Podcast "Stimmenfang" Die Sachsen-Wahl und die Angst vorm Wolf

Eltern haben Angst um ihre Kinder. Schäfer schieben Frust. Der Wolf polarisiert den Wahlkampf in Sachsen. Während die AfD das Thema früh genutzt hat, klagt ein CDU-Bürgermeister: "Meine Partei war beim Wolf zu träge."

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Stimmenfang #109 - Der Wolf im Sachsen-Wahlkampf - Ein Raubtier bringt Angst und Frust

Der Wolf ist das zur Zeit wohl politischste Tier in Deutschland. Und er spielt eine Rolle bei den Landtagswahlen in Sachsen und in Brandenburg. Darum sind wir für die neue Podcast-Episode in die Oberlausitz gefahren, wo Menschen und Wölfe schon seit Jahren miteinander auskommen müssen.

Vor Ort haben wir frustrierte Schäfer und Nutztierhalter getroffen, die sich nach einem Wolfsriss oftmals von Behörden und der Politik allein gelassen fühlen. Und von Eltern gehört, die ihre Kinder nicht mehr ohne Sorge draußen spielen lassen. Die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem Raubtier polarisiert.

Unsere Kollegin Valerie Höhne erzählt uns im Stimmenfang-Studio schließlich, wie sich die Grünen beim Thema Wolf positionieren und was sie selbst bei einer Wolfswanderung über die Tiere gelernt hat.

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Das vollständige Transkript

[00:00:05] Yasemin Yüksel Willkommen zu "Stimmenfang", dem Politik-Podcast von SPIEGEL ONLINE. Ich bin Yasemin Yüksel. Der Wolf ist zurzeit das vielleicht politischste Tier, das in Deutschland so herumläuft. Und er spielt eine Rolle im Wahlkampf in Sachsen, auch in Brandenburg. Und darum geht es in dieser "Stimmenfang"-Episode um den Wolf. Wenn man wissen will, wie sehr das Raubtier die deutsche Politik polarisiert, lohnt ein Blick in Bundestagsdebatten zum Thema. Hier ist ein Beispiel aus diesem Frühjahr.

[00:00:30] Harald Ebner (B90/Die Grünen) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie wollen Sie denn einen Wolf, der fast 80 Kilometer am Tag unterwegs ist, untersagen in einen Wolfs-Ausschluss-Gebiet zu kommen.

[00:00:40] Karlheinz Busen (FDP) Wir fordern die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht.

[00:00:42] Harald Ebner (B90/Die Grünen) Wie soll das funktionieren? Halten Sie dann den Wolf Ihre Jagdscheine vor. Das wird nicht funktionieren.

[00:00:48] Astrid Damerow (CDU) Tagtäglich haben beide Tierhalter Angst, dass ein Wolf eines ihrer Tiere reißt.

[00:00:53] Karsten Hilse (AfD) Und der links-grüne Träumer-Block hält weiter am Weiterso in der Wolfspolitik fest. Der Wolf ist das zu verehrende, heilige Tier. Derweil werden tausende Nutztiere teilweise bei lebendigem Leibe gefressen. Und das bringt mich dazu...

[00:01:09] Yasemin Yüksel Soll man den Wolf jagen oder schützen, schießen oder managen. Die Positionen liegen weit auseinander. Politische Kompromisse sind schwer vorstellbar und an Ideologie mangelt es in der Debatte auch nicht.

[00:01:20] Karlheinz Busen (FDP) Frau Klöckner kommt aus dem ländlichen Raum und Frau Schulze kommt aus der Stadt, die hat noch nie ein Wildtier gesehen wahrscheinlich.

[00:01:26] Kirsten Tackmann (Die Linke) Also, die FDP und AfD Schulter an Schulter gegen den Wolf, dass ich das noch erleben muss.

[00:01:31] Karsten Hilse (AfD) Was macht der Weidetierhalter, wenn Isegrim ihn zum wiederholten Male heimgesucht hat? Wenn er am Morgen auf die Weide kommt und er mehrerer seiner Schafe gerade noch lebendig mit aufgerissenen Bäuchen herausquällenden Gedärmen oder angefressenen Hinterläufen vorfindet. Er schreitet zur Tat.

[00:01:51] Yasemin Yüksel Der Mann, der hier - man muss es wohl so interpretieren indirekt Tierhalter zur Selbstjustiz in Sachen Wolf auffordert - ist Karsten Hilse. Hilse ist Mitglied der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion und sein Wahlkreis ist in Sachsen. Vor ein paar Wochen bin ich genau dorthin gefahren, in den Wahlkreis Bautzen/I und habe Menschen getroffen, die seit Jahren versuchen müssen mit der Wiederansiedlung des Wolfs vor ihrer Haustür zu leben.

[00:02:17] Vinzenz Baberschke (CDU) Liebe Gäste herzlich willkommen hier in Radibor, an einem idyllischen Fleck in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Ich freue mich, dass wir heute hier zusammengekommen sind, um mit unseren Mitstreitern in ganz Europa daran zu erinnern, dass wir ein Problem haben - nämlich das Problem mit der unkontrollierten Vermehrung der Wölfe in unserem Gebiet.

[00:02:39] Das ist Vinzenz Baberschke, CDU-Bürgermeister in der kleinen Gemeinde Radibor. Ich habe ihn vor Ort bei einem sogenannten "Mahn- und Solidarfeuer gegen die uneingeschränkte Ausbreitung der Wölfe" besucht. Da standen etwa ein Dutzend Menschen rund um eine Feuerstelle in der Nähe eines kleinen Teichs, es gab Getränke und Würstchen. Es war früher Abend, die Sonne ging langsam unter und es wirkte alles ziemlich idyllisch. Ich muss allerdings auch sagen: Als ich - ein Stadtmensch - zum ersten Mal von diesem Mahnfeuern gehört hatte, fand ich sie auch irgendwie befremdlich. Tatsächlich finden diese Feuer seit einigen Jahren und europaweit statt - überall dort wo Gemeinden, Weidetierhalter, Bauern, Hobby-Schäfer sich mit dem Problem Wolf alleingelassen fühlen.

