Wolf Biermann "Das stank irgendwie nach Heuchelei"

In der Diskussion um die Vergangenheit von Außenminister Joschka Fischer hat der Liedermacher und Publizist Wolf Biermann der Union "Heuchelei" vorgeworfen. Im Deutschlandfunk-Interview schloss er gleichzeitig den Vergleich der Studentenproteste mit dem heutigen Rechtsextremismus aus.


Wolf Biermann
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Hamburg - Biermann bezeichnete das Verhalten der Union in der Bundestagsdebatte als "Versuch, irgendwie auf Wählerfang zu gehen. Das stank irgendwie nach Heuchelei." Der Liedermacher und Publizist sagte, er empfinde es als falsch, dass Fischer vorgeworfen werde, "dass er damals als junger Mann diese Steine geworfen hat und in den Prügeleien auf der Straße, die ja auch ihren politischen Grund hatten, beteiligt war."

Die damaligen Proteste hätten ihre Berechtigung gehabt, sagte Biermann. "Es ging um die innere Verfassung der Bundesrepublik, um demokratische Rechte. Da passiert es eben leider, dass Menschen zu weit gehen." Doch all das sei inzwischen "lange her". Biermann bescheinigte dem Außenminister die Fähigkeit, "sich zu ändern, was zu begreifen aus all diesem politischen Streit." Das müsse Fischer "hoch angerechnet" werden.

Biermann schloss gleichzeitig den in der Bundestagsdebatte gebrauchten Vergleich der Studentenproteste mit dem heutigen Rechtsextremismus aus. "Wichtig ist natürlich, mit welchen Motiven man auf die Straße geht, ob man die Welt zum Besseren wenden will oder ob man sie zurückdrehen will." Außerdem bezeichnete Biermann das staatliche Gewaltmonopol als "Fundament der demokratischen Ordnung, in der wir leben."



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