Dauerstreit um Wölfe Umweltministerin Schulze fordert mehr Geld für Schäfer 

Im Wolfs-Streit verlangt Umweltministerin Svenja Schulze, die Schäfer finanziell zu unterstützen. Schließlich würde deren wertvolle Arbeit nicht genug gewürdigt - eine Weidetierprämie könne da helfen.

Wolf: Immer wieder gibt es Streit über den Umgang mit den Wildtieren
Axel Schmidt / REUTERS

Wolf: Immer wieder gibt es Streit über den Umgang mit den Wildtieren

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Es schien endlich Frieden einzukehren zwischen Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und ihrer Kabinettskollegin Julia Klöckner (CDU). Am Mittwoch bestätigte das Bundeskabinett ihre Regelung, mit der der Abschuss von Wölfen erleichtert werden soll, die Schafe gerissen haben. Doch schon Stunden später distanzierte sich die Unionsfrau von dem Kompromiss und sorgte damit für einen Eklat in der Bundesregierung. Der Streit zwischen Schulze und Klöckner über den Umgang mit Wölfen geht also in die nächste Runde.

Svenja Schulze: "Das größte Problem für die Schäfer ist die derzeitige Agrarförderung"
DPA

Svenja Schulze: "Das größte Problem für die Schäfer ist die derzeitige Agrarförderung"

Die Sozialdemokratin fordert nun von Klöckner, die Schäfer wirtschaftlich zu unterstützen, statt den Abschuss der geschützten Raubtiere weiter zu erleichtern.

"Das größte Problem für die Schäfer ist nicht der Wolf, sondern die derzeitige Agrarförderung", sagt die Umweltministerin dem SPIEGEL. "Die Bundeslandwirtschaftsministerin könnte viel für die Schafhalter tun, wenn sie wollte: mit einer Weidetierprämie wie es sie in fast ganz Europa gibt."

Schulze reagiert damit auf einen Eklat, den Klöckner diese Woche provoziert hatte. Zunächst hatten sich beide Ministerinnen auf einen gemeinsamen Gesetzentwurf geeinigt. Dieser wurde am Mittwoch vom Bundeskabinett gebilligt. Doch kurz darauf legte Landwirtschaftsministerin Klöckner nach: Sie wolle im parlamentarischen Verfahren noch weitere Erleichterungen für den Abschuss von Wölfen durchbringen.

Der Bundesverband der Berufsschäfer fordert schon lange eine Weidetierprämie. "Das wirtschaftliche Überleben hängt für uns nicht an den Zahlungen für vom Wolf gerissene Schafe", erklärt Verbandschef Günter Czerkus dem SPIEGEL. Er weist darauf hin, dass die Schäfer mit ihren Tieren einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz, der Gewinnung sauberen Trinkwassers und dem Klimaschutz leisten. Dies würde bislang von Politik und Gesellschaft nicht honoriert. Die Zahl der Schäfer, der Tiere und die von ihnen genutzten Wiesenflächen seien seit dem Jahre 2010 um 15 bis 17 Prozent zurückgegangen.

Im Video: Die Rückkehr der Wölfe - Ein Raubtier mit Imageproblem

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hiko.fairbanks 24.05.2019
1. Super!
Die Lobby der Jagdverbände hat ihre Ziele bei der Politik durchgesetzt nun kommen die Schäfer und wollen noch mehr Geld. Ich finde das der Beitrag der Wölfe zum ökologischen Gleichgewichts unzureichend gewürdigt wird.
gersois 24.05.2019
2. Keine weiteren Subventionen!
Wodurch leisten die Schafherden denn einen Beitrag zur Umwelt? Da muss man nur nach Frankreich blicken, wo die Schafhaltung so hoch subventioniert wird, dass es sich lohnt, große Herden in die Berge zu treiben. Dort fressen die Schafe alles kahl und zerstören so die natürliche Vielfalt auf den Wiesen. Dass man Schafherden einsetzt, um Heidelandschaften zu "erhalten", ist vielleicht legitim. Im ökologischen Weinbau können Schafe das Gras zwischen den Rebstöcken kurz halten, aber wer betreibt denn schon ökologischen Weinbau in Deutschland. Aber dafür muss man nicht noch weitere Subventionen ausschütten.
53er 24.05.2019
3. Ja genau,
Und die Weideprämie finanziert dann, wie immer bei der SPD, der Steuerzahler. Durch Weidepraemien wird aber kein Schaf vor dem Angriff durch einen Wolf geschützt, da müssen sich die Tierschützer schon entscheiden. Die Schäfer haben sich bereits entschieden, wir brauchen Schafe und keine Wölfe.
ratx 24.05.2019
4. sind Wahlen ? Oder warum bewegt sich die Politik erst jetzt?
Seit Jahren wird auf die Probleme der Schäfer hingewiesen. Löhne erwiesenermaßen deutlich unter dem Mindestlohn und nun Leben die Schäfer zusätzlich mit dem Risiko von Riß durch Wölfe. Eine Weidetierprämie hilft nur zum Teil. Schutz vor Tierschäden und Haftung durch in Panik ausbrechende Schafe wäre hilfreich. Schafbeweidung ist in erster Linie für Bereiche unserer Kulturlandschaft essentiell, aber auch für den Natur- und Artenschutz bei manchen Biotoptypen unersetzlich in der Pflegequalität. Also: bitte weiter so, auch nach den Wahlen ...
quidquidagis1 24.05.2019
5. und wenn man bedenkt,
Zitat von gersoisWodurch leisten die Schafherden denn einen Beitrag zur Umwelt? Da muss man nur nach Frankreich blicken, wo die Schafhaltung so hoch subventioniert wird, dass es sich lohnt, große Herden in die Berge zu treiben. Dort fressen die Schafe alles kahl und zerstören so die natürliche Vielfalt auf den Wiesen. Dass man Schafherden einsetzt, um Heidelandschaften zu "erhalten", ist vielleicht legitim. Im ökologischen Weinbau können Schafe das Gras zwischen den Rebstöcken kurz halten, aber wer betreibt denn schon ökologischen Weinbau in Deutschland. Aber dafür muss man nicht noch weitere Subventionen ausschütten.
..dass die Heidelandschaft(entstanden durch Abholzug der Wälder durch den Menschen) nur des Tourismus wegen erhalten bleiben soll,ist die Schafhaltung per se in Frage zu stellen.Kein Mensch braucht mehr deutsche Schafswolle und Lammfleisch kommt billig aus Neuseeland .
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