WM-Prozess Gericht verurteilt NPD-Chef Voigt wegen Volksverhetzung

Hartes Urteil gegen hochrangige Funktionäre der NPD: Ein Berliner Gericht hat den Chef der rechtsextremen Partei Udo Voigt und zwei weitere Funktionäre zu mehrmonatigen Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatten bei der WM 2006 Nationalspieler Owomoyela mit einem rassistischen Flyer beleidigt.


Berlin - Der NPD-Vorsitzende Udo Voigt ist wegen Volksverhetzung und Beleidigung zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Berliner Kammergericht verhängte am Freitag zudem gegen NPD-Sprecher Klaus Beier eine siebenmonatige Bewährungsstrafe. Der Leiter der Rechtsabteilung der Partei, Frank Schwerdt, erhielt zehn Monate auf Bewährung. Alle drei müssen zudem Geldauflagen in Höhe von jeweils 2000 Euro an die Kinderschutzorganisation Unicef zahlen.

NPD-Chef Voigt vor der Urteilsverkündung: Seine Anwälte sehen ihn als Opfer eines Komplotts
DPA

NPD-Chef Voigt vor der Urteilsverkündung: Seine Anwälte sehen ihn als Opfer eines Komplotts

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr wegen Volksverhetzung und Beleidigung gefordert. Die NPD-Funktionäre sind nach Überzeugung der Anklagebehörde für einen rassistischen Flyer zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 verantwortlich, auf dem der dunkelhäutige damalige Bremer Nationalspieler Patrick Owomoyela beleidigt wurde.

Mit den Flyern sei dazu aufgefordert worden, Menschen auszugrenzen, sagte Staatsanwalt Jörg Raupach: "Das ist strafbar."

"Weiß. Nicht nur eine Trikot-Farbe! Für eine echte NATIONALmannschaft!" - das hatte die NPD auf einem "WM-Planer" zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland geschrieben. Neben dem Schriftzug war ein Trikot der deutschen Nationalelf mit der Nummer 25 abgebildet - jener Nummer, mit der damals Owomoyela regelmäßig für das Team auflief. Owomoyela ist Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers.

Owomoyela, der als Nebenkläger auftrat, sagte während des Prozesses, die rassistischen Vorwürfe hätten ihn "beleidigt, verletzt und beschämt". Laut Anklage hatten die NPD-Funktionäre nach einer Durchsuchung der Parteizentrale und der Beschlagnahmung der Flyer mit dem Trikot Owomoyelas einen neuen Planer erstellt, in dem die angebliche "Überfremdung" der Nationalmannschaft angeprangert wurde. In der Broschüre sei ein Piktogramm mit zehn dunklen und einem weißen Spieler abgebildet gewesen unter der Überschrift "Deutsche Nationalmannschaft 2010". Dabei sei dargelegt worden, dass eine "würdige Vertretung Deutschlands" durch Nationalspieler nicht weißer Hautfarbe nicht möglich sei.

Owomoyela sagte vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten, bis zur Veröffentlichung dieser Flyer habe er nie mit rassistischen Anwürfen zu tun gehabt. Im Zuge des Gerichtsverfahrens habe er nun auch wieder Mails mit rassistischem Inhalt erhalten. Der 29-jährige Verteidiger spielt zurzeit in der Bundesliga-Mannschaft von Borussia Dortmund. Der Deutsche Fußball-Bund unterstützt seine Nebenklage.

Die Anwälte der NPD-Funktionäre hatten dagegen versucht, ihre Mandanten als Opfer einer politischen Kampagne gegen die Partei darzustellen: Der Prozess sei politisch motiviert und auf das "Superwahljahr" 2009 zurückzuführen.

beb/dpa/AP/AFP

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