WM-Hetze NPD-Funktionären drohen bis zu fünf Jahre Haft

Rassistisch, verletzend, beleidigend: Bei der WM 2006 hetzte die NPD gegen farbige deutsche Nationalspieler. Jetzt muss sich NPD-Chef Voigt vor Gericht verantworten - doch der sieht sich als Opfer eines politischen Komplotts.

Berlin - "Weiß. Nicht nur eine Trikot-Farbe! Für eine echte NATIONALmannschaft!" - das schrieb die rechtsextreme NPD auf einem "WM-Planer" zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Neben dem Schriftzug war ein Trikot der deutschen Nationalelf mit der Nummer 25 abgebildet - jener Nummer, mit der damals der Spieler Patrick Owomoyela regelmäßig für das Team auflief. Owomoyela ist Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers.

NPD-Chef Voigt: Anklage wegen Volksverhetzung

NPD-Chef Voigt: Anklage wegen Volksverhetzung

Foto: DDP

Knapp drei Jahre nach der Fußball-Weltmeisterschaft hat jetzt in Berlin der Prozess gegen den NPD-Vorsitzenden Udo Voigt und zwei weitere Parteimitglieder wegen Volksverhetzung und Beleidigung begonnen. Owomoyela, der als Nebenkläger auftrat, sagte, die rassistischen Vorwürfe hätten ihn "beleidigt, verletzt und beschämt".

Laut Anklage hatten die NPD-Funktionäre nach einer Durchsuchung der Parteizentrale und der Beschlagnahmung der Flyer mit dem Trikot Owomoyelas einen neuen Planer erstellt, in dem die angebliche "Überfremdung" der Nationalmannschaft angeprangert wurde. In der Broschüre sei ein Piktogramm mit zehn dunklen und einem weißen Spieler abgebildet gewesen unter der Überschrift "Deutsche Nationalmannschaft 2010". Dabei sei dargelegt worden, dass eine "würdige Vertretung Deutschlands" durch Nationalspieler nicht weißer Hautfarbe nicht möglich sei.

Owomoyela sagte vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten, bis zur Veröffentlichung dieser Flyer habe er nie mit rassistischen Anwürfen zu tun gehabt. Im Zuge des Gerichtsverfahrens habe er nun auch wieder Mails mit rassistischem Inhalt erhalten. Der 29-jährige Verteidiger spielt zurzeit in der Bundesliga-Mannschaft von Borussia Dortmund. Der Deutsche Fußballbund unterstützt seine Nebenklage.

Die drei Angeklagten äußerten sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen. Ihnen drohen Freiheitsstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren. Ein Antrag der Verteidigung auf Einstellung des Verfahrens wurde abgelehnt. Die Anwälte hatten argumentiert, der Prozess sei politisch motiviert und auf das "Superwahljahr" 2009 zurückzuführen. Der Prozess soll am 7. April fortgesetzt werden. Bis dahin soll auch über einen zweiten Antrag der Verteidigung gegen die Vorsitzende Richterin wegen angeblicher Befangenheit entschieden werden.

beb/AP/AFP
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