Unterstützung für Merkel Kretschmann verärgert Grünen-Spitze

Grünen-Politiker Kretschmann stellt sich in der Frage der Kanzlerkandidatur hinter CDU-Chefin Merkel. In seiner Partei kommt das gar nicht gut an.

Grünen-Politiker Kretschmann und Kanzlerin Merkel
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Grünen-Politiker Kretschmann und Kanzlerin Merkel


Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann fände es "sehr gut", wenn Angela Merkel bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr noch einmal als Kanzlerkandidatin antrete. Damit punktet der Grünen-Politiker zwar bei Merkels CDU - seine eigene Partei geht aber auf Distanz: "Wir wollen Merkels große Koalition ablösen und werden dabei ganz bestimmt keine Vorfestlegungen auf etwaige Kanzlerkandidatinnen und -kandidaten vornehmen", sagte Parteichefin Simone Peter der "taz".

Der Co-Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, warnte eindringlich vor Koalitionsdebatten zum jetzigen Zeitpunkt. "Es bleibt dabei: Wir führen jetzt keine Koalitionsdebatten, sondern konzentrieren uns darauf, unser Wahlergebnis zu verbessern, indem wir deutlich mehr Menschen gewinnen als bei der letzten Bundestagswahl."

Kretschmann hatte in der ARD-Sendung "Maischberger" unter anderem gesagt, dass die Kanzlerin aus seiner Sicht "sehr wichtig in der europäischen Krise" sei. "Ich wüsste auch niemand, der diesen Job besser machen könnte als sie."

Es ist nicht das erste Mal, dass Kretschmann seine politische Nähe zur CDU-Vorsitzenden zeigt. Im Sommer drang die Nachricht eines vertraulichen Treffens mit der Kanzlerin an die Öffentlichkeit. Besondere Aufmerksamkeit erhielt Kretschmann im Januar, als er sagte: "Welcher ihrer Amtskollegen in der EU soll denn Europa zusammenhalten, wenn sie fällt? Da ist weit und breit niemand in Sicht. Deshalb bete ich jeden Tag dafür, dass die Bundeskanzlerin gesund bleibt."

Die Grünen streiten seit längerem parteiintern darüber, ob sie bei der kommenden Bundestagswahl eher auf Rot-Rot-Grün oder auf Schwarz-Grün setzen sollen. Die Frage ist auch Thema auf dem Parteitag vom 11. bis 13. November. Kretschmann hatte sich zuvor bereits für eine schwarz-grüne Koalition im Bund ausgesprochen. Er selbst regiert seit Mai ein Bündnis von Grünen und CDU in Baden-Württemberg.

Merkel selbst hat sich bislang noch nicht zu einer Kandidatur bei der Wahl 2017 erklärt. Nach SPIEGEL-Informationen will sie ihre Entscheidung voraussichtlich erst im kommenden Jahr bekanntgeben.

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brk/dpa

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