[00:03:23] Vinzenz Baberschke (CDU) Dass der Wolf sich angesiedelt hat, ist für den Naturschutz ein großes Erfolgserlebnis. Wir haben uns alle seinerzeit auch gefreut, dass es so weit ist, aber wir haben auch von Anfang an auf die Probleme hingewiesen. Man hat uns nicht ernst genommen. Wenn es Wölfe gibt, die übergriffig werden, wenn sie zu nahe an die Menschen komme, wenn sie in den Dörfern sind, wenn sie aggressiv werden und mehrmals auch Herden angreifen, dann muss es die Möglichkeit geben rechtssicher auch zu handeln.

[00:03:51] Yasemin Yüksel In Sachsen leben - nach Brandenburg - die meisten Wölfe in Deutschland. Dem letzten sogenannten "Wolfsmonitoring" vom Bundesamt für Naturschutz zufolge sind es in Sachsen achtzehn Rudel. in Brandenburg sechsundzwanzig.

[00:04:02] Vinzenz Baberschke (CDU) Und es ist leider Gottes so, dass wir jetzt verzeichnen, dass immer mehr Schäfer ihren Beruf aufgeben aus wirtschaftlichen Gründen. Aber diese wirtschaftlichen Gründe sind zum Teil auch mit dem Wolf verbunden, weil die Schutzmaßnahmen und die Einbußen, die die Schäfer erleiden, einfach ein wirtschaftliches Betreiben der Schäferei kaum noch möglich machen.

[00:04:23] Yasemin Yüksel So einen Schäfer, einen der aufhört, seine Tiere verkauft, weil ihm die Probleme mit dem Wolf über den Kopf wachsen, habe ich vor Ort auch getroffen. Von ihm hören wir später noch. Der Freistaat Sachsen hat im April eine neue Wolfsverordnung verabschiedet und will damit vor allem Tierhalter unterstützen; zum Beispiel, indem die Entnahme eines Wolfs - und damit ist die Tötung gemeint - gestattet ist, um erhebliche wirtschaftliche Schäden bei Nutztierhaltern zu vermeiden. Den Grünen oder dem Naturschutzbund geht die Verordnung aus Sachsen zu weit. Einigen Weidetierhaltern dagegen noch nicht weit genug.

[00:04:56] Vinzenz Baberschke (CDU) Wir können froh sein, dass unsere Staatsregierung und das Umweltministerium den Mut gehabt hat, so eine rigorose Wolfsverordnung zu verabschieden und in Kraft zu setzen. Aber wir müssen sehen, ob sie denn wirklich das bringt, was wir auch alle wünschen - nämlich Rechtssicherheit in dem ganzen Thema. Wir sind für jede Hilfe dankbar. Es ist natürlich jetzt in einer Landtagswahl ein politisches Thema. Das liegt nicht an uns, das liegt an denen, die bisher viel verschlafen haben. Und deswegen umso mehr danke alle, die gekommen sind. Und jetzt wollen wir uns einfach über das Thema unterhalten.

[00:05:33] Yasemin Yüksel Der CDU-Bürgermeister schließt bei denen, die verschlafen haben, durchaus auch seine eigene Partei ein. Er selbst fordert seit Jahren mehr Unterstützung für wolfsgeplagte Gemeinden. Mir war aufgefallen, dass er schon 2008 in einem Artikel zum Thema auf SPIEGEL ONLINE vorkommt. Heute, elf Jahre später, ist das Problem aus seiner Sicht jedenfalls nicht kleiner geworden. Das hat er mir am Rande des Mahnfeuers vor Ort erzählt.

[00:05:56] Vinzenz Baberschke (CDU) Das Problem ist größer geworden. Und genau das macht ja den Frust der Bevölkerung aus, dass man schon sehr frühzeitig darauf hingewiesen hat, in welche Richtung sich das entwickelt, aber das wurde alles negiert. Das war schon eine gewisse Überheblichkeit der Behörden uns gegenüber, dass man uns nicht ernst genommen hat.

[00:06:15] Yasemin Yüksel Wobei Ihre Partei hier in Sachsen ja lange regiert.

[00:06:19] Vinzenz Baberschke (CDU) Ja, ich nehme da meine Partei überhaupt nicht raus. Aber in jeder Familie gibt es schwarze Schafe - wenn wir schon mal bei Schafen sind. Es ist einfach so: Man hat die kommunale Ebene da schon sehr, sehr stark ignoriert. Man sitzt in Dresden und bevor die Frau eines Politikers beim Joggen einen Wolf sieht, bewegt sich da kaum jemand. So wird hier diskutiert und so scheint es auch zu sein.

[00:06:41] Yasemin Yüksel Der Konflikt zwischen Stadtmenschen und Landmenschen - auch der gehört zur Auseinandersetzung um den Wolf. Baberschke ist ein Landmensch und seit 1992 Bürgermeister der Gemeinde Ratibor im Landkreis Bautzen. Er war schon im Amt als vor knapp 20 Jahren, im Jahr 2000, gar nicht weit von Radibor entfernt auf einem Truppenübungsplatz die ersten Wolfswelpen in Deutschland geboren wurden und damit die Wiederansiedlung des Raubtiers begann. Wenn nun ein Wolf Schafe gerissen hat, dann ist Baberschke als Bürgermeister oft der erste, den die Menschen in der 3.100-Einwohnergemeinde anrufen.

