Roland Nelles

Schäubles Lawinen-Vergleich Die Entgleisung

Wie bitte? Wolfgang Schäuble vergleicht die Zuwanderung von Flüchtlingen mit einer Lawine? Das sind fiese Worte - aus mehreren Gründen.
Wolfgang Schäuble: Was hat er vor?

Wolfgang Schäuble: Was hat er vor?

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Wer schon einmal in den Alpen eine Lawine gesehen hat, weiß um deren zerstörerische Kraft. Lawinen wälzen alles nieder, Bäume, Häuser. Sie begraben Menschen unter sich, sie töten.

Nun hat Wolfgang Schäuble die Flüchtlinge, die nach Deutschland und Europa kommen, mit einer solchen Lawine, also mit einer Naturkatastrophe, verglichen. "Ob wir schon in dem Stadium sind, wo die Lawine im Tal unten angekommen ist, oder ob wir in dem Stadium im oberen Ende des Hanges sind, weiß ich nicht", sagte Schäuble bei einer Veranstaltung in Berlin.

Das ist ein falsches, ein gefährliches Bild - und das sollte er als langjähriger Minister wissen. Das ist die Sprache der Aufwiegler und Fremdenfeinde. Das ist schlicht: eine Entgleisung.

Statt die aufgeheizte Stimmung in Teilen der Bevölkerung noch anzufachen, sollte ein besonnener Politiker lieber auf Mäßigung und ruhige Worte setzen. Aber Schäuble hat sich offenkundig anders entschieden. Er gibt den Raubauz der CDU. Er bedient all jene in der Anhängerschaft der Partei, die sich nach einer harten Linie im Umgang mit den Flüchtlingen sehnen. Das sind sicherlich nicht wenige.

Schäuble setzt sich damit erneut von seiner Chefin Angela Merkel ab, die eher auf ausgleichende Töne setzt. In der Union werden sie die Sätze des Seniors deshalb genau gelesen haben.

Übrigens: Ganz nebenbei gibt Schäuble Merkel eine weitere Watsche mit, wenn er davon spricht, ein "unvorsichtiger Skifahrer" könne eine solche Lawine auslösen. Ein unvorsichtiger Skifahrer? Also: ein Trottel? Eine Pistensau? Das ist ein echter (weil doppeldeutiger) Schäuble-Satz. Ohne Merkel direkt anzusprechen, lässt sich erahnen, dass sie damit gemeint sein könnte.

So untergräbt Schäuble weiter Merkels Autorität. Entweder will er erreichen, dass sie ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik ändert. Oder er will ihren Job. Natürlich wird er wie immer beides bestreiten. Aber: Dieses Duell wird noch interessant.

P.S.: Was eigentlich auch Schäuble wissen muss: Merkel ist bekanntlich Langläuferin, also eher nicht auf den Steilhängen unterwegs.