Ehemaliger Stasi-General Wolfgang Schwanitz ist tot

Wegen der Arbeit der Stasi gebe es »keinen Grund zur Reue«, befand Wolfgang Schwanitz einst. Nun ist der frühere Stellvertreter des Stasi-Ministers Erich Mielke im Alter von 91 Jahren gestorben.
Wolfgang Schwanitz (Foto von 2010) schrieb nach der Wiedervereinigung Bücher und verteidigte die Stasi

Wolfgang Schwanitz (Foto von 2010) schrieb nach der Wiedervereinigung Bücher und verteidigte die Stasi

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Der ehemalige Stasi-General Wolfgang Schwanitz ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Dies teilte sein Verlag Edition Ost mit. Demnach verstarb Schwanitz am 1. Februar in seiner Berliner Wohnung.

Schwanitz stand jahrzehntelang im Dienste des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR und war Ende der Achtzigerjahre Stellvertreter des Stasi-Ministers Erich Mielke. Im Wendejahr 1989 rückte Schwanitz an die Spitze der Nachfolgeinstitution, des Amtes für Nationale Sicherheit (AfNS) – und wurde damit Nachfolger Mielkes.

Eklat bei Buchvorstellung im Jahre 2002

Nach dem Ende der DDR schrieb Schwanitz mehrere Bücher über die Arbeit der Staatssicherheit, die Kritiker als revisionistisch und verharmlosend einstuften. Bei der Vorstellung des Buchs »Die Sicherheit. Zur Abwehrarbeit des MfS«, das Schwanitz mit weiteren ehemaligen Stasi-Mitarbeitern verfasst hatte, kam es 2002 zum Eklat. Ein Stasi-Opfer, das Kritik äußerte, wurde aus dem Saal geworfen.

Schwanitz sagte damals, so wie es historisch gerechtfertigt gewesen sei, den Sozialismus zu versuchen, so legitim sei es gewesen, dieses Vorhaben mit dem Ministerium für Staatssicherheit zu schützen. »Es gibt keinen Grund zur Reue«, sagte Schwanitz damals.

Das Amt für nationale Sicherheit der DDR als Nachfolgeinstitution des Ministeriums für Staatssicherheit gab es nur kurz, von Mitte November bis Mitte Dezember 1989. Schwanitz kündigte nach Amtsantritt Unterstützung für den »Prozess der revolutionären Erneuerung« an und versuchte eine Reform der Staatssicherheit, wie es in Informationen des Stasi-Unterlagen-Archivs heißt.

»Zugleich wurde die Aktenvernichtung in diesen Wochen fortgesetzt, viele inoffizielle Mitarbeiter ›abgeschaltet‹«, schreibt das Archiv. Mit Beschluss des DDR-Ministerrats vom 14. Dezember 1989 wurde das Amt wieder aufgelöst. Laut der Mitteilung des Verlags wurden die in den Neunzigerjahren eingeleiteten Ermittlungsverfahren gegen Schwanitz ergebnislos eingestellt.

svs/dpa

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