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Gestorben Werner Großmann, 92

aus DER SPIEGEL 6/2022
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TV-Yesterday / INTERFOTO

Der Sohn eines Zimmermanns aus Sachsen war der letzte Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des Auslandsgeheimdienstes der Stasi. In Oberebenheit bei Pirna geboren, lernte er Maurer und geriet noch in den Volkssturm, Hitlers letztes Aufgebot. Die Erlebnisse im Krieg machten Werner Großmann zum Kommunisten; ab 1952 bildeten ihn alte Kader und Offiziere des sowjetischen Geheimdienstes KGB aus, er stieg zum Stellvertreter des charismatischen HVA-Chefs Markus Wolf auf, dem er 1986 nachfolgte. Während der Wende gelang es Großmann – mit Zustimmung von Bürgerrechtlern –, fast alle HVA-Akten vernichten zu lassen. Den Tag des DDR-Beitritts zur Bundes­republik verbrachte er hinter Gittern, bekam aber tags darauf Haftverschonung; 1995 wurden die Ermittlungen wegen Landesverrat und Agententätigkeit gegen ihn eingestellt. Da hatte der Ex-Spionagechef bereits Angebote westlicher Geheimdienste abgelehnt. Die Arbeit seiner Kundschafter verteidigte er stur und schrieb Bücher wie »Der Überzeugungstäter«. Großmann war ein höflicher, freundlicher Gesprächspartner, der stolz darauf blieb, wie erfolgreich die HVA-Spione Parteien und Regierung der Bundesrepublik bespitzelt hatten. Er sei überzeugt, »dass unsere Arbeit dem Frieden diente«, sagte er 2019 in seinem letzten Interview dem SPIEGEL. »Wir haben dafür gesorgt, dass Konflikte friedlich in Verhandlungen entschärft werden konnten.« Werner Großmann starb am 28. Januar in Berlin.

mbs
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