Start einer wissenschaftlichen Studie Wie rassistisch sind deutsche Behörden?

Ein Leipziger Forschungsteam soll herausfinden, wie verbreitet Rassismus in staatlichen Institutionen ist. Ihr Ausgangspunkt: der rechtsextreme Anschlag in Hanau.
Demonstration zum Gedenken an den Terroranschlag in Hanau

Demonstration zum Gedenken an den Terroranschlag in Hanau

Foto: Christophe Gateau / dpa

Eine Studie zum Rassismus in der Polizei hat Bundesinnenminister Seehofer nie unterstützt. Nun aber soll Rassismus in Behörden untersucht werden: Die auf drei Jahre angelegte Studie unter der Leitung von zwei Wissenschaftlern der Universität Leipzig hat heute ihre Arbeit aufgenommen. Das teilte das Bundesinnenministerium am Freitag mit . Die auf drei Jahre angelegte Studie soll »Rassismus als Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts im Kontext ausgewählter gesellschaftlich-institutioneller Bereiche« untersuchen.

Studie wurde von Ministerrunde beschlossen

Mit dem Start der Studie wird ein Beschluss des Kabinettsausschusses zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus vom Mai umgesetzt. Diese Ministerrunde war nach dem rassistischen Anschlag in Hanau vom Februar 2020 eingerichtet worden. Eine zentrale Hypothese des Forschungsvorhabens ist laut Innenministerium, »dass Rassismus die Gesellschaft wie auch ihre Organisationen spaltet und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in hohem Maße gefährdet«.

Die Studie solle nun klären, »inwieweit Rassismus in staatlichen Institutionen auftritt, in welchen Erscheinungsformen er wahrgenommen wird, welche Motive und welche spezifischen Gründe ihm zugrunde liegen können, und wie er sich vermeiden lässt«. Dabei soll berücksichtigt werden, dass sich auch die Erscheinungsformen von Rassismus verändern und auch die Sensibilität in Bezug auf Rassismus.

Die Studie, mit der das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) beauftragt wurde, wird vom Bundesinnenministerium mit sechs Millionen Euro unterstützt. Koordinatoren sind der Soziologe Gert Pickel und der Kulturhistoriker Matthias Middell, beide von der Universität Leipzig.

»Rassismus in Institutionen empirisch erforschen«

»Unser Ziel ist es, inter- und transdisziplinär aus verschiedenen Blickrichtungen einen möglichen Rassismus in Institutionen empirisch zu erforschen«, erklärte Pickel zu dem Vorhaben . Dabei gehe es auch darum, »ob in Behörden Diskriminierungen, die sich auf rassistische Stereotype beziehen, zu beobachten sind und wie dies von Betroffenen und Behördenvertreter:innen eingeordnet wird«.

Das FGZ bündelt verschiedene Forschungszusammenschlüsse, die von den Universitäten Bremen, Frankfurt am Main und Leipzig koordiniert werden. Eine interministerielle Projektgruppe soll den Forschungsprozess begleiten.

jso/AFP