[00:07:14] Vinzenz Baberschke (CDU) Die Übergriffe von Wölfen auf Weidetiere sind vehement mehr geworden in den letzten Jahren. Und natürlich sind viele Menschen damit auch überfordert. Wenn man davon ausgeht, dass ein Kleintierhalter, der seine Schafe um das Haus herumhat, der auch Kinder hat, dann früh hinkommt und die halb zerfetzten, manchmal noch lebenden Tiere dann sieht, dann verliert er die Nerven. Das muss man akzeptieren. Und dann ist natürlich immer die Frage, wer kann dann helfen. Und dann klingelt bei mir schon oftmals das Telefon in der Frühe und dann versuche ich auch die Dinge dann einzuleiten, die notwendig sind, damit der Riss-Gutachter kommt, damit dann auch die Tierkörperbeseitigung ihre Arbeit machen kann. Das sind keine schönen Tage dann, aber man muss es tun. Und wie gesagt: Die Menschen haben langsam den Kanal voll.

[00:08:04] Yasemin Yüksel Über die Jahre hat Baberschke jetzt miterlebt, wie der Wolf die Menschen in den Dörfern und deren politische Einstellung verändert hat.

[00:08:11] Vinzenz Baberschke (CDU) Zum Beispiel kenne ich Ortschaften im Norden unserer Gemeinde - Wessel oder auch eine Lippitsch - da sind Wölfe schon am Tage durch die Dörfer gegangen. Und dort sind natürlich die Menschen dann so vorsichtig, dass die ihre Kinder, wenn es dunkel wird, reinholen. Das war früher alles etwas lockerer. Wir haben als Kinder immer draußen gespielt, im Wald, das war unsere zweite Heimat. Das findet nicht mehr statt und das hat natürlich auch etwas mit schwindender Lebensqualität zu tun. Und das spüren die Leute und das regt sie auf. Es wird auch in den Wahlen deutlich: Man sieht auch, dass im ländlichen Raum, wo sonst eigentlich - ich sag mal so - die etablierten Parteien nie Probleme hatten, jetzt doch das bröckelt.

[00:08:57] Yasemin Yüksel Die Rechtspopulisten der AfD haben das Thema Wölfe früh besetzt. Schon 2018 forderte die AfD-Fraktion im Bundestag beispielsweise eine Obergrenze für Wölfe. Die Partei hat im Wolf eine Projektionsfläche gefunden und nutzt in Beiträgen gern die Rhetorik ihrer Migrationsdebatte. Hier ist nochmal der sächsische Bundestagsabgeordnete Karsten Hilse im Bundestag.

[00:09:19] Karsten Hilse (AfD) Das größte Problem aber ist, dass es sich hier um ein unverantwortliches und folgenschweres Experiment handelt. Ein vorrangig in sehr dünn oder gar nicht besiedelten Gebieten lebendes großes Raubtier in ein dicht besiedeltes Gebiet zu bringen, wohl wissend der möglichen Folgen und niemand, niemand hat Ihnen das Recht gegeben dieses Experiment durchzuführen. Die Folgen laufen genau wie in der großen Transformation aus dem Ruder.

[00:09:47] Vinzenz Baberschke (CDU) Der Wolf wird sehr benutzt politisch, das ist richtig. Und die AfD nutzt ihn natürlich, das ist clever. Ob die AfD nun immer sachlich ist, darüber kann man auch streiten, aber - das muss man ihr zugestehen - sie hat dieses Thema aufgenommen. Und wir als Weidetierhalter und ich auch als CDU-Bürgermeister bin froh, dass eine Partei dieses Thema aufgegriffen hat. Da war die CDU, meine eigene Partei, ein bisschen zu träge. Da muss man ehrlich sein.

[00:10:15] Yasemin Yüksel Baberschke wurde mit seinen Forderungen nach mehr Unterstützung in den vergangenen Jahren nicht immer gehört. Das frustriert, zumal er sich den Schäfern gegenüber verantwortlich fühlt.

[00:10:25] Vinzenz Baberschke (CDU) Es fängt an, dass man eine Schafherde effektiv eigentlich gegen den Wolf nicht schützen kann. Da muss man ehrlich sein. Man kann Maßnahmen ergreifen. Wie gesagt, es gibt da diese Empfehlung: 90 Zentimeter Zaun und Flatterband noch drüber, der Zaun unter Strom, aber das funktioniert im Kleinen, in der Kleintierhaltung. Ich persönlich habe zehn Schafe, ich mache das als Hobby und aus Spaß und da ist egal ob ich eine Stunde länger Zaunbau betreibe. Aber ein professioneller Schäfer, der mit 600 Schafen zu tun hat, die Herden auch hin und wieder teilen muss, weil er nie mit 600 auf einen Schlag marschieren kann, der kann das nicht leisten. Und wenn man weiß, dass die Schäfer sowieso wirtschaftlich unheimliche Probleme haben. Für ein Kilo Wolle gibt es derzeit 25 Cent, das ist eine Schande, davon kann niemand leben und die leben eben von dem Fleischverkauf und - und das ist wichtig - von der Biotopflege. Es gibt bei uns das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide-Teiche und dort sind wir zwingend darauf angewiesen, Biotoppflege mit Schafen zu machen. Wir haben jetzt mittlerweile schon, wenn die Ausschreibungen laufen, wir hatten schon Ausschreibungen, da hat sich kein Schäfer mehr gemeldet. Da haben wir von Leipzig Schafe herangefahren, damit wir hier bei uns im Biosphärenreservat Biotoppflege machen. Und das kann nicht Sinn und Zweck dieser ganzen Übung sein.

