Seit Putschversuch Zahl türkischer Flüchtlinge in Deutschland nimmt zu

Der Aufstand des Militärs, Bombenanschläge, Massenverhaftungen: Die Türkei entwickelt sich zu einem Krisenland. Immer mehr Türken suchen in Deutschland Schutz.
Proteste in Ankara

Proteste in Ankara

Foto: ADEM ALTAN/ AFP

Die Krise der Demokratie in der Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan treibt offenbar immer mehr Menschen in die Flucht. Seit dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli ist die Zahl türkischer Staatsbürger, die in Deutschland Asyl suchen, wieder spürbar gestiegen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sevim Dagdelen hervor.

So wurden im September 446 und im August 375 türkische Flüchtlinge registriert. Im Juni waren es 308. Im ersten Halbjahr 2016 waren die Antragsteller überwiegend Kurden, die vor Militäreinsätzen im Südosten der Türkei flohen.

Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, da Erdogan seinen Kurs vor allem im Kurdengebiet weiter verschärft hat. Erst vor wenigen Tagen wurden die Bürgermeister der kurdischen Millionenstadt Diyarbakir durch Zwangsverwalter ersetzt und Abgeordnete der prokurdischen Partei HDP verhaftet, darunter die Co-Vorsitzenden Figen Yüksekdag und Selahattin Demirtas.

Unter den Schutzsuchenden sind auch Anhänger des islamistischen Predigers Fethullah Gülen, den die Regierung in Ankara für den Drahtzieher des Putschs vom 15. Juli hält. In den letzten beiden Monaten wurden 26 Prozent der Schutzgesuche anerkannt, sofern die Verfahren nicht eingestellt wurden oder andere Länder zuständig waren.

Die Abgeordnete Dagdelen fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, die Kooperation mit der Türkei aufzukündigen: "Die Bundesregierung muss ein klares Zeichen gegen die Diktatur setzen."

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