Furtwängler, Burda und Co. Richter will 45 Zeugen im Fall Wulff hören

Ab November muss sich Christian Wulff in Hannover vor Gericht verantworten. Es wird ein langes Verfahren. 45 Zeugen will der Richter bis April hören, mehr als bisher vermutet. Aussagen sollen etwa Wulffs Bodyguards - und eine "Tatort"-Kommissarin.
Ex-Bundespräsident Wulff: Umfangreiche Zeugenliste

Ex-Bundespräsident Wulff: Umfangreiche Zeugenliste

Foto: Nigel Treblin/ Getty Images

Charlotte Lindholm kennt sich bestens aus im kriminellen Milieu Hannovers. Erst im vergangenen Dezember kämpfte die "Tatort"-Kommissarin in zwei Folgen am Sonntagabend gegen den politischen Filz in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Genau ein Jahr später wird es die TV-Darstellerin Maria Furtwängler nun mit der realen Justiz in Hannover zu tun bekommen.

Furtwängler muss im Verfahren gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff wegen Vorteilsannahme als Zeugin aussagen. Sie war im September 2008 dabei, als der CDU-Politiker auf Kosten des Filmproduzenten David Groenewold auf dem Münchner Oktoberfest gefeiert haben soll. Womöglich kann sie mit ihrer Aussage Klarheit darüber schaffen, welcher Gast an jenem Abend wie viel teuren Champagner getrunken, wie viele Brathendl oder Haxen gegessen hat.

Furtwängler findet sich auf einer illustren Zeugenliste, die das Landgericht Hannover nun zur Vorbereitung des Prozesses gegen das ehemalige Staatsoberhaupt aufgestellt hat und die in Justizkreisen kursiert. 45 Zeugen will der Vorsitzende Richter Frank Rosenow von Mitte November bis Anfang April kommenden Jahres anhören. Womöglich würden noch weitere Zeugen bestellt, heißt es in der entsprechenden Verfügung.

Das Verfahren, bei dem es um einen Vorteil von rund 700 Euro für Wulff geht, dürfte damit voraussichtlich mindestens 22 Verhandlungstage dauern. Die Justiz in Hannover rechnet mit einem großen Ansturm der Medien. 70 Plätze sind für Journalisten vorgesehen, deutlich mehr als im Münchner NSU-Prozess.

Das "gesamte Beziehungsgeflecht" unter die Lupe nehmen

Die umfangreiche Zeugenliste macht deutlich, dass das Gericht den Fall weit ausführlicher beleuchten will, als von den Verfahrensbeteiligten bislang erwartet. Die Staatsanwaltschaft hatte im April ursprünglich Anklage wegen des schwerwiegenderen Vorwurfs der Bestechlichkeit erhoben. Das Gericht aber stufte den Vorwurf dann auf Vorteilsannahme herunter.

Zugleich aber machten Rosenow und die anderen beteiligten Richter der 2. Großen Strafkammer schon in ihrem Eröffnungsbeschluss deutlich, dass sie das "gesamte Beziehungsgeflecht" zwischen Wulff und dem mit ihm befreundeten Filmfinanzier unter die Lupe nehmen wollen und sich nicht nur auf die Ereignisse in München beschränken werden.

So soll es auch nur an den ersten Prozesstagen um die München-Sause gehen. Anschließend will sich das Gericht offenbar auch mit anderen gemeinsamen Reisen Wulffs und Groenewolds nach Sylt und Capri befassen, bei denen der Filmfinanzier ebenfalls Essensrechnungen übernommen haben soll.

Zudem müssen zahlreiche Zeugen aus dem Bereich der Filmförderung aussagen, Mitarbeiter aus Wulffs niedersächsischer Staatskanzlei und Produzenten, die bei ihren Projekten, ähnlich wie Groenewold, vom Land Niedersachsen unterstützt worden sind. Auch ein früheres Regierungsmitglied Wulffs soll aussagen, Ex-Staatssekretär Joachim Werren. Er war 2006 im Wirtschaftsministerium mit einer Millionen-Bürgschaft des Landes befasst, die zugunsten einer Groenewold-Firma gewährt wurde.

Kommissarin Lindholm, alias Maria Furtwängler, muss übrigens nicht allein nach Hannover reisen. Auch ihr Ehemann, der Verleger Hubert Burda, soll über das Treffen mit Wulff in München aussagen. Einen ganzen Tag will sich das Gericht für die Aussage einer "Bild"-Zeitungs-Journalistin nehmen, die ebenfalls an dem Abend im Oktoberfestzelt dabei war.

Bodyguards als Informationsquelle

Medienvertreter dürften sich schon einmal den 12. Dezember im Kalender anstreichen. An diesem Tag will das Gericht ausführlich Bettina Wulff vernehmen, die ehemalige First Lady.

Unangenehmer als die Aussage der inzwischen von ihm getrennt lebenden Ehefrau könnten für den ehemaligen Bundespräsidenten aber womöglich die Aussagen seiner Personenschützer werden. Anders als Bettina Wulff haben sie kein Zeugnisverweigerungsrecht.

Wulff ließ sich nämlich schon zu Zeiten als niedersächsischer Ministerpräsident bei privaten Reisen gerne von Leibwächtern des Landes eskortieren. Von den diskreten Begleitern, die einst für die Sicherheit des Politikers sorgten, erhofft sich das Gericht nun Aussagen darüber, wie Wulff sich bei seinen privaten Urlauben auf Sylt und Capri verhalten hat.

Schon die Staatsanwaltschaft hatte die Bodyguards ausführlich als Informationsquelle genutzt. Die Ermittler wollten von den Beamten unter anderem wissen, wie Wulff Zeitungen, Eis und den Strandkorb bezahlt und ob er Bargeld er in seinen Taschen hatte.

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