[00:11:47] Yasemin Yüksel Weil der Bürgermeister immer wieder Position bezieht in der hitzigen Debatte, ist er für manche zur Hassfigur geworden und auch damit muss er irgendwie umgehen.

[00:11:56] Vinzenz Baberschke (CDU) Ja, natürlich, es geht unsachlich zu. In den sogenannten "sozialen" Medien - manchmal sind es asoziale Medien - liest man Kommentare, die sind unter der Gürtellinie. Ich bekomme auch hin und wieder mal schöne Mails. Zum Beispiel hier habe ich mal eine rausgesucht. Riesig73 schreibt am 15. April: "Vinzenz Baberschke hast du völlig den Arsch offen? Was tut dir der Wolf erholt sich nur sein Territorium zurück, du Vollpfosten." Solche Dinge finden dann statt.

[00:12:25] Yasemin Yüksel Wie gehen Sie damit um?

[00:12:28] Vinzenz Baberschke (CDU) Da lächele ich und mach ein X dran. Aber das zeigt eigentlich, wie unsachlich zum Teil solche Dinge dann ablaufen. Und ich bin nun einer, der sein Geld damit verdient, dass er einiges vertragen muss. Aber wenn ein Schafhalter solche E-Mails bekommt, nachdem er Opfer oder seine Herde Opfer eines Wolfes geworden ist, dann ist, denke ich, die emotionale Belastung noch eine viel größere.

[00:13:01] Yasemin Yüksel Ich habe vor Ort so einen Schäfer getroffen. Wir hören ihn hier, wie er an seiner Weide steht und nach den Tieren pfeift. Es sind etwa 110 Muttertiere, ein paar Junge sind auch dabei. Seinen richtigen Namen will er nicht sagen, weil auch er schon angefeindet wurde. Ich nenne ihn Stefan Zimmermann.

[00:13:17] Stefan Zimmermann Wir hatten hier einige Wolfsschützer, die hier Zaunkontrollen durchgeführt haben an leeren Weiden, um zu beweisen wie faul und wie wenig Lust wir eigentlich haben, uns vor dem Wolf zu schützen.

[00:13:31] Yasemin Yüksel Zimmermanns Vater war Berufsschäfer. Der Sohn hätte die Schäferei nebenberuflich gern weitergeführt. Aber er hört jetzt auf. Es ist - man kann das wohl so sagen - eine Art Kapitulation.

[00:13:41] Stefan Zimmermann Es ist ein ganz großes Problem, weil man nie weiß, was früh einen erwartet. Ob es einen Riss gibt, wann die entsprechenden Institutionen denn dann auch mal erscheinen. Und vor allem ist es ein ganz großes emotionales Problem, wenn man Schafe gerissen sieht, wo die Jungtiere aus dem Bauch gerissen wurden und die dann so daliegen. Selbst wenn sie mit einem Kehlbiss getötet werden. Man sieht es denen an, dass sie gelitten haben und das ist eigentlich das Schmerzhafte daran. Natürlich werden unsere Tiere auch gegessen, aber vorwiegend sind die Mütter ja über Jahre da und über Jahre stellt sich dann schon so eine Bindung ein. Und man kennt sie ja von den Gesichtern. Sie sehen ja selber, jedes hat so ein bisschen eine unterschiedliche Zeichnung und jede hat auch so ihre Eigenarten.

[00:14:36] Yasemin Yüksel Nach dem letzten Wolfsriss in seiner Herde faste Zimmermann allmählich den Entschluss aufzugeben. Schäfer und Nutztierhalter wie er sind oftmals Einzelkämpfer. Hinter ihnen steht kein großer Betrieb. Wenn der Wolf Tiere reißt - also das tut, was er als Raubtier eben tut - dann bleibt alles an ihnen allein hängen: vom Anruf beim Gutachter bis zum Warten auf das Gutachten. Und wenn das Ergebnis in der Fachsprache dann lautet: "Wolf nicht auszuschließen", dann wird der Tierhalter auch entschädigt, sofern er die vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen auf seiner Weide getroffen hatte - in Sachsen ein mindestens 90 Zentimeter hoher Zaun, der unter Strom steht.

[00:15:13] Stefan Zimmermann Die Schäden, die danach kommen... Man muss sich ja mal überlegen: Wenn jetzt zehn oder zwanzig Schafe gerissen werden oder dann eingeschläfert werden müssen, die würden Lämmer bekommen und die Lämmer über Jahre bekommen. Und dann deckt die Entschädigung das nicht. Das muss man klar so sagen.

[00:15:31] Yasemin Yüksel Auch die Zäune müssen immer wieder repariert werden und die sind ohnehin ein großes Thema. Zimmermanns ist ein Meter hoch und steht unter Strom, wie es vorgeschrieben ist. Der Freistaat zahlt eine Förderung beim Zaunaufbau, aber die Arbeitszeit für Wartung und Kontrolle der Zäune auf Gelände, das logischerweise nicht immer eben und schnurgerade verläuft, damit bleibt er allein.

[00:15:52] Stefan Zimmermann Also, ich hätte das gerne weitergemacht, aber in dieser Situation nicht mehr. Es ist einfach unsicher, wie es in Zukunft weitergeht. Zum einen fordern vor allem die Grünen noch höhere Zäune noch, noch irgendwas und der Wolf ist das goldene Kalb. Und man hat das Gefühl, dass denen mehr zugehört wird und zum Teil fühlen wir uns - also, ich kann von unserer Familie sprechen - alleingelassen. Man merkt einfach, dass da Jahre verschlafen wurden.

[00:16:25] Yasemin Yüksel Haben Sie schon mal persönlich einen Wolf gesehen hier in der Gegend?

