Wutausbruch Beck wittert "Vernichtungsfeldzug"

Gefühlsausbruch eines Gescholtenen: Kurt Beck ist auf der Sommerreise durch seine pfälzische Heimat der Kragen geplatzt. Emotional wehrte sich der SPD-Chef gegen parteiinterne Kritiker - und die angebliche unfaire Berichterstattung über seine Person.


Berlin/Mainz - "Wer auf Sommerreise geht, der hat es nötig", so schrieb die "Frankfurter Allgemeine" einmal im vergangenen Jahr. "Wem eine Wahl droht, wer schlecht dasteht in Umfragen oder sich auch sonst zu wenig wahrgenommen fühlt vom Volk, der geht auf Werbetour in eigener Sache", argumentierte die Zeitung. Es ging um lockere, das Sommerloch füllende Deutschlandtrips von Gabriel, Koch, Steinmeier, Westerwelle oder Ypsilanti.

Kurt Beck in der Pfalz: Wutausbruch gegen "Wichtigtuer"
DPA

Kurt Beck in der Pfalz: Wutausbruch gegen "Wichtigtuer"

Von Kurt Beck war damals nicht die Rede. Aber auf ihn dürfte die Einschätzung der "FAZ" in diesem Jahr besonders zutreffen.

Auch der SPD-Chef ist gerade auf Sommerreise. Er tourt durch sein heimatliches Bundesland, in dem er Ministerpräsident ist. Doch statt entspannt und gut gelaunt mit dem Wahlvolk zu plaudern, platzte Kurt Beck in der westlichen Pfalz bei Kaiserslautern der Kragen. Angefressen von schlechten Umfragewerten für ihn und seine Partei machte der oberste Sozialdemokrat seinem Ärger mal so richtig Luft. Ziel der Attacke: Kritiker in der eigenen Partei und Journalisten, von denen er sich ungerecht behandelt fühlt.

Beck erregte sich über "Wichtigtuer" in der SPD, deren Äußerungen die Partei schwächten, laut "FAZ" soll er gar von einem "Vernichtungsfeldzug" gegen ihn gesprochen haben. Namen nannte Beck dem Bericht zufolge keine. Er sehe keinen Grund, seinen politischen Stil zu ändern, stattdessen wolle er seinen Weg weitergehen. Beck verwies auf seinen Erfolg in Rheinland-Pfalz, wo man nicht schlecht übereinander rede.

Allerdings: Die Zeitung "Rheinpfalz" veröffentlichte gerade eine Umfrage, wonach Beck auch in seiner Heimat an Ansehen verliert. Nur noch 35 Prozent der Wähler bescheinigten seiner Regierung demnach ein gutes Ansehen. Vor einem Jahr waren es noch 57 Prozent. "Die schlechte Stimmung schlägt hier durch, und das tut mir leid für meine Leute, die gute Arbeit machen und das nicht verdient haben", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Beck. Das Blatt schreibt von einem "emotionalen Ausbruch" und einer "nahezu eruptiven Art", in der sich Beck auch über aus seiner Sicht unfaire Berichterstattung über seine Person und seine Arbeit beklagt habe. Der SPD-Vorsitzende fühle sich in den Medien oft herabgesetzt, heißt es.

Dass derzeit der Umgang mit der Linkspartei das umstrittenste Thema in seiner Partei sei, wies Beck den Berichten zufolge zurück. Es gehe vielmehr um die Reformagenda 2010, mit der sich die SPD noch immer nicht arrangiert habe. Beck äußerte sich irritiert über die anhaltenden Versuche, ihn zu einer früheren Entscheidung über die Frage der Kanzlerkandidatur zu drängen. "Ich lasse mich nicht treiben", wird der SPD-Chef zitiert.

phw



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