Wirtschaftsministerium Gabriel übernimmt Rösler-Intimus Kapferer

Bemerkenswerte Personalie: Staatssekretär Stefan Kapferer ist FDP-Politiker und gilt als Vertrauter des ausgeschiedenen Wirtschaftsministers Philipp Rösler. Dennoch bleibt er auch unter dem neuen Ressortchef Sigmar Gabriel im Amt.

Stefan Kapferer (Archivbild): FDP-Politiker in Gabriels Wirtschaftsministerium
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Stefan Kapferer (Archivbild): FDP-Politiker in Gabriels Wirtschaftsministerium


Berlin - Herzlich schüttelten sich der neue und der alte Bundeswirtschaftsminister die Hände. Sigmar Gabriel (SPD) hat am Dienstag die Arbeit seines Vorgängers Philipp Rösler (FDP) gewürdigt und erste Personalentscheidungen getroffen. Als beamtete Staatssekretäre werden dem Minister, der die Energiewende meistern muss, nun auch offiziell der frühere grüne Spitzenbeamte Rainer Baake sowie sein bisheriger SPD-Büroleiter Rainer Sontowski zur Seite stehen. Im Wirtschaftsministerium verbleibt außerdem der Rösler-Vertraute Stefan Kapferer.

Der 48-jährige FDP-Politiker Kapferer gilt als Röslers Intimus, seit er 2008 und 2009 im niedersächsischen Wirtschaftsministerium als Staatssekretär unter ihm tätig war. Gabriels Entscheidung für Kapferer und Baake bezeichnete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" als "personalpolitischen Knalleffekt". Laut Nachrichtenagentur dpa wird außerdem spekuliert, dass der frühere Thüringer Wirtschaftsminister und SPD-Energieexperte Matthias Machnig nach der Europawahl Kapferers Platz einnehmen könnte.

"Allzeit ein gutes Händchen"

Die Amtsübernahme im Wirtschaftsministerium durch die SPD solle nicht als "feindliche Übernahme" verstanden werden, sagte Gabriel. Er brauche die Experten im Haus, um Energiewende, Fachkräftemangel oder die Sanierung der Infrastruktur erfolgreich anzugehen. Gabriels humorvolle Antrittsrede bekam viel Applaus.

Der SPD-Chef lobte Rösler: "Sie haben sich um das Land verdient gemacht." Der frühere FDP-Chef habe es nicht immer leicht gehabt: "Ich fand vieles von dem, was über Ihre Arbeit geschrieben wurde, ungerecht. Ich finde, dass Sie sehr engagiert waren", meinte der neue Vizekanzler.

Mit Blick auf Röslers Aufstieg vom Waisenkind aus Vietnam zum Bundesminister und Vizekanzler sagte Gabriel, diese Biografie könne vielen Mut machen und sei "guter Ausdruck von Liberalität" in Deutschland. "Auch wenn ich zugebe, dass Sie natürlich, was die Entwicklung ihrer Partei angeht, sich sicher anderes gewünscht hätten." Die FDP hatte bei der Wahl erstmals den Einzug in den Bundestag verfehlt. Rösler sagte, er hinterlasse ein gut bestelltes Haus. Er wünsche Gabriel Glück, Erfolg und "allzeit ein gutes Händchen".

Die übliche 100-Tage-Frist zur Einarbeitung entfällt bei Gabriel. Schon an diesem Mittwoch bekommt es der Energieminister mit der EU-Kommission zu tun. Sie will das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die Milliardenrabatte für die Industrie bei der Ökostromumlage überprüfen.

bos/dpa

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Steuerzahler0815 18.12.2013
1.
Will der Artikel sagen dass es üblich ist dass nach jeder Wahl sämtliche Leute rausgeschmissen werden in den Ministerien? Das würde einiges erklären Natürlich sollte er weiterarbeiten dürfen wenn er gute Arbeit leistet Es geht immerhin um unser Land In der USA gab es sogar lange Zeit einen republikanischen Verteidigungsminister unter Obama und dieser hat auch nicht sein Vaterland verraten um Obama zu schaden
unimatrix 18.12.2013
2. optimal optional
Ja mit einem Poestchen im Ruecken, kann man auch mal medienwirksam den generoesen Gabriel spielen. Wahnsinnig nett und sicher grundehrlich gemeint...
serene 18.12.2013
3.
Zitat von unimatrixJa mit einem Poestchen im Ruecken, kann man auch mal medienwirksam den generoesen Gabriel spielen. Wahnsinnig nett und sicher grundehrlich gemeint...
Ich würde mir auch die Leute rein holen, von denen ich denke, dass sie fachlich beschlagen und erfahren sind, unabhängig von Parteipolitik. Gabriel kann hier keine Almosen verteilen, es geht schliesslich um konkrete Ergebnisse für uns alle- und um seine Zukunft nebenbei auch noch.
volker_morales 18.12.2013
4. Seit Karl Schiller
Zitat von sysopDPABemerkenswerte Personalie: Staatssekretär Stefan Kapferer ist FDP-Politiker und gilt als Vertrauter des ausgeschiedenen Wirtschaftsministers Philipp Rösler. Dennoch bleibt er auch unter dem neuen Ressortchef Sigmar Gabriel im Amt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wirtschaftsministerium-gabriel-uebernimmt-roesler-intimus-kapferer-a-939709.html
ist mir kein SPD-Politiker mehr als kompetenter Wirtschaftspolitiker aufgefallen. Auch der meiner Erinnerung nach letzte SPD-Wirschaftsminister Müller war tatsächlich nicht Mitglied der SPD. Superwirtschaftsminister Gabriel ist jedenfalls von Haus aus Lehrer und kennt die Wirtschaft wohl in eher im Zusammenhang mit den Institutionen Stammtisch und Tresen.
jolip 18.12.2013
5. Viele
Zitat von volker_moralesist mir kein SPD-Politiker mehr als kompetenter Wirtschaftspolitiker aufgefallen. Auch der meiner Erinnerung nach letzte SPD-Wirschaftsminister Müller war tatsächlich nicht Mitglied der SPD. Superwirtschaftsminister Gabriel ist jedenfalls von Haus aus Lehrer und kennt die Wirtschaft wohl in eher im Zusammenhang mit den Institutionen Stammtisch und Tresen.
Da gab es auch nicht mehr allzuviele, nämlich Helmut Schmidt, Lahnstein, Fridrich und Clement, Das ist natürlich nichts gegen die Asse aus der CDSU FDP Faktion, nämlich von Lambsdorff, Haussmann, Bangemann, Möllemann, Glos, Brüderle, von zu Guttenberg, Rösler. Damit bekommt man doch jedes Jahhrmarktsgruselkabinett auf Vordermann.
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