Wirecard-Skandal FDP beantragt Sondersitzung des Geheimdienstausschusses

Durch den Wirecard-Skandal wurde das dubiose Doppelleben von Vorstand Jan Marsalek bekannt. Seine mutmaßlichen Kontakte zu ausländischen Geheimdiensten müssen untersucht werden, fordert die FDP.
Wirecard-Zentrale: Agententhriller im bayerischen Aschheim

Wirecard-Zentrale: Agententhriller im bayerischen Aschheim

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Peter Kneffel/ dpa

Der Skandal um den Finanzdienstleister Wirecard erinnert teilweise an einen Agententhriller - vor allem wegen der dubiosen Aktivitäten des langjährigen Vorstands Jan Marsalek (mehr dazu lesen Sie hier ). Dessen mutmaßliche Verbindungen zu ausländischen Nachrichtendiensten hat die FDP-Fraktion im Bundestag veranlasst, eine Sondersitzung des für die Geheimdienste zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremiums zu beantragen.

Die geplante Sondersitzung des Finanzausschusses sei für die Aufarbeitung des Skandals nicht ausreichend, sagte der Vize-Fraktionsvorsitzende Stephan Thomae der Nachrichtenagentur dpa. "Dass Marsalek trotz internationaler Fahndung und stark reduziertem Reiseverkehr in der Coronakrise untertauchen konnte, deutet darauf hin, dass er Helfer gehabt hat", sagte Thomae.

"Es muss dringend geklärt werden, welche Rolle insbesondere Russland hierbei gespielt hat." Dies könne der Finanzausschuss nicht leisten, sondern nur das Parlamentarische Kontrollgremium. Marsalek ist auf der Flucht, er befindet sich mutmaßlich in Weißrussland oder Russland. Der langjährige Vizechef von Wirecard ist offenbar eng verbandelt mit Geheimdiensten im Ausland, darunter Russland und Österreich.

"In diesem Zusammenhang sollte auch die Rolle des ehemaligen Geheimdienstbeauftragten der Bundesregierung, Klaus-Dieter Fritsche, erörtert werden, sagte der FDP-Politiker. Fritsche lobbyierte im Herbst 2019 im Kanzleramt für Wirecard.

Der Finanzausschuss soll sich bereits am kommenden Mittwoch mit der Affäre befassen. Die FDP schlug vor, erst diese Sondersitzung abzuwarten, bevor das Parlamentarische Kontrollgremium tagt, um die im Finanzausschuss gewonnenen Erkenntnisse nutzen zu können.

Der inzwischen insolvente Dax-Konzern Wirecard hatte im Juni dieses Jahres Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt . Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Wirecard-Vorstand seit 2015 Scheingewinne erfand.

Bei der Aufarbeitung des Wirecard-Skandals gerät zunehmend auch das Engagement der Bundesregierung in den Fokus. Wie der SPIEGEL berichtete, setzte sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einer China-Reise persönlich für das Unternehmen ein. Schon damals gab es schwere Vorwürfe gegen Wirecard. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) wusste darüber früh Bescheid, informierte auch das Kanzleramt. Dennoch hielt die Regierung zu Wirecard. Nun fordern SPD-Abgeordnete sogar einen Untersuchungsausschuss .

mes/dpa
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