Wowereit vs. Künast Duell der Schnodderschnauzen

Klaus Wowereits Job ist in Gefahr: Bei der Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl fordert Renate Künast den Bürgermeister heraus. Wie gefährlich kann die Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion dem SPD-Mann werden? SPIEGEL ONLINE macht den Kandidaten-Check.

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Berlin - Klaus Wowereit, 57, liebt die Ironie. Mit diesem Stilmittel ist der Berliner Regierende Bürgermeister in seiner bisherigen politischen Karriere gut gefahren - und deshalb will der Sozialdemokrat weiter daran festhalten. Leicht und locker wirkte er damit zu seinen guten Zeiten; "Wowi", wie ihn die Berliner liebevoll nannten, war der Bürgermeister einer lässigen Stadt.

Aber die Zeiten haben sich für den SPD-Mann geändert: Plötzlich muss er um seinen Job fürchten - mit Renate Künast, der Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion, wird der Bürgermeister bei der Abgeordnetenhaus-Wahl im kommenden Herbst eine gefährliche Gegnerin haben.

Was aber macht Wowereit? Er will die Bedrohung weglächeln - in gewohnter Manier. Als der Rathaus-Chef vor zwei Tagen bei einem Kita-Besuch einen grünen Drachen überreicht bekam, sagte er lässig: "Grüne Drachen, die kann man gut in die Luft gehen lassen." Sprüche wie diesen hat Wowereit immer wieder parat, wenn es um seine designierte Herausfordererin geht. Künast, 54, wird aller Voraussicht nach am 5. November bei einem Mitgliederabend der Berliner Grünen ihre Kandidatur bekanntgeben.

Wowereit ist in einer schwierigen Lage

Tatsächlich ist die Lage für Wowereit ernst: In manchen Umfragen haben die Berliner Grünen die SPD inzwischen überrundet, das Forsa-Institut sah die Grünen zuletzt sogar bei 30 Prozent - vier mehr als die Sozialdemokraten. Zudem ist Künast in Berlin mindestens so populär wie Wowereit. Damit scheint sowohl Grün-Schwarz wie Grün-Rot möglich.

Bei der Wahl im September 2011 geht es aber nicht nur um Wowereits Job im Roten Rathaus - sondern um seine politische Zukunft. Bisher gilt der SPD-Vize als stille Reserve der Bundespartei, linke Sozialdemokraten sehen in ihm sogar einen möglichen Kanzlerkandidaten.

Eine strategische Antwort auf Künast und die starken Grünen hat er noch nicht - genauso wenig wie seine Partei. Stattdessen versucht man, Künasts Berliner Ambitionen kleinzureden. "Wenn sie in Berlin kandidieren will, dann aber bitte ohne Wenn und Aber", sagte Wowereit am Donnerstag. "Eine Rückfahrkarte in die Bundespolitik, die Frau Künast sich offenbar bereithalten will, schadet Berlin."

Tatsächlich ist noch unklar, wie Künast mit ihrem bisherigen Amt als Fraktionschefin verfahren wird - und ob sie auch im Fall einer Niederlage im Abgeordnetenhaus bleiben würde. Auch bei den Grünen gibt es Stimmen, die von Künast ein Entweder-Oder verlangen. Ein weiteres Problem: Programmatisch sind die Berliner Grünen noch lange nicht regierungsfähig.

Wowereit vs. Künast - ein spannendes Duell. SPIEGEL ONLINE macht den Kandidaten-Check.

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GyrosPita 21.10.2010
1.
Zitat Artikel: "Als der Rathaus-Chef vor zwei Tagen bei einem Kita-Besuch einen grünen Drachen überreicht bekam, sagte er lässig: "Grüne Drachen, die kann man gut in die Luft gehen lassen." Muhahaha, ich bin ja alles andere als ein Fan oder Stammwähler vom guten Wowi, aber allein für den Spruch würde ich ihn wählen. Bitte mehr davon, vielleicht keift der grüne Drachen sich ja um Kopf und Kragen...
GertL, 21.10.2010
2.
Nunja, ich könnte jetzt nicht sagen, wen ich unsympathischer finde, aber zum Glück bin ich kein Berliner.. Aber ich wäre mal gespannt, wie die Grünen ihre Visionen verwirklichen wollen, im fast zahlungsunfähigen Berlin.
truka 21.10.2010
3. Egal
Würde eher sagen: Duell der Schmoderschnauzen, beide haben eine große Klappe aber mehr nicht.Aber in Berlin ist ja nicht mehr viel kaputt zumachen, deshalb ist es egal wer da regiert.
Pandora0611 21.10.2010
4. Berliner lifestyle
Rot-Rot: War da etwa was? Eine Haushaltsnotlage zum Beispiel, eine Niederlage vor dem Bundesverfassungsgericht, ein verfassungswidriger Landeshaushalt? Vor ein paar Tagen noch war die Stadt entsetzt über das Urteil der Karlsruher Richter, beleidigt ob der mangelnden Solidarität der anderen Bundesländer und ratlos angesichts eines Schuldenberges von 61 Milliarden Euro. Doch plötzlich ist davon nicht mehr die Rede, in der Nacht zum Donnerstag haben sich SPD und Linkspartei auf die Eckpunkte eines neuen Koalitionsvertrages geeinigt. Vom Sparen ist nicht mehr die Rede, auf jeden Fall nicht mehr so viel, wie es die dramatische Haushaltsnotlage eigentlich erfordern würde.
jot-we, 21.10.2010
5. 00
Zitat von GertLNunja, ich könnte jetzt nicht sagen, wen ich unsympathischer finde, aber zum Glück bin ich kein Berliner.. Aber ich wäre mal gespannt, wie die Grünen ihre Visionen verwirklichen wollen, im fast zahlungsunfähigen Berlin.
Brauchen sie gar nicht! Hier baut sich gerade (über den Umsteigebahnhof Sttgt) die nächste Bewegung auf - yes, it does! Und wenn dann nach der Bundestagswahl 2013 Frau Künast als zweite deutsche Kanzlerin von allen Flachbildschirmen lächelt ... dann denkt bitte dran: ich war der erste, der's prophezeit hat!
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