Vorschlag Lindners Ex-SPIEGEL-Chefredakteur Büchner wird Vizeregierungssprecher

Das Kabinett steht, nun werden weitere Posten besetzt. Auf Vorschlag von FDP-Chef Lindner soll der frühere SPIEGEL-Chefredakteur Wolfgang Büchner einer der beiden stellvertretenden Regierungssprecher werden.
Ex-SPIEGEL-Chefredakteur Wolfgang Büchner: »Eine unwiderstehliche Herausforderung«

Ex-SPIEGEL-Chefredakteur Wolfgang Büchner: »Eine unwiderstehliche Herausforderung«

Foto: Bernd von Jutrczenka / picture alliance / dpa

Seit einigen Tagen wurde sein Name in Kreisen der Hauptstadtmedien bereits gehandelt. Nun ist es offiziell: Wolfgang Büchner wird einer der beiden Vizeregierungssprecher des künftigen Ampelkabinetts. Der FDP-Vorsitzende und künftige Bundesfinanzminister Christian Lindner hat Büchner für diesen Posten vorgeschlagen.

Noch muss die Bestellung des Regierungssprechers und der beiden stellvertretenden Regierungssprecher vom neuen Bundeskabinett bestätigt werden, dies dürfte indes nur Formsache sein. Voraussichtlich wird die Zustimmung kommende Woche erfolgen.

Damit zeichnet sich die Riege der künftigen Sprecher ab. Als erster Regierungssprecher ist Steffen Hebestreit vorgesehen, der derzeit noch für Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) als Sprecher arbeitet. Scholz wird am Mittwoch im Bundestag zum Kanzler gewählt. Wer von den Grünen für den zweiten Posten des Vizeregierungssprechers beziehungsweise der -sprecherin vorschlagen wird, war am Dienstag noch nicht bekannt.

Damaliger SPIEGEL-Chefredakteur Wolfgang Büchner, CDU-Politiker Wolfgang Schäuble und SPD-Politiker Olaf Scholz im November 2014 beim 20-jährigen Jubiläum von SPIEGEL ONLINE in Hamburg

Damaliger SPIEGEL-Chefredakteur Wolfgang Büchner, CDU-Politiker Wolfgang Schäuble und SPD-Politiker Olaf Scholz im November 2014 beim 20-jährigen Jubiläum von SPIEGEL ONLINE in Hamburg

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Der 55-jährige Büchner arbeitete zuletzt als sogenannter Senior Advisor für die Beratungsfirma MSL. Im Frühjahr 2021 war bekannt geworden, dass er auch als »strategischer Kommunikationsberater« für die FDP tätig wurde. Büchner sagte dem SPIEGEL am Dienstag, Lindner habe ihn gefragt, ob er ihn als stellvertretenden Regierungssprecher vorschlagen dürfe. »Dieses Angebot habe ich sehr gerne angenommen. Das Projekt der Ampel, diesen politischen Aufbruch in unserem Land kommunikativ zu begleiten, ist eine unwiderstehliche Herausforderung«.

Lindner wiederum begründete seine Personalentscheidung gegenüber dem SPIEGEL so: Büchner habe die FDP in den vergangenen Monaten in der Kommunikation intensiv beraten. »Dabei habe ich ihn als hochprofessionellen, verantwortungsvollen Kommunikationsexperten kennengelernt.« Er freue sich, dass die Liberalen mit Büchner einen der versiertesten deutschen Journalisten für das Amt des stellvertretenden Regierungssprechers nominieren könnten. »Und ich bin davon überzeugt, dass er einen wertvollen Beitrag dazu leisten wird, die Arbeit der neuen Bundesregierung angemessen zu kommunizieren«, so Lindner.

Büchner blickt auf eine längere, wechselvolle Geschichte als Journalist zurück. Zu Zeiten von SPIEGEL ONLINE war er in führender Position, zuletzt 2008 auch als Chefredakteur an der Seite von Rüdiger Ditz. Danach wechselte Büchner zur Deutschen Presse-Agentur (dpa), wo er von Juli 2009 an zunächst stellvertretender Chefredakteur und von Januar 2010 an Chefredakteur war.

Von September 2013 bis Dezember 2014 war Büchner Chefredakteur des SPIEGEL. Anschließend arbeitete er in führender Position bei der Schweizer Blick-Gruppe und als Chefredakteur des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND). Sein Ausscheiden aus der Madsack-Mediengruppe, zu dem RND gehört, wurde im Frühjahr 2019 bekannt.