"Erdogan der SPD" Kubicki nimmt Stegner-Beschimpfung zurück

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki hat SPD-Vize Ralf Stegner als "Erdogan der SPD" bezeichnet. Jetzt räumt er ein, zu weit gegangen zu sein.

Wolfgang Kubicki auf dem Parteitag der schleswig-holsteinischen FDP
DPA

Wolfgang Kubicki auf dem Parteitag der schleswig-holsteinischen FDP


"Erdogan der SPD" und "Westentaschenmachiavelli", so hat FDP-Vize Wolfgang Kubicki beim FDP-Landesparteitag in Neumünster den SPD-Linken Ralf Stegner bezeichnet - und damit für Entsetzen in der SPD gesorgt.

"Wenn Herr Kubicki einen Funken Anstand hat, muss er sich für diese Entgleisung entschuldigen. Einen politischen Wettbewerber mit einem Autokraten zu vergleichen, der missliebige Journalisten ins Gefängnis werfen lässt, das geht zu weit", sagte SPD-Chef Martin Schulz.

Auch Sönke Rix, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Schleswig-Holstein, war empört. Die Äußerung sei nicht nur eine Beleidigung gegenüber Stegner, sie verharmlose zugleich "die untragbaren Zustände" in der Türkei. "Herr Kubicki, was bilden Sie sich eigentlich ein? Eine Entschuldigung ist mehr als angebracht."

Am Sonntag relativierte Kubicki nun seine Kritik an Stegner. "Die Formulierung 'Erdogan der SPD' war sicher überzogen", sagte er. "Ich hatte nicht die Absicht, Herrn Dr. Stegner antidemokratisches Gebaren zu unterstellen und ihn damit zu diskreditieren."

Er wünsche sich aber "eine vorurteilsfreie Aufarbeitung" der Tatsache, dass unter Stegners Führung in den letzten drei Wahlen in Schleswig-Holstein die jeweils schlechtesten Ergebnisse für die SPD seit mehr als 60 Jahren erzielt wurden.

In Schleswig-Holstein sind nach der Landtagswahl vom 7. Mai rein rechnerisch vier Koalitionen möglich, die AfD ausgeklammert. Eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen lehnt Kubicki aber entschieden ab. Er befürwortet Jamaika - ein Bündnis von CDU, Grünen und FDP. "Jamaika in Kiel, das wird klappen", ist sich Kubicki sicher.

Am Dienstag wollen die Parteigremien von CDU, Grünen und FDP in getrennten Sitzungen über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen über ein Regierungsbündnis beraten. Sollte es zu einem "Jamaika"-Koalitionsvertrag kommen, planen allerdings die Grünen eine Mitgliederbefragung - mit ungewissem Ausgang. "Das Stimmungsbild ist völlig gemischt", sagt Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Sollte ein Jamaika-Bündnis scheitern, liefe es laut Kubicki auf eine Neuwahl hinaus.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


vet/dpa



insgesamt 92 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
StefanXX 21.05.2017
1.
Ich finde zwar es gab schon schlimmere Entgleisungen, aber das macht die Aussage über Herrn Stegner trotzdem nicht besser. Sie ist etwas unter der Gürtellinie. Auch wenn Herr Stegner einer der unsymphatischten und oberlehrerhaftesten Politiker der Nation ist, der es selbst in eingermaßen sachlich geführten Interviews nicht lassen kann ständig nur Parteipolitik zu betreiben, ist der dennoch kein SPD-Erdogan. Bleibt zu hoffen dass uns Herr Stegner wie in den letzten beiden Wahlen auch bei der nächsten Wahl wieder mit tief hängenden Mundwinkeln verzückt.
svenszymanski 21.05.2017
2. Oder
Schwingt da die Angst nach, daß Erdowahn sich beleidigt fühlt? Und mal ganz ehrlich: Kubicki ist Polit- Vollprofi, der weiß, was der sagt! Schön, daß es auch kein Pöbel- Ralle Bild gab.
ulrich_loose 21.05.2017
3. Zurück genommen hat er gar nichts
er hat eher präzesiert - nicht das Erdogan typisch antidemokratischer Verhalten war gemeint, sondern der Rest den Erdogan und auch Herrn Stegner auszeichnet.
Proggy 21.05.2017
4.
Ja, war etwas daneben. Erdogan ist schließlich ein Präsident eines Staates und Herr Stegner lediglich Vize und funny-face einer ehemaligen Volkspartei.
pfandsiegel 21.05.2017
5. Kubicki/Stegner
Oh, da reagiert jemand aber sehr duennhaeutig. Selbst Beleidigungen ohne Ende absondern aber bei Angriffen auf sich selbst die beleidigte Leberwurst spielen. Na ja, typisch Grossmaul eben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.