Wiederantritt von Peter Struck "Mit voller Power, aber ohne Pfeife"

Mit einem perfekt inszenierten Truppenbesuch kehrte Verteidigungsminister Peter Struck nach seinem Schlaganfall auf die politische Bühne zurück. Doch erholsam werden die nächsten Wochen nicht werden: Sowohl bei der Bundeswehr wie in der SPD brennt es lichterloh.

Von , Appen


Struck in Appen: Auftritt als agiler Befehlshaber
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Struck in Appen: Auftritt als agiler Befehlshaber

Appen - Am Ende spielte bei der Rückkehr Peter Strucks sogar das Wetter mit. Am Dienstagmorgen noch im Bundeswehrhubschrauber auf dem Weg von Berlin nach Appen bei Hamburg, da goss es in Hamburg und Umgebung wie aus Kübeln. Kurz bevor der Minister aber mit einem Hubschrauber auf dem Bundeswehrgelände landete, hörte der Regen auf und selbst die Sonne zeigte sich hin und wieder.

Die Bilder des ersten öffentlichen Auftritts Strucks nach seinem leichten Schlaganfall waren dementsprechend heiter. Ohne Jacke, mit aufgekrempelten Ärmeln und Sonnenbrille schritt der Minister über das Gelände - ganz so, wie es sich der Ministeriums-Pressestab gewünscht hatte: Der agile Befehlshaber ist wieder an Bord. Sofort fand der Genesene auch seinen ganz eigenen, leicht holprigen Humor wieder. "Wie geht es Ihnen", rief er den wartenden Reportern zu, während die freilich eher am Wohlbefinden des Fragenden ein Interesse hatten.

Mit viel Aufwand hat das Verteidigungsministerium die Rückkehr Strucks inszeniert. Schließlich war es Strucks Schlaganfall und seine mehrwöchige Erholungspause, die zu Spekulationen um eine Kabinettsumbildung geführt hatten. Noch immer hat Struck als Nachfolger des Bademeisters Rudolf Scharping den Ruf eines der besten Minister, immer noch wird er als möglicher Kanzler-Nachfolger gehandelt. Folglich drehte es sich in Appen kaum um die eigentlichen Themen wie die Offiziersausbildung oder eine Rettungsübung. Wie gut geht es Peter Struck, lautete die allgegenwärtige Frage.

"So wie in letzter Zeit geht es nicht weiter"

Struck beantworte sie vor allem durch sein Äußeres. Gut erholt und leicht gebräunt von den sonnigen Tagen am Bodensee vor seiner Rückkehr sieht der 61-jährige aus, dem man in den Wochen vor dem Schlaganfall die Erschöpfung im fast maskenhaften Gesicht mit den tiefen Ringen unter den Augen angesehen hatte. Folgen des Anfalls, wegen dem Struck mehrere Tage in der Berliner Charité behandelt wurde, sind nicht zu erkennen. Struck sprach offen von einem "Zeichen meines Körpers", der nicht so weitermachen wollte wie in den letzten Jahren. Dem müsse er nun Rechnung tragen, so der Minister.

Politisch aber will Struck genau dort weitermachen, wo er aufgehört hat. "Ich werde volle Power geben", sagte er, "ab jetzt jedoch ohne Pfeife". Auch wenn es dem passionierten Raucher, der sich früher nur mit mehreren Pfeifen "bewaffnet" in Ausschusssitzungen begab, schwer fällt, will er den Tabakkonsum auf Anraten der Ärzte aufgeben. Außerdem müsse er sich seit dem Schlaganfall wieder etwas mehr dem Sport widmen. Bis auf diese Anstrengungen aber gilt für Struck sein altes Motto: "Keine halben Sachen machen".

Ganz nach diesem Leitspruch und nicht nur in punkto eigener Gesundheits-PR war der Termin perfekt gewählt. Struck konnte sich in Appen auf sicherem Terrain wähnen. Während tausende Soldaten an anderen Standpunkten die für November geplante Liste mit zu schließenden Kasernen erwarten und schon jetzt Proteste gegen Strucks Masterplan zur Reformierung der Bundeswehr planen, wird Appen nicht betroffen sein. Dementsprechend freundlich grüßten "seine Soldaten" (Struck) ihren Minister und plauschten angeregt mit ihm beim Mittagessen.

PR-Auftritt auf sicherem Terrain

Gleichwohl wird Struck wegen der Bundeswehreform kaum mehr Zeit zum Erholen haben. Rund 100 der insgesamt 500 Standorte will er schließen, tausende Soldaten umsiedeln und das alles verträglich mit den betroffenen Regionen organisieren - eine Mammutaufgabe für sein Ministerium. In Appen betonte der Minister, was er schon oft gesagt hat. Die Schließungen würden nach militärischen und betriebswirtschaftlichen und nicht nach politischen Gesichtspunkten beschlossen. "Dabei wird kein Bundesland verschont bleiben", so Struck weiter.

Ungemach steht dem Minister auch noch wegen der jüngsten Ankündigungen aus Washington bevor. Erst gestern hatte US-Präsident George W. Bush erklärt, er wolle mehrere Tausend Soldaten aus Deutschland abziehen und mehrere Stützpunkte komplett schließen. Bestimmten Regionen - hauptsächlich in Bayern, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz droht jetzt also ein doppelter Aderlass.

In dieser Frage signalisierte der Minister bereits Entgegenkommen. Er habe mit den betroffenen Ministerpräsidenten geredet und enge Zusammenarbeit bei der Erstellung von Auffangmethoden vereinbart. Ideen aber, die deutsche Reform wegen des US-Abzugs zu verschieben oder zu verzögern, erteilte Struck eine Absage. Auch wenn die US-Pläne für viele Regionen ein herber Schlag seien, ist für Struck die deutsche Reform eines der wichtigsten Projekte seiner bisherigen Amtszeit.

Struck will das Begonnene zu Ende bringen

Doch so auskunftsfreudig der Minister beim Thema Bundeswehrreform war, so schweigsam gab er sich in Sachen Regierungskrise. Hartz IV, Montagsdemos und die schwächelnde SPD - das alles wollte Struck auf militärischem Gelände nicht diskutieren. "Wir werden uns alle an anderer Stelle, aber in gleicher Position für diese Themen wieder sehen", sagte er vor dem Rückweg nach Berlin. Dort wird er in den nächsten Wochen beweisen müssen, dass er wieder ganz der Alte ist. Zum einen soll der gewiefte Parteistratege für Kanzler Schröder nach innen in die SPD wirken und die zaudernden Genossen zur Ruhe bringen. Darüber hinaus aber braucht der Kanzler seinen Soldatenminister als Sympathieträger für eine Regierung, der die Sympathien in den vergangenen Wochen nicht gerade zugeflogen sind.

Erst einmal aber tingelt der Minister weiter durch die Kasernen der Bundeswehr. Die Frage nach seiner Gesundheit wird er dabei wohl noch einige Male beantworten müssen.



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