[00:16:28] Stefan Zimmermann Ja.

[00:16:28] Yasemin Yüksel Erzählen Sie mal. Wo war das, wie war das?

[00:16:30] Stefan Zimmermann Es war Sonntag um 11 Uhr am Spielplatz - ungelogen.

[00:16:36] Yasemin Yüksel Was ging Ihnen da durch den Kopf?

[00:16:41] Stefan Zimmermann Ich war schon sehr aufgeregt. Ich persönlich hatte jetzt keine Angst. Ich weiß nicht wie das mit Kindern wäre, das kann ich nicht beurteilen. Ich kenne zum Beispiel aus dem Nachbarort, die sagt: Ich fahr mit dem Kinderwagen nicht in den Wald spazieren. Das ist einfach so. Allein, ne.

[00:17:02] Yasemin Yüksel Bei dem Mahnfeuer gegen die Ausbreitung der Wölfe steht Zimmermann an dem Tag dann auch mit anderen Weidetierhaltern rund um die Feuerstelle, tauscht sich mit seinen Nachbarn und Nachbarinnen aus, die alle ähnliche Probleme haben.

[00:17:14] Weidetierhalterin Und jetzt sind es die Schäfer und irgendwann werden es dann die Rinderhalter sein und irgendwann die Pferdehalter. Und irgendwann sagen die Leute: Wir wollen nicht mehr in den Dörfern leben, weil die Wölfe Tag und Nacht durchmarschieren. Und das kann nicht Sinn und Zweck der Sache und der Politik sein. Wir haben genügend Beispiele, wir haben genügend Vorfälle und wir möchten nicht, dass irgendwas passiert - in keinster Weise. Und deswegen sprechen wir immer wieder diese Thematik an, damit sie eben halt in den Köpfen hängen bleibt. Umso mehr freue ich mich gerade, dass die CDU und jetzt auch die blaue Partei, dass die mit dabei sind. Ich hätte mich aber genauso auch gefreut, wenn mal jemand von der SPD oder von den Grünen gekommen wäre. Die Grünen, die ja eigentlich für die Natur sind, haben sich bis jetzt noch nie...

[00:18:00] Yasemin Yüksel Schaut man ins Wahlprogramm der sächsischen Grünen, dann steht da: Wir Grüne bekennen uns zum Schutz des Wolfs. Abschüsse dürfen nur in begründeten Einzelfällen das letzte Mittel sein. Und diese Frage, wie gehen die Grünen, die ja in Sachsen auf ein gutes Wahlergebnis hoffen mit dem Thema Wolf um die trage ich zum Schluss unserer Episode aus der Oberlausitz zurück in unser "Stimmenfang"-Studio nach Berlin, wo ich mit meiner Kollegin Valerie Höhne über den Wolf und über die grüne Wolfspolitik spreche. Valerie, du schreibst im Hauptstadtbüro von SPIEGEL ONLINE über die Grünen. Ich freue mich, dass du da bist. Hallo Valerie.

[00:18:31] Valerie Höhne Hallo, ich freue mich auch.

[00:18:33] Yasemin Yüksel Wir zwei haben uns seit ein paar Wochen auch immer wieder ein bisschen über unsere Recherchen zum Thema Wolf ausgetauscht. Du hast einen Artikel geschrieben, ich war an der Recherche für diese Podcast-Episode dran. Und du warst dann vor ein paar Wochen außerdem - jenseits sozusagen von deiner journalistischen Berichterstattung - einfach als interessierter Mensch bei einer sogenannten Wolfswanderung hier in der Region. Erzähl mal, was war das? Wo warst du da? Was hast du da erlebt?

[00:18:58] Valerie Höhne Also ich war da in der Schorfheide, das ist in Brandenburg und die halten Wölfe und es gibt so eine Wolfsfütterung. Und da kann man eben mitlaufen und es ist nachts und kann dabei sein, wenn die Wölfe eben gefüttert werden.

[00:19:14] Wolfstierpfleger Und bei den Leuchten nachher bitte ein bisschen darauf achten, dass er denen nicht direkt in die Augen leuchtet. Das finden die nämlich genau so blöd wie wir auch.

[00:19:21] Valerie Höhne Bei denen kommt so ein bisschen alles zusammen: Die haben nämlich auch noch Nutztiere da, so Pommern-Schafe beispielsweise und neben den Wölfen, die sie natürlich in einem Gehege halten, haben sie auch noch wilde Wölfe da. Das heißt, da kumuliert alles ein bisschen, in diesem kleinen oder großen, kleinen Landschaftspark.

[00:19:41] Wolfstierpfleger Wir sind einerseits nämlich natürlich Wolfhalter, wir sind andererseits aber auch Tierhalter. Wir haben das gleiche Problem wie auch der Schäfer, weil wir haben jetzt das erste Wolfsrudel hier, wie Sie oben auf der Tafel gesehen haben, das Groß Schönebecker Rudel. Das wohnt hier so drei Kilometer Luftlinie, hat dieses Jahr das erste Mal Nachkommen gehabt. Und über kurz oder lang muss ich auch an meine Pommern-Schafe denken, wenn ich über Wölfe rede. Also, die Diskussion haben wir auch und wir müssen auch perspektivisch gucken, dass wir unsere Zäune sichern.

[00:20:01] Yasemin Yüksel Das heißt, da kamen vor Ort ziemlich viele Perspektiven auf das Thema in einer Person zusammen. Ich habe mich gefragt: Wie war das für dich? Weil wir beide sind ja irgendwie beide so typische Großstädter, die mit ihrem Stadtblick auf die Natur schauen. Wie war da diese Begegnung für dich?

