Spruch über "junge Männerhorden" Grünen-Spitze distanziert sich von Kretschmann

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann will Gruppen junger Flüchtlinge "in die Pampa" schicken. Grünen-Bundesgeschäftsführer Kellner reagiert empört: "Das ist nicht unsere Sprache."
Winfried Kretschmann

Winfried Kretschmann

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Für einen Grünen-Politiker waren es ungewöhnlich harsche Worte - selbst für einen wie Winfried Kretschmann, der gerne mal in der Partei polarisiert. Der baden-württembergische Ministerpräsident hatte sich dafür ausgesprochen, "junge Männerhorden" unter den Flüchtlingen aus Sicherheitsgründen von Großstädten fernzuhalten. "Der Gedanke, dass man da welche in die Pampa schickt, ist nicht falsch."

Die Führung der Grünen ging umgehend auf Distanz zu Kretschmann. "Das ist nicht unsere Sprache", sagte Bundesgeschäftsführer Michael Kellner am Rande des Grünen-Parteitags in Leipzig. Diese "radikale Sprache" kenne er auch von Kretschmann nicht.

Kretschmann hatte dem "Mannheimer Morgen"  und der "Heilbronner Stimme" über kriminelle Flüchtlingsgruppen gesagt: "Großstädte sind für solche Leute wegen der Anonymität attraktiv und weil sie dort Gleichgesinnte treffen."

Hintergrund ist der Fall einer 18 Jahre alten Studentin in Freiburg, die nach einem Diskobesuch von mehreren Männern vergewaltigt worden sein soll. Acht Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft - sieben Syrer im Alter von 19 bis 29 Jahren und ein 25 Jahre alter Deutscher.

"Testosterongesteuerte Gruppen"

"Salopp gesagt ist das Gefährlichste, was die menschliche Evolution hervorgebracht hat, junge Männerhorden", sagte Kretschmann. "Solche testosterongesteuerte Gruppen können immer Böses anrichten." Die Vergewaltigung in Freiburg sei ein schlimmes Beispiel. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass eine Minderheit Gewaltbereiter eine große Zahl von rechtschaffenen Asylsuchenden diskreditiere.

Kellner betonte zumindest, Kretschmann bestätige mit seinen Äußerungen das Nein der Grünen zu den von der Bundesregierung geplanten Ankerzentren, in denen Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive ihr gesamtes Asylverfahren durchlaufen sollen.

Und dennoch: Zwischen Kretschmann und der Grünen-Spitze hatte es schon häufiger Differenzen in der Asylpolitik gegeben. Zum Leipziger Europa-Parteitag, auf dem die Partei die Wahl im kommenden Jahr vorbereitet, erschien der Ministerpräsident nicht. Die Delegierten wählten am Samstag die Europaabgeordneten Ska Keller und Sven Giegold zu Spitzenkandidaten für die Wahl im Mai 2019.

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kev/AFP
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