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03. Juni 2017, 10:58 Uhr

Putin, Gabriel und Schröder

Dinner mit einem alten Bekannten

Aus St. Petersburg berichten und

Die Ukraine, Syrien und andere Krisen waren die Themen: Außenminister Gabriel hat in St. Petersburg ein Vieraugengespräch mit Kremlchef Putin geführt. Beim anschließenden Abendessen trafen sie einen alten Bekannten.

Der Wind weht, es ist kalt in St. Petersburg. Eine Militärkapelle spielt die deutsche und die russische Nationalhymne. Am Mahnmal für die Opfer der deutschen Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg legt Sigmar Gabriel ein Gebinde ab. Danach gibt es eine Führung im Untergeschoss, anschließend geht es in die Eremitage durch prachtvolle Räume aus der Zarenzeit, schließlich eine Schifffahrt auf der Neva.

Der deutsche Außenminister ist für knapp 19 Stunden in die Fünf-Millionen-Metropole gekommen. In Berlin ist es sommerlich warm, in St. Petersburg mit acht Grad kühl. Die Reise dient natürlich nicht nur touristischen Kurzausflügen: Am späten Freitagabend trifft Gabriel den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin in dessen St. Petersburger Residenz zu einem Vieraugengespräch.

Rund eine Dreiviertelstunde lang besprechen sie die Weltlage, die Konflikte in der Ukraine, in Syrien, danach gibt Putin ein privates Essen und ein Kulturprogramm, das bis halb zwei Uhr morgens geht. An der Runde nimmt neben anderen auch ein guter Bekannter der beiden Männer teil - der frühere Kanzler Gerhard Schröder, Verwaltungsratschef des Pipelinebetreibers Nordstream II. An dem Unternehmen ist der russische Konzern Gazprom der einzige Anteilseigner.

Die Visite Gabriels nach St. Petersburg dient schließlich auch der Kontaktnahme zur deutschen Wirtschaft. Am Samstagmorgen trifft der SPD-Politiker auch deutsche Unternehmer in seinem Hotel zum Frühstück, der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft hatte sich dafür eingesetzt. Die deutsche Wirtschaft ist in diesen Tagen stark vertreten auf dem alljährlichen St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum. Die deutschen Unternehmer hoffen seit Langem auf eine Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland, die nach der Besetzung der Ukraine und dem Krieg im Donbass verhängt wurden.

Doch Gabriel kann nur wenig Neues berichten. "Das Problem ist: Wenn sich so ein Konflikt über viele Jahre eingegraben hat, ist es relativ schwierig, da wieder rauszukommen", sagt er nach seinem Treffen mit Wirtschaftsvertretern, an dem auch der russische Wirtschaftsminister teilnahm.

Die Ukraine war auch ein Punkt in seinem Gespräch mit Putin am Vorabend. Er könne nicht sagen, "dass wir einen großen Durchbruch erreicht haben". Das, fügt Gabriel hinzu, "habe ich auch nicht erwartet". Als Zeichen des Fortschritts rechnet sich Gabriel an, dass die politische Arbeitsgruppe des Normandie-Formats, in dem Russland, die Ukraine, Deutschland und Frankreich seit drei Jahren nach einer Lösung der Ukrainekrise suchen, nach langer Zeit wieder eingesetzt wurde.

Deutsche Wirtschaft setzt Hoffnungen auf Russland

Indiens Premierminister Narendra Modi ist zwar offiziell der wichtigste Stargast des Internationalen Wirtschaftsforums, das die Organisatoren gern als "russisches Davos" gesehen wissen wollen. Neben russisch dominiert auf den Fluren aber eine andere Sprache: deutsch.

Der Baumittelhersteller Knauf unterschreibt am Rande der Messe Verträge über den Bau einer neuen Dachpappe-Fabrik im Umland von St. Petersburg, der Lobbyverband Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft hebt mit dem Russischen Unternehmerverband RSPP eine Digitalisierungsinitiative aus der Taufe. Siemens-Vorstand Roland Busch unterschreibt einen Vertrag mit dem russischen Lastwagenhersteller Kamaz. Schröder ist auch da und redet über sein Lieblingsthema: Den Ausbau der Ostseepipeline Nord Stream. Und im Foyer der Messehallen liegt eine Zeitung mit einem Interview des deutschen Botschafters in Moskau aus. Überschrift: "Hindernisse überwinden wir gemeinsam".

Wichtigstes Thema beim Sankt Petersburger Forum: Welche Wirtschaftsreformen braucht das Land? "Russland muss Teil der internationalen Arbeitsteilung werden", sagt der Putin-Vertraute und ehemalige Finanzminister Alexej Kudrin. Beim VW-Konzern zeigt sich bereits in Ansätzen, wie das aussehen könnte. Als im vergangenen Jahr ein Werk in Indien nicht mehr genügend Polos für den Export produzieren konnte sprang die Fabrik im russischen Kaluga ein - und schiffte Kleinwagen russischer Fertigung nach Mexiko.

Nach zwei Krisenjahren ist die Stimmung deutscher Firmen in Russland deutlich gelöster. Die Wirtschaft wächst zwar nur leicht, der deutsch-russische Handel aber zieht für alle spürbar an: plus 43 Prozent in den ersten Monaten dieses Jahres. Die deutsch-russische Auslandshandelskammer (AHK) hat sich bei ihren Mitgliedsunternehmen umgehört: 63 Prozent rechnen schon 2017 mit wachsenden Umsätzen, 40 Prozent wollen mehr Mitarbeiter einstellen.

Der Kursverfall des Rubel im Sog des Ölpreisabsturzes hat die Produktionskosten in Russland gesenkt. "Russlands Löhne sind heute ähnlich niedrig wie in China,", sagt AHK-Geschäftsführer Matthias Schepp, früher SPIEGEL-Korrespondent in Moskau. Die Bevölkerung sei aber im Vergleich zu anderen BRICS-Staaten besser qualifiziert. Die deutsche Wirtschaft, das wird in St. Petersburg klar, setzt auf Russland.

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