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Kanzlerin im Fußballfieber: Merkels Tribünengesichter

Foto: Michael Kappeler/ picture alliance / dpa

Merkel und Co. bei der WM Berlin? Brasilien!

Kein großes Turnier ohne die Kanzlerin. Angela Merkel reist zum WM-Auftaktspiel der DFB-Elf. Auch andere Politiker planen Touren nach Brasilien - der Entwicklungsminister hält davon nichts.

Berlin - Angela Merkel und die Nationalmannschaft - das ist eine ganz besondere Beziehung. Wie die Kanzlerin mit der deutschen Elf mitfiebert, wie sie die Tore von Klose, Podolski und Co. bejubelt, wie sie dem halbnackten Mesut Özil gratuliert, diese Bilder sind legendär. Sie zeigen Merkel, wie man sie sonst fast nie sieht: ausgelassen, fröhlich, emotional. Es sind Bilder, die längst zu Merkels Kanzlerschaft gehören wie die Familienfotos auf EU-Gipfeln.

In den nächsten Wochen könnten wieder ein paar hübsche Motive dazukommen - vorausgesetzt das Team von Bundestrainer Jogi Löw spielt mit. Schon am Montag, zum ersten Weltmeisterschafts-Gruppenspiel der Deutschen gegen Portugal, reist Merkel nach Salvador da Bahia. In der Bundesregierung legt man Wert darauf, dass nicht das Match allein Anlass für die Reise sei. So trifft sich Merkel schon am Sonntag in Brasília mit Präsidentin Dilma Rousseff, weitere Termine in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Soziales seien angesetzt.

Den Eindruck einer reinen Vergnügungsreise will man unbedingt vermeiden. Allerdings: Sollte die deutsche Mannschaft weit kommen, wird Merkel wohl nicht nur einmal nach Brasilien fliegen. Ein Halbfinale gegen den Gastgeber oder gar ein Finale gegen Spanien wird sich Fußballfan Merkel nicht entgehen lassen. Dass es dann ein ähnliches politisches Rahmenprogramm wie bei der ersten Reise gibt, ist schwer vorstellbar.

Merkel, Özil (bei der EM-Qualifikation 2010): Gratulation in der Kabine

Merkel, Özil (bei der EM-Qualifikation 2010): Gratulation in der Kabine

Foto: AFP/ Bundesregierung/ Guido Bergmann

Die Kanzlerin wird auch nicht die einzige deutsche Politikerin sein, die sich vor Ort ein Bild von der Lage der Nationalelf machen will. Fußball-Weltmeisterschaften sind beliebte Reisezeiten, ein bisschen Abwechslung vom grauen Berliner Koalitions- oder Oppositionsalltag kann schließlich nicht schaden: Maracana statt Mindestlohn, Rio statt Rente, Samba statt Solarstrom-Deckel.

Entwicklungsminister will nicht zur WM

Aus den Bundestagsfraktionen darf jeweils ein Abgeordneter die Kanzlerin zum Portugal-Spiel begleiten. Für die Union sind Karl Schiewerling (CDU) und Max Straubinger (CSU) dabei, für die SPD wird Fraktionschef Thomas Oppermann nach Brasilien fliegen. Oppermann wollte schon vor vier Jahren mit Merkel zur WM, damals nach Südafrika. Dann aber kam Kritik auf an der teuren Reise. Eine Flugstunde mit dem Regierungsairbus kostet nach Schätzungen des Steuerzahlerbundes schließlich rund 12.000 Euro. Oppermann blieb lieber zu Hause - damals war er noch in der Opposition.

Nun habe Oppermann die Einladung der Kanzlerin angenommen, "weil er es richtig findet, die Nationalmannschaft von Seiten der Politik zu unterstützen", teilt die SPD-Fraktion mit. Oppermann wolle seinen Aufenthalt auch nutzen, "um mit Gewerkschaften und anderen Vertretern der Protestbewegung ins Gespräch zu kommen". Ein Runder Tisch mit Vertretern vor Ort sei für Montagvormittag angesetzt.

Auch die Linke hatte vor vier Jahren noch einen Rückzieher gemacht. Diesmal hat sich Fraktionsvize Dietmar Bartsch als Merkel-Begleiter angemeldet. Die Grünen bleiben konsequent. Wie schon 2010 will niemand die Kanzlermaschine für einen WM-Ausflug nutzen. Als Grund werden "terminliche Gründe" genannt. Man werde "aber von Deutschland aus unser Team anfeuern" und "Missstände in der Sportpolitik ansprechen", heißt es aus der Fraktion.

Der CDU-Abgeordnete Reinhard Grindel ist in besonderer Funktion in Brasilien. Grindel ist nicht nur stellvertretender Vorsitzender des Sportausschuss im Bundestag, sondern auch Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes. Als solcher bleibt er bis zum zweiten Gruppenspiel der Deutschen in Brasilien, will dabei unter anderem soziale Projekte vorantreiben und sich "intensiv" Quartier, Medienzentrum und Trainingsplatz der Deutschen ansehen. "Die Badehose bleibt zu Hause", sagte Grindel der "Kreiszeitung".

Ebenfalls von Amts wegen plant Thomas de Maizière eine Reise nach Südamerika, denn der Innenminister ist auch für den Sport zuständig. Allerdings will der CDU-Politiker die deutsche Mannschaft erst im Achtelfinale unterstützen. Löws Team muss also vorlegen.

Gute Gründe für einen Trip über den Ozean könnte wohl auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) anführen: Sein Haus fördert Sozial- und Umweltprojekte in Brasilien. Doch trotz Einladung will Fußballfan Müller kein Spiel vor Ort sehen. "Ich befürchte ein ähnliches Desaster wie in Südafrika: Milliardeninvestitionen verkommen zu Ruinen, und daneben darbt die Bevölkerung im Elend", klagte der Minister jüngst in einem Interview. Diese WM werde wohl kein "Sommermärchen".

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