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21. Dezember 2011, 15:17 Uhr

Wulffs Kreditaffäre

Der Salamitaktiker

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Mit seiner Verteidigungsstrategie hat sich Bundespräsident Christian Wulff keinen Gefallen getan. Er gibt nur zu, was sich nicht mehr verbergen lässt. Sein Anwalt bestätigt nun, der Unternehmer Geerkens sei bei den Modalitäten des Hauskaufs beteiligt gewesen. Was kommt noch ans Licht?  

Berlin - Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, verlangt ein Ende der Diskussionen. "Unverzüglich", "aus Respekt vor dem Amt". Doch die Debatte um Bundespräsident Christian Wulff will einfach kein Ende nehmen, auch drei Tage vor Weihnachten nicht. Es sind nicht zuletzt die jüngsten Einlassungen seines Anwalts, die erneut die Frage aufwerfen, welche Rolle der Unternehmer Egon Geerkens beim Hauskauf und der Kreditvergabe an Wulff gespielt hat.

Es ist eine dünne Verteidigunglinie, die Wulff und sein Anwalt gezogen haben. Nach wie vor halten sie daran fest: Es gebe keine Geschäftsbeziehung zwischen Wulff und dem Unternehmer. Der Kredit an Wulff in Höhe von 500.000 Euro, der 2008 floss, sei über das Konto von Geerkens Ehefrau Edith gegangen. Es ist das entscheidende Detail - denn Wulff hat in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen im niedersächsischen Landtag einst versichert, es gebe seit zehn Jahren keine Geschäftsbeziehung zwischen ihm und dem Unternehmer selbst.

So weit scheint alles gut in der Verteidigungswelt Wulffs. Doch ist wirklich alles gut? Das Problem für Wulff: Dem SPIEGEL hat Geerkens eine Version der Geschichte erzählt, die nahelegt, dass der Unternehmer weit mehr als nur an den "Modalitäten" beteiligt war. "Ich habe mit Wulff verhandelt", sagte Geerkens. "Ich habe mir überlegt, wie das Geschäft abgewickelt werden könnte."

Tatsächlich zeigt sich in der Affäre: Wulff hat bisher kein glückliches Händchen in der für ihn bedrohlichen Lage gezeigt. Seine Verteidigungsstrategie beweist, dass er nur zugibt, was sich nicht mehr verbergen lässt:

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy spricht daraufhin von einer "Salamitaktik" des Bundespräsidenten. Die Situation ist offen. CDU und CSU versuchen, die Affäre für beendet zu erklären, die Kanzlerin hat ihm wiederholt ihr Vertrauen ausgesprochen. SPD und Grüne halten sich mit Rücktrittsforderungen zurück - noch. Allen Beobachtern aber ist klar: Wulffs Glaubwürdigkeit hat längst gelitten. Mit seiner Verteidigungstrategie wirkt er wie ein Getriebener.

Nun rückt seine Weihnachtsansprache in den Mittelpunkt des Interesses. Sie wird an diesem Mittwoch im Schloss Bellevue aufgezeichnet, am Sonntagabend ausgestrahlt. Am Tag zuvor dürfen die Medien, wie immer bei den Weihnachtsansprachen der Bundespräsidenten, vorab darüber berichten. Kaum jemand glaubt, dass der jetzige Amtsinhaber Wulff es bei besinnlichen Worten belassen kann. Die spannende Frage lautet: Wie wird Wulff auf die Affäre eingehen?

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