEL 46/2021

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SPIEGEL: Sie waren einmal die Mitarbeiterin Palmers im Landtag. Haben Sie ihm Ihre Entscheidung vorab mitgeteilt?

Baumgärtner: Ja, wir haben da­rüber kommuniziert, wir gehen konstruktiv kritisch miteinander um. Ich würde mich insgesamt als jemanden beschreiben, der einen integrierenden Politikstil pflegt und versucht, die Leute mitzunehmen, bevor Anti-Stimmungen entstehen.

SPIEGEL: Wie halten Sie es mit Äußerungen auf Social Media?

Baumgärtner: Ich habe einen Facebook- und einen Insta­­gram-Account, die ich als Pri­vat­person selbst bediene. Auch hier ist es mir wichtig, eine wertschätzende Auseinandersetzung zu führen und weniger in die argumentativen Spitzen zu gehen.

SPIEGEL: Wo liegen Ihre inhalt­lichen Schwerpunkte?

Baumgärtner: Es ging auf meine Initiative zurück, dass die Stadt Tübingen die EU-Charta zur Gleichstellung von Männern und Frauen auf lokaler Ebene unterzeichnet hat. Ich habe mich dafür starkgemacht, dass Frauen in der Verwaltung gefördert werden. Und mir ist wichtig, dass das Klimaschutzprogramm mit einer breiten Mehrheit umgesetzt wird.

SPIEGEL: Ministerpräsident Kretschmann hat Fehler beim Bundestagswahlkampf der Grünen kritisiert. Sie auch?

Baumgärtner: Ich kann da keine richtigen Schnitzer erkennen. Es war richtig, eine grüne Kanzlerkandidatin zu benennen, auch um das Selbstbewusstsein ein Stück weit nach außen zu tragen. Es hat den Leuten gezeigt, dass es auch etwas anderes geben kann als einen Kanzler von Union oder SPD.

SPIEGEL: Wie blicken Sie auf das Parteiausschlussverfahren, das derzeit gegen Palmer läuft?

Baumgärtner: Es wäre schön, wenn es jetzt einmal voranginge, egal in welche Richtung, damit wir das Thema abhaken und uns um die Vorbereitung der OB-Wahl kümmern können. Das fände ich ein gutes Zeichen für alle Beteiligten.

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