Rolle der Presse Schäuble sieht Newsroom-Strategie der Parteien kritisch

Parteien wollen ihre Narrative am liebsten ohne Filter an die Öffentlichkeit weitergeben. Dazu richten sie eigene Newsrooms ein. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sieht diese Entwicklung kritisch.

Wolfgang Schäuble spricht über die Medienstrategie der deutschen Parteien
Kay Nietfeld/DPA

Wolfgang Schäuble spricht über die Medienstrategie der deutschen Parteien


In Parteien, ihren Fraktionen und selbst in Ministerien werden Newsrooms geschaffen - sie sollen die politischen Botschaften ihrer Abgeordneten oder Regierungsmitglieder erklären und einordnen. Wie eine Redaktion. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble begegnet den Newsrooms mit Vorsicht.

"Ich bin deswegen skeptisch, wenn Parteien, Ministerien, Verbände oder Unternehmen Nachrichten selbst produzieren wollen, das ist Aufgabe der Medien. Übrigens auch, die Nachrichten einzuordnen", sagte der CDU-Politiker der "Welt".

Auch Christdemokraten planen einen solchen Newsroom, in Partei und Fraktion. Die SPD hat bereits einen Newsroom eingerichtet. (Lesen Sie hier einen Bericht über den Trend)

DJV: Pressestellen würden Auskunftspflicht nicht nachkommen

In einer Welt, in der man "an der Überfülle von Informationen fast schon leidet", sei das Gesetz der Knappheit ein hohes Gut, sagte Schäuble. "Gilt es nicht, beginnt ein Wettbewerb um Informationen, die sensationell sein müssen, damit sie überhaupt noch zur Kenntnis genommen werden." Am Ende werde es immer aufgeregter und zugleich monotoner zugehen. In den sozialen Netzwerken "wird noch die unsinnigste Meinungsäußerung über die Maßen verstärkt", so Schäuble.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte zuletzt: "Pressestellen verbreiten selbstproduzierte Inhalte über die sozialen Netzwerke, in denen Minister grinsend Hände schütteln und Vorzeigeprojekte besuchen", sagte DJV-Chef Frank Überall der "Neuen Osnabrücker Zeitung" . Zugleich würden die Pressestellen "zunehmend ihrer Auskunftspflicht nicht nachkommen", und Anfragen von Journalisten versandeten oder würden nur ungenügend beantwortet.

höh/dpa



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erzengel1987 16.05.2019
1. Das ist wirklich ein Problem
Dagegen hilft bloß gute Berichterstattung. Also schickt eure Reporter los und steckt mal etwas Geld rein. Klärt mal Themen ordentlich auf. Nicht die tausendste Meldung von Trump melden sondern wirklich mal den Politikern auf die Finger klopfen. Wenn eine Frage keine Antwort bringt eben Nachbohren und Nachforschungen anstellen. Die Politiker wollen bloß dass die Wähler das hören was sie wollen. Das war schon immer so. Dank Internet haben Politiker nun bloß ein größeres Instrument um eigenständig ohne Presse etwas zu veröffentlichen. Hier gibt es halt keine Kritiker.
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