Westerwelle in der Kritik Fremdschämen mit Familienanhang

Von einem Außenminister erwartet man Integrität und eher leise Töne: Chefdiplomat muss er sein. Guido Westerwelle dagegen scheint vergessen zu haben, was geht und was nicht. Wenn er sein Amt retten will, muss er seinen Stil ändern - und zwar schnell.

dpa

Ein Kommentar von


Das Amt des Außenministers ist ein Versprechen. Wer es bekleidet, verpflichtet sich dazu, uns alle im Ausland anständig zu vertreten.

Der Außenminister ist integer.

Er darf nicht als Lautsprecher auftreten, sondern sollte eher die leisen Töne wählen. Er soll sich auskennen in der Welt und möglichst fest im moralischen wie politischen Urteil sein. Von Vorteil ist auch, wenn er sich anständig zu kleiden weiß und insgesamt eine passable Erscheinung abgibt.

Mit anderen Worten: Wir wollen uns nicht fremdschämen, wenn unser Außenminister abends in der "Tagesschau" über den roten Teppich wandelt. Bitte nicht.

Guido Westerwelle ist ein Außenminister-Darsteller. Wo er hinkommt, benimmt er sich zwar anständig. Doch so richtig angekommen ist er in dem Amt nicht.

Er versucht, dem Idealbild des echten Chefdiplomaten zu entsprechen. Er eifert Hans-Dietrich Genscher nach. Er will in der "Tagesschau" glänzen. Doch die Wahrheit ist: Er ist kein zweiter Genscher, er ist kein echter Außenminister. Denn ein echter Außenminister weiß, was geht und was nicht geht.

Das weiß der Darsteller nicht. Der Darsteller kennt kein Maß und keine Mitte.

Der Darsteller überschreitet eine Grenze, die der echte Außenminister stets achten würde. Aber die liberale Vetternwirtschaft beschädigt das wichtigste Gut eines Außenministers: seine Integrität.

Das Publikum ist erstaunt und reagiert langsam zornig: Wann endet die Vorstellung? Wann erscheint der echte Außenminister? Wann beginnt die Politik?Guido Westerwelle muss diese Fragen beantworten. Sonst fällt für ihn bald der letzte Vorhang.

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Seite 1
ergoprox 11.03.2010
1. Rücktritt
"Sonst fällt für ihn bald der letzte Vorhang." Na hoffen wir das Beste!
Hartmut Dresia, 11.03.2010
2. Westerwelle schadet dem Staat
Der Zusammenhang von Sprache, Bildung und Erziehung (http://www.plantor.de/2009/der-zusammenhang-von-sprache-bildung-und-erziehung/) wird bei Westerwelle überdeutlich - der Außenminister als Hetzer, Dienstreisen als Minister in Vermengung mit privaten und geschäftlichen Interessen, das alles geht nicht, es schadet dem Staat.
newright 11.03.2010
3. Ehrlich
Zitat von sysopVon einem Außenminister erwartet man Integrität und eher leise Töne: Chef-Diplomat muss er sein. Guido Westerwelle dagegen scheint vergessen zu haben, was geht und was nicht. Wenn er sein Amt retten will, muss er seinen Stil ändern - und zwar schnell. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,683098,00.html
Wieso Stil ändern? Er ist der einzige der endlich mal offen das macht, was die anderen Politiker immer im Geheimen tun. Er ist auch der erste Politiker in dem die Medien darüber berichten. Über Schröder und die Neuwahlen im Zusammenhang mit seinem Arbeitsantritt bei Gasprom wurde kaum berichtet. Genauso wenig wird über andere Politiker berichtet. Mir ist ein Politiker lieber der öffentlich das tut was die anderen im Stillen machen, als die Politiker die von den Medien gedeckt ihre Sache im Stillen machen .
bebbel 11.03.2010
4. Das wäre zu schön um wahr zu sein!
Zitat von ergoprox"Sonst fällt für ihn bald der letzte Vorhang." Na hoffen wir das Beste!
frubi 11.03.2010
5. .
Zitat von ergoprox"Sonst fällt für ihn bald der letzte Vorhang." Na hoffen wir das Beste!
Der ist noch Jung. Stellen Sie sich mal vor, der wird so Alt wieder Schmidt. Dann haben wir den noch einige Jahrzehnte an der Backe.
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