[00:20:22] Valerie Höhne Genau, ich glaube, für uns als beide Menschen, die in Berlin wohnen und die so selten irgendwie in Kontakt mit dem Wolf kommen würden. Genau. Und ich glaube, mich hat einfach interessiert, wie geht zum Beispiel dieser Park in der Schorfheide damit um. Und auch weil da alles so zusammenkommt. Das war auch sehr interessant Der Mensch, der diese Führungen auch organisiert hat, der ist selber auch Jäger und andererseits ist er halt Wolfstierpfleger. Da kann man dann sehen, dass diese Geschichte nicht so schwarzweiß ist, wie sie oft dargestellt wird - hier die Wolfsgegner, da die Wolfsbefürworter. Es gibt eben auch noch was in der Mitte und ehrlich gesagt, wahrscheinlich ist das da, wo wir hinmüssen.

[00:21:07] Wolfstierpfleger Die meisten Leute, die über Wölfe reden, gehen da nicht mit Fakten ran, sondern versuchen immer eine Emotion aufzubauen. Ob das nun eine positive Emotion ist, vom WWF, NaBu oder wie sie sonst alle heißen oder ob das halt eine negative Emotion ist, teilweise von Bauernverband, Schafzuchtverband oder halt meinetwegen natürlich auch vom Jagdverband.

[00:21:26] Valerie Höhne Die haben auch so ein Wolfsinformationszentrum und wenn man da hinkommt, kriegt man ganz viele Infos über den Wolf. Da kann man lesen wie viele Risse gab es im letzten Jahr oder in den letzten Jahren, wie viele Menschen wurden in den letzten Jahren durch Wölfe getötet. Das waren, glaube ich, neun in den letzten 50 Jahren in Europa gewesen. Auch wenn natürlich jeder zu viel ist, aber Autounfälle fordern wesentlich mehr Opfer. Und andererseits läuft man dann halt durch diesen Park, an diesen Wildpferden vorbei, vorbei an den Schafen, vorbei an den Ziegen, die auch Junge gehabt haben und läuft dann zu den Wölfen und währenddessen erzählt der Guide einem die ganze Zeit, wie deren Sicht auf die Wölfe ist und wie deren Sicht auf diese Problematik ist und auch auf die Schäfer. Und auch, dass die Schäfer wirklich die Leidtragenden hier sind. Das sind natürlich auch keine reichen Leute, das sind keine Anti-Wolfs-Lobbyisten, die das irgendwie aus Spaß machen, sondern natürlich, deren Existenzgrundlage wird bedroht und dass sie sich wehren, ist eben auch verständlich.

[00:22:32] Wolfstierpfleger Grundsätzlich ist es erstmal so, dass Schäfer in Deutschland wirklich arme Schweine sind. Nach und nach werden die ganzen Mittel für die Landschaftspflege gekürzt. Überall wo früher Schafe waren, werden Häuser gebaut. Klar, wir werden immer mehr Menschen, auch wir müssen irgendwo wohnen, ist ja keine Frage. Und dann kommt noch das Land Brandenburg oder auch die ganzen Umweltverbände und sagen: Ach, das bisschen Wölfe, das machst du schon, weißte? Aber dass die irgendwo, sag ich mal, an der Kotzgrenze stehen, das kann man einfach nachvollziehen und da bin ich auch ganz bei den Schäfern.

[00:22:59] Valerie Höhne Und andererseits ist der Wolf eben ein seltenes Tier und ist eigentlich auch Teil des Ökosystems. Und wir haben so ein bisschen verlernt mit dem Wolf zu leben, weil wir ihn eben ausgerottet haben und er lange Zeit hier ausgerottet war und jetzt wieder eingewandert ist über Osteuropa und durch den Fall des Eisernen Vorhangs - finde ich auch super interessant. Diese Geschichte des Wolfs ist irgendwie auch so total metaphysisch. Und wie gehen wir jetzt damit um? Also, die zum Beispiel errichten jetzt auch Zäune, die schaffen jetzt auch zwei Herdenschutzhunde an für ihre Ziegen, für ihre Schafe, weil sie eben in dem Gebiet auch ein freies Rudel haben, was jetzt Nachwuchs bekommen hat und davon ausgehen müssen, dass es auch da künftig Risse geben wird.

[00:23:41] Yasemin Yüksel Und das heißt, du hast vor Ort tatsächlich auch Wölfe gesehen. Was hast du da mitgenommen, wie war das?

[00:23:48] Valerie Höhne Ich war überrascht, dass die gar nicht so groß waren und doch sehr hundeähnlich und hinter dem Gitter - die kamen ja ganz nah an einen ran, zwanzig Zentimeter vielleicht. Und natürlich ist es irgendwie krass, man sieht, das sind wilde Tiere, das sind keine Hunde und andererseits - ich bin auch mit Hunden aufgewachsen - irgendwie ist es auch ein bisschen vertraut diese Art des Bewegens und so weiter. Das war für mich ganz eindrücklich, weil ich so gedacht habe: Ok, ich habe jetzt hier gar nicht so viel Angst, aber wenn dieses Gitter weg wäre, dann hätte ich so viel Angst und das fand ich ganz interessant diese Erfahrung.

[00:24:24] Yasemin Yüksel Ein spannendes Erlebnis, was du dann ganz bestimmt auch mitgenommen hast in deinen journalistischen Blick auf das Thema. Kommen wir zu dir als Grünen-Berichterstatterin. Wie geht nun die Partei mit dem Thema, mit dem Wolf um? Wie ist da die Position?

