Zukunft des Ex-Außenministers Westerwelle gründet "Westerwelle-Foundation"

Im Auswärtigen Amt wurde Guido Westerwelle verabschiedet. Doch der Ex-Außenminister will sich nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen auch künftig auf internationalem Parkett bewegen. Er gründet mit einem Unternehmer eine Stiftung: die "Westerwelle-Foundation".
Alter und neuer Außenminister, Westerwelle (FDP) und Steinmeier (SPD): Übergabe des Amtes

Alter und neuer Außenminister, Westerwelle (FDP) und Steinmeier (SPD): Übergabe des Amtes

Foto: Tim Brakemeier/ dpa

Berlin - Vier Jahre lang hat Guido Westerwelle das Auswärtige Amt geführt. Es war eine wechselvolle Zeit für den FDP-Politiker, am Ende hatte sich der Außenminister Respekt erarbeitet.

Als er jetzt sein Amt an seinen Nachfolger Frank-Walter Steinmeier (SPD) übergab, spendierten die Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes im dicht gedrängten "Weltsaal" reichlich Applaus. "Es hat alle sehr beeindruckt, wie sie sich bis zum letzten Tag ihrer Amtszeit eingesetzt haben", bedankte sich die Staatssekretärin Emily Haber bei ihm. Noch Anfang der Woche hatte Westerwelle am EU-Außenministertreffen in Brüssel teilgenommen.

Doch was kommt nun? Westerwelle eilt seinen vier FDP-Kollegen, die mit ihm aus dem Kabinett ausgeschieden sind, schon mal voran.

Die internationale Politik hat es Westerwelle offensichtlich angetan. Und so wird der bald 52-Jährige nach Informationen von SPIEGEL ONLINE künftig ehrenamtlich in der Welt unterwegs sein - für die von ihm und dem Internetunternehmer Ralph Dommermuth gegründete "Westerwelle Foundation - Stiftung für internationale Verständigung".

Dommermuth, Jahrgang 1963, ist Vorstandsvorsitzender und Mehrheitsaktionär der United Internet AG, die nach eigenen Angaben weltweit 6840 Menschen beschäftigt - einer der aufstrebenden Unternehmer der vergangenen Jahre.

In der Erklärung der Stiftung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es, für beide Stifter der Westerwelle Foundation stehe der internationale Einsatz für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, die soziale Marktwirtschaft, Toleranz und politische und wirtschaftliche Teilhabe im Mittelpunkt. "Wie in seiner Amtszeit als Außenminister wird Guido Westerwelle als Vorsitzender des Stiftungsvorstands den Fokus seiner ehrenamtlichen Arbeit in der Stiftung auf die Arbeit mit und die Unterstützung für Länder im Umbruch und im Aufbruch richten", heißt es dort.

Westerwelles Stiftung orientiert sich im Kern an seiner Agenda als Außenminister. In Osteuropa, in Nordafrika und in der arabischen Welt seien in den vergangenen Jahren gewaltige politische, gesellschaftliche und soziale Entwicklungen in Gang gekommen. Auch der Aufbruch der "neuen Kraftzentren der Welt" - eine der Lieblingsvokabeln Westerwelles in seiner Amtszeit - in Asien, Lateinamerika und Afrika bringe große Veränderungen mit sich. Sie hätten für das Leben der Menschen und für ihre sozialen und politischen Perspektiven ebenso wie für das Verhältnis der Staaten und Gesellschaften zueinander tiefgreifende Folgen.

Die Stiftung wurde nach eigenen Angaben bereits als gemeinnützig anerkannt und wird bald Räume in nobler Gegend beziehen: am Kurfürstendamm in Berlin, in einem repräsentativen Stuckbau aus dem 19. Jahrhundert. Westerwelle und Dommermuth wollen mit ihrem Think-Tank nicht nur die Veränderungen und ihre Folgen in der Welt analysieren und Empfehlungen erarbeiten. Gleichzeitig sollen im In- und Ausland Seminare ausgerichtet und Projekte mit deutschen und internationalen Partnern verwirklicht werden.

Als Westerwelle sich am Dienstag im Auswärtigen Amt von den Mitarbeitern verabschiedete, lobte er die Beamten ausgiebig. Im Außenministerium säßen "wirklich die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesregierung, davon bin ich fest überzeugt". Am Ende seiner Ansprache rief er ihnen zu: "Ich sage Danke", machte eine kleine Kunstpause und setzte vieldeutig hinzu: "Auf Wiedersehen!"