DER SPIEGEL

Wolfgang Schäuble über die Unionskrise »Sie können ja Markus Söder fragen, ob er mein Buch gelesen hat«

Fallende Umfragewerte, Zerreißprobe nach dem K-Debakel und der Maskenaffäre: Im SPIEGEL-»Spitzentitel« spricht der Bundestagspräsident über die aktuelle Lage seiner Partei.

Das Duell um die Kanzlerkandidatur zwischen CDU-Chef Armin Laschet und seinem CSU-Amtskollegen Markus Söder stellte die Union im April vor eine Zerreißprobe. Auch Wolfgang Schäuble, Bundestagspräsident und seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Union, war in den Führungsstreit involviert. Er vermittelte zwischen den Rivalen aus Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Schäuble war bei dem mehrstündigen Gespräch in der Nacht vom 18. auf den 19. April als Moderator aufgetreten. Zu einer Entscheidung führte die Vermittlungsaktion jedoch nicht. Söder hielt auch am Tag danach an seinen Kandidaturambitionen fest, erst später lenkte er ein. Ob sich beide Seiten einvernehmlich auf Schäuble als Moderator geeinigt hatten oder ob er nur auf Wunsch der CDU hinzugekommen war, blieb unklar. Unabhängig war der gebürtige Freiburger dabei nicht: Schäuble hatte Laschet bereits seit Längerem unterstützt.

Nun hat Schäuble von seiner Rolle in dem Machtkampf berichtet. »Ich bin mit Herrn Söder gut ausgekommen«, sagte Schäuble im SPIEGEL-Talk »Spitzentitel«, wo er über sein Buch »Grenzerfahrungen: Wie wir an Krisen wachsen« sprach. »Wir sind nicht verstritten auseinandergegangen.«

Für ihn sei die Ausgangslage klar gewesen, sagte der 78-Jährige: »Wenn Markus Söder einen Schritt zurücktritt, wird es ihm nicht schaden und der CSU nicht schaden.« Für Armin Laschet wäre dies laut Schäuble jedoch nicht ohne Weiteres möglich gewesen. Vielmehr wäre die CDU insbesondere in Nordrhein-Westfalen dadurch erheblich beschädigt worden.

»Für die gemeinsamen Chancen der Union in der Bundestagswahl ist es so herum besser.«

Wolfgang Schäuble über Armin Laschets Kanzlerkandidatur

»Für die gemeinsamen Chancen der Union in der Bundestagswahl ist es so herum besser«, sagte Schäuble über Laschets Kür zum Kanzlerkandidaten. Das sei auch unabhängig davon der Fall, dass die Umfragen derzeit »noch ein Stück weit etwas anderes aussagen«. Es sei jedoch gefährlich, ausschließlich auf die Stimmen der Basis zu hören. Ebenso sei fraglich, ob sich die Demokratie »nur noch auf momentane Stimmungen stützen« könnte. Ansonsten lande man da, wo die Piratenpartei nun sei, sagte Schäuble.

Auf die Frage, ob Söder ihm inhaltlich nicht näher gewesen sei, wollte sich Schäuble nicht einlassen. »Sie können ja Markus Söder fragen, ob er mein Buch gelesen hat«, sagte Schäuble. Er habe sein Werk dem CSU-Chef noch nicht zukommen lassen. »Er muss es kaufen natürlich«, sagte Schäuble.

Das gesamte Interview mit Wolfgang Schäuble sehen Sie in Kürze auf SPIEGEL.de.

»Spitzentitel« ist die Büchershow auf SPIEGEL.de mit SPIEGEL-Autor und Literaturkritiker Volker Weidermann. Der Talk für Bücherfreunde und Anhänger des gepflegten Diskurses wird im Studio des SPIEGEL-Hauptstadtbüros in Berlin aufgezeichnet. Volker Weidermann spricht mit Autoren aus In- und Ausland und Kritikerin Elke Heidenreich stellt in jeder Folge ihre Leseempfehlung als Spitzentitel der Woche vor.

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häm/fek
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