[00:24:38] Valerie Höhne Die Grünen haben in großen Teilen eine ganz klassisch-grüne Positionen. Sie sind gegen das Abschießen von Wölfen, sind dafür, dass der sozusagen in den natürlichen Kreislauf integriert wird. Andererseits schlägt gerade Parteichef Robert Habeck schon auch versöhnliche Töne an gegenüber Schäfern und gegenüber Wolfsgegnern oder Wolfskritikern vielleicht. Er ist für die Ausstattung mit Zäunen, mit Herdenschutzhunden und so weiter und sagt auch, er versteht das. Als langjähriger Landwirtschaftsminister von Schleswig-Holstein hat er auch damit zu tun gehabt. Und tatsächlich ist da die Lage auch nochmal ein bisschen anders, weil man auf den Deichen keine Zäune anbringen kann und dann sozusagen nur über den Herdenschutzhunde gehen müsste. Also von daher... Ich glaube, er sieht da schon die differenzierte Problematik, war auch in Brandenburg selber bei einem Schäfer und hat ihn besucht. Aber generell plädieren die Grünen dafür, dass der Wolf nicht abgeschossen werden soll, klassisch wie man es erwartet von der Partei.

[00:25:41] Yasemin Yüksel Das heißt, die Grünen gehen hier auch ganz klar auch in Kontrast zur CDU, zur AfD sowieso. Es gibt von Wolfram Günther, das ist der Grünen-Fraktionsvorsitzende in Sachsen, von dem gibt es schon aus dem letzten Jahr auf Facebook ein Video, wo er seine Position oder die Position der sächsischen Grünen zum Thema Wolf umreißt. Überschrift könnte so ein bisschen sein: Doch ein Miteinander zwischen Weidetierhaltern und dem Wolf ist möglich.

[00:26:10] Wolfram Günther (B90/Die Grünen) Man weiß, wie man sich schützen kann, seine Tiere, durch Zäune, durch Flatterband, durch elektrische Zäune und wir wissen es auch von. Weidetierhaltern, die gut auskommen auch mit ihren Rudeln rings herum, weil die einfach gelernt haben, dass sie dort nicht rankommen an die Bestände und die fressen einfach das Wild. Und jetzt hier zu erzählen, man müsse sich entscheiden in Sachsen, ob man Weidehaltung oder den Wolf haben wollte, ist ein Märchen - genauso wie dieses Märchen vor dem gefährlichen Wolf-Menschen und das ist unverantwortlich.

[00:26:38] Valerie Höhne Ich glaube, dass sich da noch einmal gut zeigt, dass die Grünen eben doch eher eine Partei sind, die in einem großstädtischen Milieu punktet, die auch diese Probleme der Schäfer - obwohl sie sie gern ernst nehmen wollen und das glaube ich Ihnen auch - aber eben aufgrund ihrer Ideale nicht so ernst nehmen können. Die Grünen werden sich nie öffentlich dafür aussprechen Wölfe abzuschießen, auch wenn es vielleicht durchaus Argumente dafür gibt, dass in bestimmten Regionen oder an bestimmten Stellen zu tun. Der Wolf ist auch ein lernfähiges Tier. Ich würde nicht ausschließen, dass der Wolf es nicht versteht, wo zum Beispiel Jagdzonen sind. Ich glaube diese Versöhnung, die sie ja gerade versuchen zwischen Stadt und Land zwischen urban und irgendwie diesen Orten, wo sie für die Daseinsvorsorge und so weiterkämpfen und das auch laut sagen. Ich glaube an diesem Thema wird noch einmal deutlich, dass da eben doch noch eine ganz schön große Distanz ist zwischen den Grünen und ihren Ansprüchen zu wachsen als Partei.

[00:27:41] Yasemin Yüksel Wie sieht es generell - ich weiß, dass es immer ganz, ganz schwierig, wenn wir auf Zahlen schauen - wie sieht es aber generell für die Grünen, gerade in Sachsen, im Wahlkampf aus? Kennst du da letzte Prognosen?

[00:27:52] Valerie Höhne Es dürfte wohl zweistellig werden und das ist für die Grünen schon ein ganz großer Erfolg in Sachsen. Vor wenigen Jahren war das noch undenkbar. Da war das eine Splitterpartei. Von daher schaffen sie es gerade sich zu öffnen, sie schaffen es auch andere Milieus anzusprechen, auch außerhalb von ihren großstädtischen Student*innen. Aber in Sachsen schaffen sie es weniger als anderswo, das muss man schon sagen. Also, knapp zweistellig ist wirklich bei weitem nicht das beste Ergebnis was die Grünen derzeit einfahren. Wenn wir nach Bayern letztes Jahr gucken, da haben die 18 Prozent geholt. Das war auch mal grünes NoGo-Land. Und von daher: Das schaffen Sie alles gerade ganz gut, aber in Sachsen zeigt sich doch noch das, was sie ja, glaube ich, so gerne sein wollen, obwohl sie das nicht sagen, dass sie eben keine Volkspartei sind.

[00:28:43] Yasemin Yüksel Vielen Dank, Valerie, für deinen abschließenden Blick für heute - zum einen auf dieses schwierige, aber auch faszinierende Thema, wie umgehen mit dem Wolf und für deinen Blick in den grünen Wahlkampf in Sachsen, vielen Dank.

[00:28:54] Valerie Höhne Gern.

[00:28:55] Yasemin Yüksel Das war "Stimmenfang", der Politik-Podcast von SPIEGEL ONLINE. Die nächste Episode hören Sie ab kommenden Donnerstag auf SPIEGEL ONLINE, Spotify und in allen gängigen Podcast-Apps. Wenn Sie Feedback haben, schreiben Sie uns einfach eine Mail an stimmenfang@spiegel.de oder nutzen Sie unsere Stimmenfang Mailbox unter 040 380 80 400. An die gleiche Nummer, also 040 380 80 400; Können Sie uns auch eine WhatsApp-Nachricht schicken. Diese Folge wurde produziert von Matthias Kirsch und mir; Yasemin Yüksel. Danke für die Unterstützung an Sebastian Fischer; Johannes Kükens, Wiebke Rasmussen, Thorsten Rejzek und Matthias Streitz. Die Musik kommt von Davide Russo.

