Wut auf Merkel Ex-Ministerpräsident Münch verlässt die CDU

Er findet das Verhalten der Bundeskanzlerin "unerträglich": Werner Münch kehrt nach 37 Jahren der CDU den Rücken. Als Auslöser für den Schritt nannte der frühere Ministerpräsident Sachsen-Anhalts Merkels Papst-Schelte.


Magdeburg - "Die Partei ist nicht mehr die, in die ich vor 37 Jahren eingetreten bin", sagte Münch der "Magdeburger Volksstimme". Für seine Entscheidung machte der frühere Ministerpräsident Sachen-Anhalts maßgeblich das Agieren von Bundeskanzlerin Angela Merkel verantwortlich.

Grund für seinen Austritt seien "die Profillosigkeit der CDU in der Bundespolitik" sowie "das Lavieren der Vorsitzenden in wichtigen Politikfeldern zur Befriedigung des Koalitionspartners", sagte Münch. Den "internen und öffentlich zelebrierten" Umgang der Kanzlerin mit Parteifreunden nannte der 68-Jährige "unerträglich". Merkel sei nur "an der Stabilisierung ihrer eigenen Machtposition" interessiert.

"Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die Art und Weise, wie die Parteivorsitzende das Oberhaupt unserer katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., öffentlich diskreditiert und gedemütigt hat, obwohl es dafür keine Veranlassung gab", so Münch weiter.

Merkel hatte Papst Benedikt aufgefordert, in der Debatte um die Piusbruderschaft klarzustellen, dass es keine Leugnung des Holocausts geben darf. Laut Münch hat die Bundeskanzlerin Grundregeln der Diplomatie und des persönlichen Anstands "verletzt", als sie im Skandal um den Holocaust-Leugner Richard Williamson den Papst ermahnte.

Münch war von 1991 bis 1993 Regierungschef in Sachsen-Anhalt. Im November 1993 trat er wegen der sogenannten Gehälteraffäre zurück. Ihm und einigen Ministern war vorgeworfen worden, mit unbegründeten Angaben über ihre früheren Bruttogehälter ein zu hohes Ministergehalt kassiert zu haben. Ein Verfahren gegen Münch endete auf Antrag der Staatsanwaltschaft 1996 mit einem Freispruch.

hut/dpa/AP



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