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21. Juli 2011, 00:41 Uhr

Wunsiedel

Grabstätte von Hitler-Stellvertreter Heß aufgelöst

Es war über Jahre eine Pilgerstätte für Rechtsextremisten, die Rudolf Heß als Märtyrer feiern wollten - und ein Schandfleck in den Augen vieler Anwohner: das Grab des früheren Hitler-Stellvertreters im oberfränkischen Wunsiedel. Jetzt wurde die umstrittene Grabstätte aufgelöst.

München - Jahrelang versammelten sich am Grab von Rudolf Heß immer wieder Rechtsextremisten. Zu seinem Todestag am 17. August gab es im fränkischen Wunsiedel zum Ärger der dortigen Gemeinde einen Gedenkmarsch mit Hunderten oder gar Tausenden Teilnehmern, die an den früheren Hitler-Stellvertreter erinnern wollten. Seit Mittwoch existiert die strittige Grabstätte nicht mehr.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wurde das Grab in der Nacht zum Mittwoch zwischen 4 und 6 Uhr geöffnet. Die Gebeine von Heß wurden mit Zustimmung seiner Erben exhumiert. Sie sollen nun verbrannt, die Asche dann auf offener See bestattet werden. Damit dürfte das Interesse von Neonazis an Demonstrationen in Wunsiedel schwinden.

In der rechten Szene gilt Heß als Märtyrer. Er war im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden und hatte sich 1987 im Berliner Gefängnis Spandau das Leben genommen. In seinem Testament hatte er den Wunsch geäußert, in Wunsiedel begraben zu werden. Heß' Eltern hatten dort ein Ferienhaus besessen und waren in dem Ort bestattet.

Der Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde hatte dem Wunsch von Heß zunächst zugestimmt. Doch wegen der häufigen Demonstrationen von Rechtsradikalen strebten die Kirchenvertreter die Auflösung des Grabs an. Als nun der Pachtvertrag auslief, verweigerte die Kirchengemeinde eine Verlängerung.

Zunächst klagte eine Heß-Enkelin gegen diesen Schritt, doch nach Angaben des langjährigen Landrats des Kreises Wunsiedel, Peter Seißer, ließ sich die Familie schließlich überzeugen, die Auflösung des Grabs zu akzeptieren.

Der einst jährliche Rudolf-Heß-Gedenkmarsch in Wunsiedel war in den vergangenen Jahren immer wieder verboten worden. Demonstrationen von Rechtsextremisten wurden nur noch unter der Auflage zugelassen, dass Heß nicht erwähnt würde.

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