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insgesamt 75 Beiträge
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bartsuisse 22.08.2019
1. Hysterie
deutsche Hysterie wegen ein paar Wölfen. Völlig irrational und undifferenziert. Ohne Relationen. Wie macht es denn das dichtbesiedelte hochindustriealisierte Italien wo es mindestens 2000 Wölfe gibt. Wohlgemerkt nicht auf den Inseln. Dort gibts auch Entschädigungen und vorallem Workshops zum Zusammenleben. Wie so oft in Deutschland, alles übertrieben, viel Rauch um nichts und völlig einseitig fokusiert
Ein_denkender_Querulant 22.08.2019
2. Natürlich den Wolf bekämpfen!
Der Wolf steht für alles, was irgendwie mit "Nazi" zusammenhängt. Schaut man in die veröffentlichten Whats App Nachrichten der AfD Politker, dann sitzt Gauland natürlich in der Wolfschanze. Was überall Satire ist, scheint in AfD Kreisen üblicher Faschismus zu sein. Darum muss natürlich und überall gegen "den Wolf" gekämpft werden. Warum die AfD so dämlich ist, und damit gegen sich selber kämpft, sei dahin gestellt. Wann wurde denn der letzte Mensch in Deutschland von einem Wolf angegriffen? Wann? Ich finde keinen einzigen bestätigten Angriff, keinen einzigen.
biesi61 22.08.2019
3.
Und viele, viel zu viele, Leute glauben tatsächlich an Grimms Märchen. Leute, das sind Märchen! Habt Ihr in der Schule nicht aufgepasst? Märchen sind frei erfundener Stuss, manche mit etwas Moral! Weitererzählt, um sich interessant zu machen und um die Langeweile totzuschlagen. Und heute weitererzählt von AfD-Leuten, um unsinnigste und komplett überflüssige Ängste zu schüren und klare Erkenntnisse aller Fachleute, Wissenschaftler und Generationen von Menschen zu leugnen. Der Wolf tut keinem Menschen was, auch keinem Kind, seit Jahrhunderten nicht. Das gilt so überall auf der Welt! Und für Tierzüchter gibt es großzügige Fördermittel zum Bau sicherer Nachtquartiere und großzügige Entschädigung, wenn doch mal was schiefgeht. Aber lasst die Wölfe leben! Es ist so schön, dass wir sie in unserem Land endlich wieder haben!
sir_henry 22.08.2019
4. Ist Deutschland schon ein Irrenhaus, oder ist es noch auf dem Wege...
Wer das Wohl von Raubtieren, wie z.B. der Wolf, ueber das Wohl der Menschen und deren Nutztiere stellt, gehoert politisch bekaempft. Auf den Feldern wird alles getan, um Nutzpflanzenschaedlinge, sei es Tier, sei es Pflanze, zu bekaempfen, und beim "Wolf" setzt die "Tierliebe" ein? Wenn ein Hund fuer den Steuern entrichtet werden, der haftpflichtversichert ist, einen Schaden anrichtet, ist das Geschrei gross, und beim Raubtier Wolf wollen einige die Schaeden unter "Tierliebe" abhaken. Ich habe noch nicht davon gehoert, dass diese "Wolfsschutzvereine" fuer diese Raubtiere eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben, die den Geschaedigten binnen 4 Wochen ihren Schaden ersetzt. Raubtiere gehoeren in Deutschland in den Zoo, wo sie auch artgerecht gehalten werden koennen. Es ist voellig inakzeptabel und abstrus, wenn man auf der einen Seite die Haltung bestimmter domestizierter Hunderassen verbietet, aber den Woelfen freien Lauf laesst.
madameping 22.08.2019
5. Die Angst vor dem Wolf stammt aus uralten Zeiten
Die Angst vor dem Wolf entstand in einer Zeit, in der der Mensch begann, die Wälder zu roden, um sie bewohnbar zu machen. In den Wäldern lebt aber normalerweise der Wolf, wo er der Aufgabe nachgeht, das Wild (Rehe, Hirsche, Wildschweine) in Grenzen zu halten. Mit der wachsenden Population der Menschen ging auch der Lebenraum der Wölfe zurück und bald darauf griffen die ersten Tiere Schafe oder Rinder an (Tiere, die der Mensch in seinen Siedlungen kultivierte). Der Mensch und der Wolf standen also in Konkurrenz und was ist am leichtesten, wenn man einen Konkurrenten ausschalten möchte? Man erklärt ihn zur bösen Bestie - und tötet ihn. Die Mär von der Bestie, die kleine Kinder frisst - das kleine Mädchen mit der roten Kappe in den Wald führt, war geboren. Die Märchenstunden brachen an, fürchterliche Mythen um den Werwolf wurden initiiert und die Leute haben es geglaubt. Im 19. Jahrhundert schafften sie es beinahe, den Wolf in unseren Wäldern auszurotten - aus einer hysterischen Angst heraus, unter totaler Ausblendung, wie nützlich der Wolf für Wälder ist. Es ist erschütternd, wie sehr wir uns noch immer von alten Ammenmärchen beeinflussen lassen, denn tatsächlich geht uns der Wolf mehr aus dem Weg, als wir denken. Er meidet Menschen. Vielleicht aus gutem Grund. Angesichts der massiven Umweltverschmutzungen und Umweltbelastungen sollten wir uns eher vor uns selbst fürchten als vor ein paar Wölfen.
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